Eine starke Gemeinschaft: Der Schützenverein KKLGV Brokhausen hat eine lange und bewegte Geschichte hinter sich. Die Mitglieder haben sich nicht nur das sportliche Schießen auf ihre Fahnen geschrieben – für sie hat das österliche Feuerräderrollen schon seit Jahrzehnten einen besonderen Stellenwert. - © Frank Friedrichs

Wir in Lippe
Brokhauser Schützen lassen jährlich die Feuerräder rollen

Eine starke Gemeinschaft: Der Schützenverein KKLGV Brokhausen hat eine lange und bewegte Geschichte hinter sich. Die Mitglieder haben sich nicht nur das sportliche Schießen auf ihre Fahnen geschrieben – für sie hat das österliche Feuerräderrollen schon seit Jahrzehnten einen besonderen Stellenwert. (© Frank Friedrichs)

Detmold-Brokhausen. Mit großen Schritten nähert sich der Kleinkaliber- und Luftgewehrverein (KKLGV) Brokhausen wieder dem Osterfest und damit verbunden dem alljährlichen Highlight seines Vereinslebens, dem Feuerräderrollen in Brokhausen. Nach mehr als 35 Jahren hat diese Veranstaltung mittlerweile Tradition und ist über die Grenzen von Lippe hinaus bekannt.

„Unser Feuerräderlauf ähnelt dem Osterräderlauf in Lügde. Trotzdem soll unsere Veranstaltung keine Konkurrenz zu deren Aktionen sein", lässt Hermann Ollenburg, Schatzmeister und einer der treibenden Kräfte des Vereins, wissen. Es gebe aber einen kleinen Unterschied zu Lügde: „Bei uns läuft zum Schluss noch ein Riesen-Feuerrad mit 2,50 Metern Durchmesser und einem Gewicht von mehr als einer Tonne ins Broker-Bach-Tal." Das Feuerräderrollen wird bereits seit 1984 immer am 1. Ostertag durchgeführt. Es rollen sechs mit Stroh gestopfte Eisenräder mit großem Feuerschweif den Almberg hinunter. Angekündigt wird jedes Rad von einem Kanonenböller aus der Brokhauser „Berta".

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Wenn zum Schluss drei Böllerschüsse zu hören sind, steigt nochmals die Spannung, denn dann geht das große Feuerrad an den Start. Wenn sich dieses riesige Rad dann mit großer Geschwindigkeit in das Tal wälzt und einen viele Meter langen Feuerschweif und eine lange Feuerspur hinter sich herzieht und dann sicher im Tal angekommen ist, bleibt für die Besucher eine schöne Erinnerung an ein beeindruckendes Schauspiel in der Dunkelheit und für die Bauern die Hoffnung auf eine gute Ernte. Und alle freuen sich schon jetzt auf die Wiederholung des Rituals im nächsten Jahr.

Prominenter Schirmherr

Der bevorstehende Feuerräderlauf – die Veranstaltung beginnt um 18 Uhr – hat jetzt auch einen Schirmherrn: Jürgen Becker, bekannt durch seine Sendung „Mitternachtsspitzen". Er hatte jüngst einen Auftritt unter dem Motto „Volksbegehren" in Lage, den sich Hermann Ollenburg nicht entgehen ließ: „Da ich Jürgen Becker gut kenne, war ich zu der Veranstaltung persönlich eingeladen. Ich habe ihm unser Feuerräderrollen erläutert und ihm ein Feuerrädersondermodell geschenkt. Er hat sich daraufhin spontan bereit erklärt, die Schirmherrschaft zu übernehmen." Das Schützenwesen in Brokhausen hat eine lange Tradition. Bereits 1820 wurde das erste Schützenfest gefeiert. Allerdings wurden sie nicht regelmäßig veranstaltet, sondern nur sporadisch. Etwa um 1870 / 1871 entstand dann auf dem Almberg der erste Schießstand für Kleinkalibergewehre. Dieser wurde im Laufe der Jahre immer wieder renoviert und modernisiert. Erst im Jahre 1935 wurde ein offizieller Kleinkaliberverein in der ehemaligen Gaststätte „Waldkrug" gegründet.

Einweihung der „Berta“: (von links) Jürgen Lindemann, der verstorbene Erhard Krumme, Walter Kordholste, Lothar Pöhlker, Hermann Ollenburg und Rudolf Krome. - © KKLGV
Einweihung der „Berta“: (von links) Jürgen Lindemann, der verstorbene Erhard Krumme, Walter Kordholste, Lothar Pöhlker, Hermann Ollenburg und Rudolf Krome. (© KKLGV)

