Friedhofsgemeinde Nienhagen ist der Verein der Woche

Tanja Watermann

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Eine starke Gemeinschaft: Um die Pflege und Wartung der beiden Friedhöfe samt der Außenanlagen und der Kapelle kümmern sich die ehrenamtlich tätigen Mitglieder des Vereins „Friedhofsgemeinde Nienhagen“. - © Tanja Watermann
Eine starke Gemeinschaft: Um die Pflege und Wartung der beiden Friedhöfe samt der Außenanlagen und der Kapelle kümmern sich die ehrenamtlich tätigen Mitglieder des Vereins „Friedhofsgemeinde Nienhagen“. (© Tanja Watermann)

Detmold-Nienhagen. Die Friedhofsgemeinde Nienhagen ist ein besonderer Verein mit einer besonderen Geschichte. Er wurde 1905 ursprünglich unter dem Namen „Totenhofsverein" gegründet. Doch der Friedhof in Nienhagen besteht bereits seit 1844: Ein Pfeiler im Eingang des alten, denkmalgeschützten Friedhofs an der Obernienhagener Straße bezeugt mit einer Inschrift die Jahreszahl der Entstehung der Anlage.

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Der von einer Bruchsteinmauer umfasste Friedhof dokumentiert durch viele bemerkenswerte Grabsteine die Friedhofskultur auf den Dörfern im ausgehenden 19. Jahrhundert. Heute gibt es den alten, seit 1991 denkmalgeschützten Friedhof noch immer. Hier finden natürlich keine Bestattungen mehr statt. Alte Grabmale dürfen aufgrund der Denkmalschutzverordnung nicht restauriert werden, sondern müssen von den noch lebenden Nachfahren in Ordnung gehalten werden. Auf Antrag gibt es jedoch die Möglichkeit, Zuschüsse bei der Denkmalbehörde zu erhalten. Die Vereinsmitglieder Albrecht Dreimann (86) und Horst Pölert (80) kümmern sich intensiv um den alten Friedhof und können zu den einzelnen Grabstätten und Lebensgeschichten der dort Bestatteten viele interessante Hintergrundinformationen geben.

Die Notwendigkeit für einen eigenen Friedhof erklärt der Vorsitzende Herbert Helweg mit der Geschichte des Ortes. Bis 1844 mussten die Nienhagener auch die Leichen Verstorbener aus Pivitsheide V.H. nach Heiden transportieren, da Nienhagen zum Kirchspiel Heiden gehörte. Die Nienhagener waren dazu verpflichtet, weil die örtlichen Bauern Weiderechte in Pivitsheide V.H. besaßen. Da zu dem Kirchspiel Heiden aber auch die Orte Hedderhagen, Heßloh, Niewald, Hardissen, Bentrup, Klüt, Orbke und Nienhagen gehörten, waren die Kapazitäten auf dem Friedhof Heiden bald erschöpft.

Nach einigen rechtlichen Hürden, die die Nienhagener meistern mussten, wurde 1844 das Gelände für einen eigenen Friedhof in Nienhagen ausgewiesen. Zu diesem gehörten auch die Orte Pivitsheide V.H. und Orbke. Die Verwaltung oblag dem jeweiligen Nienhagener Vorsteher, der damals als „Colone" bezeichnet wurde. Aufgrund der steigenden Bevölkerungsdichte wurde nur neun Jahre später auch in Pivitsheide V.H. ein Friedhof angelegt.

Vom alten Friedhof aus fußläufig erreichbar ist der neue Friedhof, auf dem heute die Toten ihre letzte Ruhestätte finden. Dieses Gelände wurde bereits 1904 erworben und angelegt, nachdem laut Überlieferungen eine Epidemie zu vielen Verstorbenen und einem voll besetzten Friedhof führte und daher für weitere Bestattungen geschlossen wurde. Die Vereinsmitglieder verfügen über schriftliche Überlieferungen wie Kaufverträge mit dem Bauern Windmeier, der damals für nur 3.200 Reichsmark das Gelände zur Verfügung stellte und dann auch die Geschäfte der Totenhofsverwaltung übernahm. Im Mai 1905 verabschiedeten die Nienhagener und Orbker Kolonats- und Stättebesitzer die Satzung der kommunalen Totenhofsgemeinde. Sämtliche Grundeigentümer der beiden Ortschaften gehörten automatisch der Totenhofsgemeinde an und alle Einwohner mit christlichem Bekenntnis besaßen ein Beerdigungsrecht.

