Blaskapelle Humfeld: „Wir machen Musik, die von Herzen kommt“

Reinhold Sölter

  • 0
Eine starke Gemeinschaft: Das Blasorchester Humfeld ist ein fester Bestandteil des musikalischen Lebens weit über die Grenzen des Dörentruper Dorfes hinaus. - © Reinhold Sölter
Eine starke Gemeinschaft: Das Blasorchester Humfeld ist ein fester Bestandteil des musikalischen Lebens weit über die Grenzen des Dörentruper Dorfes hinaus. (© Reinhold Sölter)

Dörentrup-Humfeld. Die Blaskapelle Humfeld hat im musikalischen Leben der Region ihren festen Stellenwert. Das Selbstverständnis lautet: „Wir sind offen für vieles, lassen uns gern auf das Publikum ein, spielen gerne das, was erwartet wird. Wir haben selber Freude an der Musik, das steht bei uns an erster Stelle. Wir machen Musik, die von Herzen kommt."

Zum Herunterladen
  1. Die aktuelle Ausgabe von "Wir in Lippe" als PDF

Gut 200 Titel umfasst das Repertoire der Blaskapelle Humfeld. Evergreens sind dabei wie „Die kleine Kneipe", „Griechischer Wein" oder „Über den Wolken". Und immer wieder werden auch neue Lieder einstudiert. Die aktuelle Ergänzung sind fünf Songs der „Kastelruther Spatzen" mit „Der rote Diamant". So erklingen Märsche beim Festumzug, Walzer, Polka und Potpourris beim Konzert, Stimmungslieder im Festzelt, Weihnachtslieder beim Nikolausblasen und die Nationalhymne beim Zapfenstreich.

Bei mehreren Schützenvereinen ist die Humfelder Blaskapelle Stammgast, bei Königsschießen, Proklamation, Rundmarsch und Konzert. Und die Musiker sind das „Haus-Orchester" im Humfelder Altersheim Elisenstift. Jahrelang hat die Blaskapelle das Silvesterturnen des TuS Humfeld musikalisch mitgestaltet. Später ist man auf den Dorfplatz umgezogen und veranstaltet dort mit der Dorfgemeinschaft ein Silvester-Blasen mit Umtrunk. An vielen Feiertagen treten die Musiker mit Konzerten an die Öffentlichkeit, etwa 40 Veranstaltungen werden jedes Jahr durch sie zum Musikvergnügen.

Seit 1989 feiern die Musiker jedes zweite Jahr (ohne Schützenfest in Humfeld) ein eigenes Oktoberfest in den Humfelder Reiterstuben. Im bayerischen Stil wird erst kulinarisch aufgetischt und dann zünftig mit alpenländischer Musik bis Mitternacht gefeiert. Da steht das Publikum selbstverständlich auch schon mal auf den Tischen und klatscht mit oder es wird um die Tische „rudelgeschunkelt". Seit 1967 veranstaltet die Blaskapelle jedes Jahr am 6. Dezember einen „Nikolaus-Umzug" durchs Dorf, seit 1970 gemeinsam mit der Humfelder Feuerwehr. Der Nikolaus hat es meistens eilig und kommt nur selten in der Pferdekutsche, lieber mit Polizeiauto oder Feuerwehrwagen und Blaulicht; 1972 und 1985 wurde er sogar mit einem Hubschrauber der Britischen Militärpolizei aus Detmold eingeflogen.

Vor wenigen Tagen begann die Blaskapelle ein neues Kapitel in ihrer Vereinsgeschichte. Zum „1. Dörentruper Mitsingkonzert" erwarteten die Musiker stimmgewaltige Konzertbesucher in der Begaraner Kirche. Die Liedtexte wurden gut sichtbar auf eine Leinwand projiziert, damit alle gleich textsicher einstimmen konnten. Künftig ist jeder erste Übungsabend im Monat auch für Gäste offen, immer montags von 19 bis 21.30 Uhr im Dörentruper Bürgerhaus.

Zur Geschichte der Blaskapelle: Ein Jahr nach Gründung der Schützenvereinigung Humfeld kam Herbert Pape 1960 die Idee: „Die Schützenvereinigung braucht immer Musik und die machen wir jetzt selber." Mit Fritz Pape, Herbert und Ludwig Brand, Adolf Wehrmann und Gerd Dirßuweit fand er gleichgesinnten Mitstreiter, die „Schützenkapelle Humfeld" wurde gegründet. Noch im Jahr 1960 konnten fünf weitere Mitglieder für die Idee gewonnen werden, so dass am Jahresende das musikalische Repertoire schon auf zwei Lieder angewachsen war: „Waldeslust" und „In der Lüneburger Heide"; einstudiert wurden die Lieder in der Schmiede von Herbert Pape.