1936 wurde dann auch erstmalig wieder ein großes Zeltschützenfest gefeiert, das allerdings wegen sintflutartigem Regen sprichwörtlich ins Wasser fiel. Hermann Ollenburg: „Durch den vielen Regen und dem Minus in der Kasse hatte man im wahrsten Sinn erstmal die Nase voll vom Schützenwesen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde dann in Brokhausen, wie auch in vielen anderen Gemeinden, eine so genannte Kriegerkameradschaft (Kriegerverein) gegründet, die alle dem Kyffhäuserbund angehörten. In Kriegervereinen wurden allerdings nur ehemalige und aktive Soldaten aufgenommen. Die jungen Mitglieder im Kriegerverein, die überwiegend auch in der Bundeswehr gedient hatten, wollten Ende der 1960er Jahre aber etwas eigenes und neues gestalten und gründeten daher, zum Ärger des alten Kriegervereins, 1971 in der Gaststätte „Balwi" in Brokhausen einen neuen Schützenverein mit dem Namen KKLGV Brokhausen. Geschossen wurde damals in einem Luftgewehrstand, der sich unter dem Saal der Gaststätte befand.

Vorreiter bei Frauen

In den folgenden Jahren entwickelte sich der Verein sehr schnell zu einem festen Begriff im Dorf und auch in der Nachbarschaft, so dass er bereits Ende der 1970er Jahre an die 200 Mitglieder hatte. Der KKLGV hatte sich vordringlich das sportliche Schießen und nicht die Tradition auf die Fahnen geschrieben. Er war in der Region der erste Schützenverein, der auch Frauen als aktive Mitglieder in seine Reihen aufnahm. Das war zu der Zeit bahnbrechend und kam bei den traditionsbewussten Schützenvereinen gar nicht gut an.

Letzte Vorbereitungen: 1989 ist das erste Riesenrad beim Feuerräderlauf in Brokhausen gestartet. - © KKLGV
Letzte Vorbereitungen: 1989 ist das erste Riesenrad beim Feuerräderlauf in Brokhausen gestartet. (© KKLGV)

Aufgrund der Euphorie der Mitglieder für den Schießsport ließen die schießsportlichen Erfolge nicht lange auf sich warten – die Brokhauser Sportschützen schafften es über Kreismeisterschaften bis hin zur Deutschen Meisterschaft. Weil der Luftgewehr-Schießstand im Keller der Gastwirtschaft sehr bald an seine Grenzen stieß, plante man bereits 1975 den Bau eines eigenen Vereinsgebäudes mit integrierter Schießanlage. Von 1977 bis 1979 wurde der Bau in Eigenleistung verwirklicht. Später wurde dann das Schützenhaus der Stadt Detmold übertragen und dient heute als Versammlungsraum für Vereine und Bürger sowie der Kirche für ihre Gottesdienste.

Feuerwerk seit 2008

Bereits 1972 wurde das erste Schützenfest nach fast 40 Jahren wieder in Brokhausen gefeiert. Ab 1973 fanden dann Schützenfeste alle zwei Jahre statt. Weil diese sehr gut angenommen wurden, musste die Zeltfläche von Jahr zu Jahr erweitert werden. Auch die Osterfeuer wurden ab 1972 vom Schützenverein ausgerichtet. Aus Anlass des 30. Feuerräderlaufes wurde vom Verein 2014 ein auf 100 Stück limitiertes Feuerräder-Sondermodell der Firma SIKU aufgelegt. 2018 wurde das Feuerräderrollen um ein weiteres Highlight erweitert: Zum Abschluss gab es ein Riesen-Feuerwerk.

Gut gelaufen: Das Riesenrad ist am Ziel, hier eine Aufnahme aus dem Jahr 2014. - © Frank Friedrichs
Gut gelaufen: Das Riesenrad ist am Ziel, hier eine Aufnahme aus dem Jahr 2014. (© Frank Friedrichs)

Dass auch der KKLGV Brokhausen mit Problemen zu kämpfen hat, verschweigt Hermann Ollenburg nicht. Zu Beginn des Jahrtausends sei das Schützenwesen immer mehr in die negative Kritik geraten, hinzu komme, wie auch in anderen Vereinen, die demografische Entwicklung: Es würden Menschen fehlen, die sich für das Vereins- und Gemeinwesen interessieren und einbringen wollen. Ollenburg: „Weil wir aber in der glücklichen Lage sind und alle Voraussetzungen für einen guten Schießsport haben, sind wir zuversichtlich, diese Phase gut zu überstehen." Denn der Verein besitze einen Luftgewehr, einen Kleinkaliber- und einen Tontaubenstand und habe beste Voraussetzungen für einen guten Schießsport. „Wer also Lust am Schießsport und der Gemeinschaft hat, ist bei uns immer herzlich willkommen." Jeden Freitag treffen sich die Mitglieder ab 19.30 Uhr im Schützenhaus Brokhausen.

Kontakt

KKLGV Brokhausen e.V. von 1971

Hermann Ollenburg, Am Broker Bach 14, 32758 Detmold

Telefon: 05231-33200

E-Mail: hermann@ollenburg.de

Internet: www.brokhausen.de/vereine

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von Wolf Scherzer

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