Die Grabsteine auf dem denkmalgeschützten, alten Friedhof dokumentieren die Friedhofskultur im ausgehenden 19. Jahrhundert. - © Tanja Watermann
Die Grabsteine auf dem denkmalgeschützten, alten Friedhof dokumentieren die Friedhofskultur im ausgehenden 19. Jahrhundert. (© Tanja Watermann)

Damals war die Beisetzung für Hof- und Stättenbesitzer und deren Angehörige nach einer einmaligen Beitragszahlung kostenlos, während alle anderen Gebühren bezahlt werden mussten. Heute müssen Bürger der Friedhofsgemeinde aktiv beitreten und erwerben nicht automatisch die Mitgliedschaft. Hierfür sind in der Satzung jedoch die genauen Voraussetzungen festgelegt: Mitglied werden kann jede volljährige Person, die seit mindestens fünf Jahren ihren Hauptwohnsitz in Detmold-Nienhagen hat und Grundeigentümer ist. Die Mitgliedschaft schließt Ehepartner, Lebensgefährten sowie Kindern ein, die jedoch kein Stimmrecht besitzen. Einmalig sind 30 Euro Beitrittsgebühr zu zahlen.

Die Mitgliedsbeiträge werden ausschließlich zur Unterhaltung und Pflege der Friedhöfe sowie der Kapelle genutzt. Wie auf allen Grabstätten müssen die Gräber oder Ruhestätten von den Eignern gepflegt werden.

Heute werden verschiedene Bestattungen auf dem Friedhof angeboten. Neben den normalen Einzel- oder Familiengräbern ist auch eine anonyme oder teilanonyme Bestattung von Urnen möglich. Auf einer Freifläche neben einer alten Linde ist eine Rasenfläche vorgesehen, auf der Urnenbestattungen stattfinden können, ohne dass individuelle Bestattungsplätze erkennbar sind. Als Gedenkstätte sind drei Stelen aus Schieferstein in einer der ländlichen Umgebung angepassten Anlage aufgestellt worden. Dort können anlässlich einer Totenfeier kurzfristig Trauergrüße in Form von Kränzen oder Sträußen niedergelegt werden. Metalltafeln mit den Namen der Verstorbenen können nach Absprache mit dem Verein an den Stelen angebracht werden.

In die Pflege und Wartung beider Friedhöfe samt den Außenanlagen und der Kapelle obliegt den ehrenamtlich tätigen Vereinsmitgliedern. Die Mitglieder sind das ganze Jahr über aktiv und organisieren gemeinsame Arbeitseinsätze. Die besondere Organisation des örtlichen Friedhofs liegt den Mitgliedern sehr am Herzen. Man kennt sich seit Jahrzehnten und der Friedhof ist auch heute noch ein wichtiger Ort der Begegnung. Die beiden Friedhöfe sind im Gegensatz zu anderen Anlagen keine kommunale Liegenschaften, sondern Eigentum der Friedhofsgemeinde Nienhagen.

Die Pflege der Kapelle ist Familiensache

Frieda Kirschke, von allen „Friedchen" genannt, kümmert sich seit Jahren um die Pflege der Friedhofskapelle. Zuvor hatte ihre Mutter diese Aufgabe jahrelang inne. Mit viel Sorgfalt hält sie die Kapelle sauber und hat die Einrichtung immer im Blick, so dass notwendige Reparaturen und Ausbesserungen schnell vorgenommen werden können.

Da ihr Wohnhaus in unmittelbarer Nähe liegt, hat „Friedchen" auch schon vielen Besuchern des Friedhofs in der Not geholfen. Da es dort keine sanitären Anlagen gibt, weil die Unterhaltung eines solchen separaten WCs einfach viel zu kostenintensiv für den kleinen Verein wäre, öffnet Frieda Kirschke auch fremden Besuchern gerne die Tür und gewährt Zutritt zu ihrer privaten Toilette. Erst kürzlich bestätigte ihr ein stadtbekannter Trauerredner erleichtert, dass sie ihn gerettet habe. Außerdem gibt Frieda Kirschke Besuchern des Friedhofs jederzeit bereitwillig Auskunft über den Friedhof und versorgt diese mit Informationen. Die Friedhofsgemeinde ist ihr für dieses Engagement sehr dankbar.

Kontakt

Friedhofsgemeinschaft

Nienhagen

Steinbrink 6

32758 Detmold

Telefon: (05232) 85611

Mobil: (0151) 50708038

E-Mail: friedhofsgemeinde-nienhagen@hschnieder.de

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