Das ist der Gospelchor „B-Joy!“ - Die LZ sucht Vereine der Woche

Jan Christian Pinsch

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Generationenübergreifend: Den „B-Joy!"-Spirit wissen die Chormitglieder verschiedensten Alters sehr zu schätzen. Die gemeinsame Freude am Gospel motiviert sie, zusammen mit Chorleiter Uwe Rottkamp immer wieder neue musikalische Wege zu gehen, ohne dabei den eigenen Stil aus dem Blick zu verlieren. Als Chor der Kirchengemeinde ist ihnen nicht nur Spaß beim Singen wichtig, sondern auch die Verkündigung einer frohen Botschaft. - © Jan Christian Pinsch
Generationenübergreifend: Den „B-Joy!"-Spirit wissen die Chormitglieder verschiedensten Alters sehr zu schätzen. Die gemeinsame Freude am Gospel motiviert sie, zusammen mit Chorleiter Uwe Rottkamp immer wieder neue musikalische Wege zu gehen, ohne dabei den eigenen Stil aus dem Blick zu verlieren. Als Chor der Kirchengemeinde ist ihnen nicht nur Spaß beim Singen wichtig, sondern auch die Verkündigung einer frohen Botschaft. (© Jan Christian Pinsch)

Barntrup. Mit einem großen Konzertwochenende am 16. und 17. November feiert der Gospelchor „B-Joy!" in diesem Monat sein zehnjähriges Bestehen. Die Erfolgsgeschichte begann mit einem Workshop im September 2008 und ist seit ihren Anfängen untrennbar mit dem Namen Uwe Rottkamp verbunden.

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Der 57-Jährige arbeitet als selbstständiger Redakteur in Bad Salzuflen, hat aber zudem eine kirchenmusikalische Ausbildung bei der Lippischen Landeskirche zum „Kirchenmusiker im Nebenamt" absolviert und hatte nach seinem Abschluss in Posaune für Posaunenchorleitung und in Vokalchorleitung den Kirchenchor Barntrup übernommen.

„Vor zehn Jahren wurde ich dann vom Kirchenvorstand gefragt, ob ich mir auch was mit Gospel vorstellen könnte", erinnert Rottkamp sich. Konnte er, und mit ihm 17 Frauen, Männer und Jugendliche, die er für einen ersten Workshop begeisterte. „Das war aus heutiger Sicht natürlich herzallerliebst, mit ‚Shine your light‘ in einfach, dem Kanon ‚Heaven is a beautiful place‘ und solchen Sachen, mit denen man damals eben begann." Schwere Musik wie „When Israel was in Egypt’s Land" ließ noch nicht allzu viel von der Richtung erkennen, in die sich der Chor später entwickeln sollte. „Für mich war das eine faszinierende neue Welt, die es zu entdecken gab, denn in der landeskirchlichen Ausbildung zum C-Kirchenmusiker kam Gospel nicht wirklich vor", blickt Rottkamp auf diese Anfänge zurück. „Und weil für den Chor das Gospeln auch neu und die Mitglieder ausnahmslos Laien waren, konnten wir gemeinsam wachsen." Chor und Chorleiter steigerten sich von Jahr zu Jahr: Das Repertoire wurde professioneller, Fachleute wurden zu Stimmbildungen eingeladen, Bandmusiker kamen hinzu, und der Chor wuchs auf an die 45 Mitglieder an.

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Heute fällt es Rottkamp schwer, das Genre exakt zu definieren, in dem „B-Joy!" seinen musikalischen Platz gefunden hat. „Gospel ist ein Sammelbegriff für eine bestimmt Art von kirchlicher Musik, der seinen Wurzeln immer mehr entwächst. Eigentlich müsste man mal einen neuen finden", sagt er. Auch zeitgenössische Begriffsversuche wie Contemporary Gospel oder Modern Gospel träfen es nicht ganz. Was er meint, ist Gospel nach amerikanischer Art mit vielen Einflüssen aktueller Popmusik – jedoch nicht als purer Import, sondern authentisch und im eigenen „B-Joy!"-Stil: „Das ist Drive und Groove mit professioneller Unterstützung durch eine Band. Oft auch von deutschen oder skandinavischen Komponisten. Musik, die uns steht und zu uns passt. Vielleicht trifft es ‚Gospelrock‘ ganz gut."

