Nach 125 Jahren: Dem MGV "Immergrün" geht nicht die Puste aus

Werner Hoppe

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Männer des MGV "Immergrün" - © Werner Hoppe
Männer des MGV "Immergrün" (© Werner Hoppe)

Extertal-Silixen. Das Immergrün ist eine Pflanze, mit der sich Begriffe wie Treue und Optimismus verbinden. Und vor 125 Jahren, als die Gründerväter des Männergesangvereins „Immergrün" Silixen nach einem passenden Namen für ihren neuen Chor suchten, gehörte wohl auch noch die Vaterlandsliebe dazu. Was seinerzeit „noch nichts Schlimmes gewesen ist", erläuterte Willi K. Schirrmacher, Regionalhistoriker und Vorsitzender des Silixer Heimatvereins 125 Jahre später in seiner Laudatio zur Jubiläumsfeier der Sänger vor gut zwei Wochen.

Zwischen damals und heute

Wie auch immer, die Erben beziehungsweise Nachfahren der Gründerväter sehen ihre historischen Wurzeln zwar in der Vergangenheit, aber sie leben und vor allem sie singen im Hier und Heute. Darum „wollen wir nach vorne schauen, über die Vergangenheit ist in den Wochen und Monaten vor unserem Jubiläum schon reichlich geredet und geschrieben worden", spricht der 1. Vorsitzende Rolf Reese für seinen Verein. Und darum, diesen auch in Zukunft noch in seinem Kerngeschäft singen zu erleben, geht es, sagt er. Und deshalb hätten sich die „Immergrünen" mit Optimismus immer wieder neu erfunden.

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So wie zuletzt im Jahr 2012, als die Sänger aus Lippes hohem Norden den größten Einschnitt in ihrer Geschichte riskierten. Denn damals ging es, wie bei so vielen anderen reinen Männergesangvereinen, nicht nur um den Erhalt der Sing- und Auftrittsfähigkeit, sondern ums nackte Überleben als Chor. Die „Immergrün"-Sänger wagten den Sprung über den eigenen Schatten und beschlossen das musikalische Zusammengehen mit dem Frauenchor „Liederreigen" Silixen/Kükenbruch. Was nicht ohne intensive bis heftige Diskussionen und Erschütterungen der alten Sänger-Herrlichkeit vonstatten ging. Stand doch zu befürchten, dass vertraute und in mehr als Jahren lieb gewordene eingelaufene Wege verlassen werden mussten. Der MGV hat den Schritt gewagt, geschafft und dabei nur gewonnen, können sich die „Immergrünen" inzwischen von allen Seiten bescheinigen lassen.

2012 war es ein vorsichtiges Experiment

Was 2012 als vorsichtiges Experiment mit der versuchsweisen Formierung eines Projektchores begann, mündete bereits ein Jahr sowie etliche gemeinsame Proben und Auftritte später in eine Chorgemeinschaft mit den „Liederreigen"-Frauen. Beide Seiten haben gewonnen und konnten ihre stimmlichen Möglichkeiten und damit auch ihr Repertoire nicht nur erhalten, sondern deutlich erhöhen und erweitern, inzwischen auch mit vielen neuen Liedern. Darin stimmen die „Liederreigen"-Vorsitzende Ulrike Hanke und der „Immergrün"-Frontmann Rolf Reese mit ihren Sängerinnen und Sängern heute überein. Ebenso darin, dass der glückliche Umstand, mit Ulrike Surrey für beide Chöre dieselbe Dirigentin zu haben, das Experiment zum nachhaltigen Projekt gemacht hat. Es läuft rund, und „wir hatten das beste Jahr aller Zeiten", lobte die Chorleiterin zur „Immergrün"-Jahreshauptversammlung im Januar. Hatten die Mitglieder auf dem Weg zur Harmonie doch manches Mal von ihr konstruktive Kritik zu ertragen, wenn es bei Chorproben mit dem richtigen Ton noch nicht so ganz klappen wollte oder die Disziplin der Sänger zu wünschen übrig ließ.

Aber die teils unrunde Anlaufphase ist Geschichte, und die „Immergrünen" haben in der Chorgemeinschaft mit den „Liedereigen"-Frauen die beiderseitige Lösung für ihre Zukunftssicherung gefunden. Beide Chöre haben inzwischen sogar auch ihren Namen verschmolzen und nennen sich – zu Anfang eher scherzhaft und auch ein wenig zaghaft – „Immergrüner Liederreigen". Die neue Bezeichnung prägt sich inzwischen mehr und mehr ein: ein Chor-Name für zwei eigenständige Vereine mit ihren jeweiligen Besonderheiten.