1961 war die Schützenkapelle beim ersten Fest der neu gegründeten Schützenvereinigung schon im Dauereinsatz. Selbst im gemeinsamen Kreisen im Kettenkarussell musste die Lautsprechermusik abgeschaltet werden, und die Mitglieder der Schützenkapelle spielten mit ihren eigenen Instrumenten aus drei Metern Höhe einen Marsch. 1968 standen alle Musiker beim Richtfest der neuen Schießanlage in der Friedkuhle ganz oben auf dem Dachfirst und bliesen den Ehrengästen und Handwerkern ihre Töne entgegen. 1972 trennte sich die Blaskapelle von der Schützenvereinigung und gab sich den Namen „Blaskapelle Humfeld". 1974 erfolgte der erste Dirigentenwechsel. Für den erkrankten Helmut Lefmann übernahm Rolf-Dieter Nolting die musikalische Leitung und gründete gleich die erste Nachwuchsgruppe, die von Mitgliedern der Blaskapelle unterrichtet wird. 1976 gab es neue Uniformen – in „weinrot".

1977 wurde zusammen mit der „Original Kapelle Egerland" unter Leitung von Conny Dellner vier Stunden Stimmung im Schützenfestzelt gemacht, 1200 Zuhörer spendeten reichlich Applaus. 1200 Besucher hörten auch 1980 beim Konzert der Blaskappe in der Kurhalle von Bad Salzuflen zu.

1981 wurde eine Gesangsanlage angeschafft, die Auftritte können so besser moderiert werden, die Zuhörer sind noch besser informiert über die Musikauswahl. Das kam auch 1984 gut an, als Humfeld 700 Jahre alt wurde und die Einwohner dies ausgiebig feierten. Das 25-jährige Bestehen wurde 1985 ein ganzes Wochenende gefeiert. 16 Musikgruppen traten mit Fanfaren, Pauken, Blech- und Holzblasinstrumenten auf. Die Humfelder waren so begeistert, dass sich gleich 15 neue Mitspieler anmeldeten, die Blaskapelle erreichte so Ende der 1980er Jahre mit mehr als 40 Mitspielern ihren Kulminationspunkt. 1986 kam die Uwe-Seeler-Traditionself nach Humfeld, und die wurde natürlich musikalisch von der Humfelder Blaskapelle empfangen. 1988 wurde die Dörentruper Partnergemeinde Bayerisch Eisenstein besucht – der Höhepunkt des Wochenendes war ein fünfstündiges Konzert. Drei Humfelder waren aber noch mehr aus der Puste als die Musiker – die hatten die 700 Kilometer lange Anreise mit dem Fahrrad absolviert, Vorsitzender Klaus Nolting soll dabei die meiste Zeit den beiden Mitfahrern „Windschatten" gewährt haben.

Heimspiel: die Blaskapalle beim Schützenfest in Humfeld im August 2017. - © Reinhold Sölter
Heimspiel: die Blaskapalle beim Schützenfest in Humfeld im August 2017. (© Reinhold Sölter)

1989 entschlossen sich die Musiker spontan bei ihrer Weihnachtsfeier, die deutsche Wiedervereinigung mitzugestalten. Am Neujahrstag 1990 fuhren sie in die Grenzzone und gaben in Heiligenstadt ein Konzert auf der Straße. Das 40-jährige Bestehen wurde mit einer Weserschifffahrt zelebriert, 2004 waren die Musiker dann wieder in ihrem Element, als der WDR mit dem „Dorfplatz 10 Uhr" in Humfeld Station machte und ganz Ostwestfalen in der abendlichen Sendung die Blaskapelle Humfeld als musikalischen Botschafter zu hören bekam.

Ernst Mosch hinterlässt Spuren

Die Blaskapelle Humfeld hat in ihrem musikalischen Repertoire einen Schwerpunkt, die Egerländermusik von Ernst Mosch. Etwa 20 Lieder mit böhmischen Klängen gehören zu den Lieblingsmelodien der Blaskapelle. „Rauschende Birken", „Kinderaugen" oder „Dompfaff" lassen die Bläser immer wieder gerne erklingen. Das sind speziell für Blechbläser geschriebene Stücke, welche die Blaskapelle besonders eindrucksvoll zelebrieren kann.

