Anwalt: 50 Prozent der Sexualtäter bekommen ihre gerechte Strafe

Verteidiger Ulrich Kraft im Interview

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50 Prozent der Sexualtäter bekommen gerechte Strafe - © Bielefeld
50 Prozent der Sexualtäter bekommen gerechte Strafe (© Bielefeld)

Bielefeld. Ulrich Kraft (66) ist Fachanwalt für Strafrecht. Nur wenige vertreten in Bielefeld so viele Angeklagte in Gewalt- und Sexualdelikten wie er. Im Interview erklärt der Jurist Jonas Damme, wie seine Arbeit zu mehr Gerechtigkeit beiträgt. Mehr als 8.000 Verurteilungen gab es im Bereich Vergewaltigung und sexuelle Nötigung in Deutschland allein im Jahr 2012 (s. Grafik). 500 Fälle mehr als noch im Jahr 2011. Die Dunkelziffer ist unbekannt.

Sie sind Strafverteidiger. Warum haben Sie sich kein angenehmeres Klientel gesucht?
ULRICH KRAFT: Es gibt bei uns einen sozialen Bereich, der funktioniert, und einen, der funktioniert nicht. Da braucht es das Strafrecht. Ich finde es faszinierend, die individuelle Schuld herauszufinden. Meine Klienten stehen als Individuen gegenüber dem Staat. Indem ich sie, die allein stehen, verteidige, pflege ich das Recht, genauso wie der Richter.

Rechtsanwalt Ulrich Kraft verteidigt auch Angeklagte in Strafprozessen, bei denen es um Sexualdelikte geht. - © FOTO: WOLFGANG RUDOLF
Rechtsanwalt Ulrich Kraft verteidigt auch Angeklagte in Strafprozessen, bei denen es um Sexualdelikte geht. (© FOTO: WOLFGANG RUDOLF)

Wie häufig haben Sie mit Sexualdelikten zu tun?
KRAFT: Ich mache Wirtschaftsdelikte, Diebstähle, Betäubungsmittelkriminalität, Gewalt bis hin zu Mord und Totschlag und Sexualdelikte. Die machen bei mir einen relativ großen Anteil aus, weil andere sie gar nicht verteidigen. Es sind aber trotzdem nicht mehr als fünf Prozent.

Wieso machen andere das nicht?
KRAFT: Es gibt grundsätzliche Ablehnungen. Eine bestimmte Angst, sich mit dem Metier zu befassen. Deshalb kommt es vor, dass namhafte Büros bei mir anfragen und mir einen Mandaten nahelegen. Das ist dann oft ein ganz normaler Bürger.

Ist der Bereich Sexualdelikte bei Anwälten eine Männerdomäne?
KRAFT: Nein, das machen Männer und Frauen gleichermaßen. Allerdings oft auf verschiedenen Seiten. Bei Sexualdelikten haben die Betroffenen das Recht, sich der Klage der Staatsanwaltschaft anzuschließen, als Nebenkläger. Es gibt auch einige sehr gute weibliche Strafverteidiger, die Sexualdelikte bearbeiten.

Haben Sie schon mal die Verteidigung eines Sexualdeliktes abgelehnt?
KRAFT: Ja. Es gibt Sexualdelikte, die so unglaublich sind, dass sie aus dem ganzen sozialen Verständnis herausfallen. Das sind dann aber kranke Täter. Beispielsweise wo ein sadistischer Trieb vorliegt. Die sind aber sehr selten.

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