"Wir gehören zusammen"

Und vielleicht ist dies ein Teil des Erfolgsgeheimnisses des Projektes, das da heißen könnte: Wir singen zusammen, gehören zusammen, ergänzen einander, aber wir sind auch weiterhin als Frauenchor sowie Männerchor wahrzunehmen.

Die Mehrzahl der Auftritte bestreitet der „Immergrüne Liederreigen" inzwischen gemeinsam. Dazu zählt unter anderem auch das Singen im Möllenbecker Wald, bei dem die Silixer Sänger seit annähernd sechs Jahrzehnten gute nachbarschaftliche Beziehungen zum MGV Krankenhagen über die Landesgrenze zu Niedersachsen hinweg pflegen. Die Aktion im Frühjahr wird im Wechsel ausgerichtet und ist ein echter Veranstaltungs-Evergreen beider Chöre. Wobei auch der ehemalige MGV Krankenhagen sich entschlossen hat, Frauen in seine Reihen aufzunehmen und als Gesangverein Krankenhagen in die Zukunft zu gehen. Das Himmelfahrtssingen findet heuer zum 60. Mal statt, „und wir sind dieses Mal die Gastgeber", lädt Rolf Reese ein zur Einkehr beim Vatertagsausflug. Vor dem Hintergrund der 125-Jahr-Feierlichkeiten werde das gemeinsame Singen am Dorfgemeinschaftshaus Silixen stattfinden, „damit auch die älteren Silixer dazukommen können". Ab 10 Uhr sei alles bereit für die Besucher bei Imbiss und Getränken, und ab etwa 11.30 Uhr spiele der Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Möllenbeck auf.

„Uns geht die Puste nicht aus" lautet der sinnige Slogan, mit dem die „Immergrünen" und mittlerweile der „Immergrüne Liederreigen" mit frischen Liedern und Konzepten die Silixer Chor-Tradition lebendig halten. Auch wenn bei manchem davon mit den Jahren die Zugkraft nachlässt, die Puste geht ihnen nicht aus, den optimistischen „Immergrünen", und deshalb darf auch gerne mal ein müde gewordenes Konzept neu überdacht und überarbeitet werden.

So wie die „Westernromantik" im Sommer. Dabei kam über Jahre Prärie-/Feier-Stimmung auf am Silixer Dorfgemeinschaftshaus. Viele Teilnehmer erinnern sich noch gern an die ersten Jahre, als die „Immergrünen" in Sombrero-Strohhüten, Jeans und Cowboystiefeln in Lippes beschaulichem Norden die Herrlichkeit des amerikanischen wilden Westens besangen. Dieses rustikale Event ist zwar etwas in die Jahre gekommen, aber es wird in diesem Jahr eine Neuauflage geben, kündigt Reese an. Eine Neuauflage mit mindestens einer Veränderung werde es sein. Denn das Kinderunterhaltungsprogramm mit Ponyreiten, Stockbrotbacken, Bogenschießen und anderen Extras für den Nachwuchs werde es mangels Zuspruch so nicht mehr geben. Dafür wird aber das Programm für die Erwachsenen mit deutlich mehr Attraktionen aufgepeppt, machen Rolf Reese und die „Immergrünen" schon jetzt Appetit auf die „Westernromantik 2.0" am 6. Juli. Denn mit der Countryband „B 239" aus Bad Salzuflen spielt ab 18 Uhr ein musikalisches Schwergewicht der heimischen Szene. Und die Gruppe „Feuerflut", ebenfalls aus Salzuflen, soll ab etwa 22.30 Uhr, mithelfen, ein neues Kapitel der „Westernromantik" zu schreiben.

Der Slogan „Uns geht die Puste nicht aus" ist auch künftig Programm für den „Immergrünen Liederreigen". Auch wenn manches sich ändert, sie bleiben sich treu – ganz so, wie es ihr Name und die Pflanze, auf die er zurückgeht, ausdrückt.

Der MGV „Immergrün" hat 48 Mitglieder, davon 14 aktive Sänger. Dem Frauenchor „Liederreigen" gehören zurzeit 51 Mitglieder an, davon 16 Aktive. Beide Chöre würden sich über neue Mitglieder freuen – Übungsabende sind montags und donnerstags abends im Dorfgemeinschaftshaus, Auskünfte erteilen die Vorsitzenden.

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