Tatsächlich sind die Songs von „B-Joy!" im Jahr 2018 vor allem rockig und poppig und machen Mitwirkenden und Zuhörenden gleichermaßen Spaß. Eine der Sängerinnen, Karla Gröning, berichtet, dass sie auch deswegen gerne an den Proben teilnimmt, weil sie sie aus ihrem Alltag reißen. „Oft kommen wir gestresst an und gehen anschließend mit einem guten Gefühl nach Hause", sagt sie. „Zudem ist es für uns eine gute Möglichkeit, sich mit der Botschaft zu beschäftigen." Denn auch die soll nicht zu kurz kommen.

„Mir ist wichtig, dass wir ein Chor der Kirchengemeinde sind", betont Rottkamp. „Es geht uns immer auch um Verkündigung und Mission." Über die Musik könnten Menschen erreicht werden, die sonst mit Kirche nicht so viel zu tun hätten. So sei es auch bei einigen Chormitgliedern gewesen: „Heute sprechen sie oftmals auch das Vaterunser mit, das zusammen mit einem Segenswunsch zum Abschluss jeder Probe obligatorisch ist." Das erinnert Rottkamp ein bisschen an Martin Luther und dessen Prinzip „Dem Volk aufs Maul schauen": Er habe ebenfalls das Singen angefangen, um die Menschen mit seiner Botschaft zu erreichen, und dafür auch bekannte Volks- und Stammtischlieder in Kirchenlieder umgedichtet. Kontrafaktur nennt das die Musiktheorie.

Für den Chorleiter ist das Zusatzangebot eine wichtige Chance, nicht zuletzt auch jüngere Menschen zu erreichen, die mit traditionellen Elementen wie der Orgel und den teils Jahrhunderte alten Liedern im Gesangbuch nicht mehr allzu viel anfangen können. Sieben Jugendliche machen derzeit aktiv mit, teilweise singen generationenübergreifend Mütter und Töchter gemeinsam im Chor. Zur Nachwuchsförderung wird jedes Jahr der Workshop „Gospelkids" veranstaltet, um Kinder für Musik zu begeistern. Rottkamp betont: „Ich bin der Gemeindeleitung sehr dankbar, dass wir hier vieles ausprobieren dürfen."

Trotz des festen Platzes in der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde, die sich auch in eigenen Gospelgottesdiensten und der Beteiligung an feierlichen Anlässen wie Konfirmationen widerspiegelt, kommen nicht alle zwangsläufig aus Barntrup, sondern auch aus den umliegenden Gemeinden. Zudem wird die Ökumene gepflegt. „Offen zu sein für die Nachbarn, das ist für mich die Kirche der Zukunft", meint Karla Gröning, die auch Mitglied des Kirchenvorstands ist. Umgekehrt stammen die Zuhörer schon längst nicht mehr nur aus dem Osten Lippes. „Heute gehören wir im nichtprofessionellen Bereich zu den Spitzenensembles in Lippe und darüber hinaus", sagt Rottkamp selbstbewusst und mit unverkennbarem Stolz. „Zu unseren Konzerten reist uns inzwischen eine richtige kleine Fangemeinde nach."

Überragend: Die stimmgewaltige Christina Friedrich (vorne links) wird von ihrem Chor auch „The Voice“ genannt. Gerd-Matthias Hoeffchen begleitet an der Gitarre. - © B-Joy!
Überragend: Die stimmgewaltige Christina Friedrich (vorne links) wird von ihrem Chor auch „The Voice“ genannt. Gerd-Matthias Hoeffchen begleitet an der Gitarre. (© B-Joy!)

Von den 17 Gründungsmitgliedern sind noch sechs dabei. Sie haben neben den regelmäßigen Konzerten in zehn Jahren viele weitere Highlights erlebt: „B-Joy!"-Mitglieder nahmen an dem Pop-Oratorium „Die zehn Gebote" teil, dem Vorläufer des aktuellen „Luther"-Oratoriums von Dieter Falk, und wurden dabei von einem ZDF-Fernsehteam begleitet, es wurden Chor-Reisen nach Berlin und Erfurt unternommen, und in jedem Jahr wird ein ausgiebiges Proben-Wochenende in Falkenhagen durchgeführt.