Ernst Mosch war Posaunist – erst im Hamburger Rundfunkorchester, danach im Südfunk-Tanzorchester Stuttgart von Erwin Lehn. Am 21. April 1965 erfüllte sich sein Traum vom eigenen Orchester mit der Musik seiner böhmischen Heimat mit dem ersten öffentlichen Auftritt seiner „Original Egerländer Musikanten". Danach ging ging es rasant nach oben – mit Goldenen und Platin Schallplatten, USA-Tournee und mehr.

Für die Blaskapelle Humfeld erfüllte sich am 7. September 2007 in der damaligen Lipperlandhalle ein Traum. Sie spielten im Vorprogramm mit den „Egerländern" vor begeisterten Zuhörern.

Aber es kam noch viel besser: Ernst Hutter, Chef der „Original Egerländer Musikanten" und damit legitimer Nachfolger von Ernst Mosch, sagte zu, 2008 in Humfeld mit den dortigen Blasmusikern einen Workshop zu veranstalten, die Technik und den Stil der schwingenden böhmischen Blasmusik drei Tage intensiv zu trainieren. Mit einem Konzert in den Humfelder Reiterstuben unter Leitung von Hutter ging der Workshop zu Ende. Klaus Nolting wird den Tag nie im Leben mehr vergessen.

Nach 36 Jahren als Vorsitzender der Humfelder Blaskapelle ist Nolting inzwischen zurückgetreten und gerade zum Ehrenvorsitzenden ernannt worden. Und wer war der erste Gratulant? Sein Idol Ernst Hutter. „Das war einmalig schön", erinnert sich Nolting. Aber der Workshop hatte auch nachhaltige Folgen. „Noch heute schreiben wir uns gegenseitig zu Weihnachten immer eine Grußkarte", berichtet Klaus Nolting stolz.

Frank Nolting war lange Mitspieler, bis er nach Sachsen-Anhalt auswanderte. Doch bei jeder Heimatrückkehr spielt er gerne bei passender Gelegenheit (Konzert) noch mal in der Blaskapelle zur Aushilfe mit. Hans Stutzke hat das Posaunenspiel erst im Erwachsenenalter erlernt. 1976 begann sein Engagement in der Humfelder Blaskapelle. Inzwischen ist er der älteste Mitspieler, aber immer noch keineswegs der leiseste, wie es heißt.

Geheiratet wurde übrigens auch mehrfach innerhalb des Vereins. Birgit Brand und Ernst Kuhlmann lernten sich im Orchester kennen, saßen als Trompetenspieler nebeneinander und waren das erste interne Hochzeitspaar 1987. Weitere Kontakte waren erfolgreich – wie etwa zwischen Schlagzeuger und bis 2017 Vorsitzendem Rainer Fasse und Anke Schäfer.

Mit Leidenschaft

Die Mitspieler der Blaskapelle Humfeld sind alle reine Hobbymusiker, einige aber schon mit mehreren Jahrzehnten Auftrittserfahrung. Der einzige Vollprofi hat einen Taktstock in der Hand und steht als Dirigent vor der Blaskapelle.

Schon mit neun Jahren erlernte der gebürtige Kasache Roman Plaskov in der heimatlichen Musikschule das Trompetenspiel. Das machte ihm so viel Spaß, dass er diese Leidenschaft sogar zum Beruf machte. Vier Jahre Berufsschule für Musiker mit dem Staatsexamen als Abschluss und anschließend fünf Jahre Studium an der Hochschule in Alma Ata (heute Almaty, Kasachstan) im Staatlichen Konservatorium machten ihn zum Virtuosen der Trompete. Seine erste berufliche Station war das Engagement als Trompeter in der Staatsoper. 1994 aber kam die Übersiedlung nach Deutschland und seine berufliche Entwicklung begann von vorn. Derzeit ist er Trompeter im Volkswagen-Philharmonik-Orchester Wolfsburg und seit 2018 Dozent an der Städtischen Musikschule Hameln. Seit 2006 dirigiert er die Humfelder Blaskapelle und hat diese zu einem qualitativ hörenswerten Klangkörper weitergeformt.

„Musik ist vielschichtig und vielfältig", ist seine Überzeugung – und so entwickelt er auch die Humfelder Musiker in unterschiedliche Richtungen mit einem abwechslungsreichen Repertoire. Und einen Lieblingskomponisten hat er auch: Beethoven.

Kontakt

Beate Johrden

Sudetenstraße 12

32694 Dörentrup

Telefon: (05265) 954096

E-Mail: blaskapelle-humfeld@gmx.de

Internet: www.blaskapelle-humfeld.de

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2019
Inhalte von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

0 Kommentare
0 Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem gültigen LZ-Plus-Zugang möglich. Jetzt testen!