Natürlich werden auch weiterhin immer wieder neue Sängerinnen und Sänger und auch Jugendliche in den Chor integriert. Besondere Voraussetzungen wie Chorerfahrung oder Notenkenntnisse sind nicht erforderlich. Viel wichtiger seien laut Rottkamp Spaß an Rhythmus und Groove und die Fähigkeit, sich auf den besonderen „Spirit" von „B-Joy!" einzulassen. Spirit? „Ja, den gibt es. Die ’B-Joy!’s gehen irgendwie besonders miteinander um. Es gibt weder Zickenalarm noch Cliquenbildung oder Spielarten von Mobbing. Jeder ist integriert und gleich wichtig. Das ist nicht überall so", weiß Rottkamp.

Genau wie vor zehn Jahren freut er sich noch immer wahnsinnig über die Chance, sich gemeinsam mit den Sängerinnen und Sängern musikalisch zu verwirklichen und den „B-Joy!"-Stil weiterzukreieren. „Das kann man nicht kopieren", sagt er. „Wir sind nicht besser, aber wir sind anders."

Barntruper beschenken sich selbst

Intern feiert der Gospelchor „B-Joy!" Barntrup bereits ganzjährig immer mal wieder seinen zehnten Geburtstag. Ganz offiziell werden die Feierlichkeiten jedoch am Freitag und Samstag, 16. und 17. November, begangen – mit der auch schon neunten Ausgabe der Barntruper Gospel Nights in der evangelisch-reformierten Kirche. Das diesjährige Programm, das an dem Wochenende erstmals präsentiert wird, steht logischerweise unter dem Motto „Time to celebrate" (auf deutsch: „Zeit zu feiern").

„Dieser musikalische Mega-Event ist eine große Kraftanstrengung, auf die wir uns aber sehr freuen", erklärt Chorleiter Uwe Rottkamp. „Die Gospelnächte sind schließlich eigentlich jeweils ein Doppelkonzert." Wie aus der Veranstaltungsankündigung hervorgeht, präsentiert der Chor 23 Stücke, hinzu kommen noch Beiträge der „Gospel-Kids" sowie der Jugendabteilung, die sich mit einem Stück von Ed Sheeran erstmals „solo" präsentieren will. Damit diese zweieinhalb Stunden geballte Musik von der ersten bis zur letzten Minute mitreißen, sind die Nächte jeweils in zwei große Blöcke geteilt.

Zwischendurch gibt es eine Pause, in der zwischen Kirche und Gemeindehaus „Gegrilltes und Getränke" angeboten werden. „Nicht nur Mineralwasser", betont Rottkamp schmunzelnd, denn: „Unser Orga-Team übertrifft sich da immer selbst." Er erinnert daran, dass im vergangenen Jahr auch eine kleine Sektbar eingerichtet wurde, und wenn es stürmt und schneien sollte, würden auch die entsprechenden Heißgetränke im Angebot sein.

Ein besonderes Geburtstagsgeschenk habe sich der Chor selbst gemacht, heißt es in der Ankündigung weiter: Im Showteil der Gospelnächte werden Songs der „Les Humphries Singers" zelebriert. „Ich fand, dass die Songs dieser Kultband aus den 1970er Jahren einfach mal wieder dran sind", erläutert Rottkamp. „Zumal unter den Hits der Singers auch viele Gospelsongs waren." Angekündigt sind beispielsweise „Spirit of Freedom", „To my Fathers house" oder „We’ll fly you to the promised Land" sowie „Mama Loo", das Rottkamp als „unverwüstlich" bezeichnet. „Das ist zwar kein Gospel, darf aber in einem solchen Medley nicht fehlen", fügt der Chorleiter hinzu. „Weil es nur wenig Chormaterial dafür gibt, wurden die Arrangements neu geschrieben." Und da man Songs wie „Mama Loo" natürlich nicht nur einfach so singen könne, hätten sich die Chormitglieder als zweites Geschenk eine Choreografin gegönnt, so Rottkamp weiter.

Der Chor wird mit den Solisten und der vierköpfigen „B-Joy!"-Band in dem neuen Programm „Time to celebrate" noch viele weitere Genre-Meilensteine präsentieren, darunter Titel von Micha Keding, Joakim Arenius, Israel Houghton, Rick Founds, Phil Collins oder des Oslo Gospel-Choir.

Beginn ist an beiden Tagen jeweils um 19.30 Uhr, der Einlass um 19 Uhr. Der Eintritt ist frei, Plätze können nicht reserviert werden.

Kontakt

Gospelchor „B-Joy!"

Uwe Rottkamp – Volkhausenstraße 22 – 32105 Bad Salzuflen

Telefon: (05222) 951213

Internet: www.b-joy.net

E-Mail: Kontakt über die Homepage

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