Gefährlicher Pilz tötet Buchen in OWL

Bereits fünf Baumbestände betroffen / Forstbehörde sucht nach Ursache

VON JULIA MAUSCH

Franz Stockmann (l.) und Johannes Landwehrmann zeigen einen Buchenast, der vom Pilz befallen ist. - © Foto: Julia Mausch
Franz Stockmann (l.) und Johannes Landwehrmann zeigen einen Buchenast, der vom Pilz befallen ist. (© Foto: Julia Mausch)

Vlotho. In den Wäldern der Region ist sie der häufigste Baum: die Buche. Doch die Förster schlagen Alarm. Die ausgedehnten Bestände sind in Gefahr. Ein Pilz macht die Bäume krank.

Johannes Landwehrmann steht in einem Waldgebiet in Vlotho. Er blickt auf eine freie Fläche. Bis vor einigen Wochen standen dort Buchen. Doch sie fielen einem Pilz mit dem Namen "Pfennig-Kohlenkruste" zum Opfer. Pilzbefall erkennen die Fachleute an großflächigen schwarzen Krusten am Stamm.

Dabei ist der Pilz nicht neu. "Seit es die Buche gibt, gibt es auch den Pilz", erklärt Mathias Niesar, Leiter der Abteilung Waldschutz in NRW. Bis 2012 war der Pilz nicht gefährlich. Er ließ lediglich kleine Äste am unteren Stamm der Buchen absterben. "Das ist nicht schlimm, das ist der Zersetzungsverlauf", erklärt Niesar.

Im Februar 2013 folgte die böse Überraschung: Johannes Landwehrmann fand in dem Vlothoer Waldgebiet bis auf die Hälfte abgebrochene Buchen. Er informierte seinen Vorgesetzten Franz Stockmann, Leiter des Regionalforstamtes OWL, und das Team um Mathias Niesar. Inzwischen steht fest, dass sich der Pilz vom Nützling zum Schädling entwickelt hat. Er wandert Richtung Baumkrone, verstopft das Holz. Dieses wird moderig und fällt in sich zusammen. "Die Äste brachen ab, es ging rasend schnell", erinnert sich Stockmann.

Keine Genmutation
Warum sich der Pilz im Laufe der Zeit verändert hat, weiß die Forstbehörde noch nicht. Man arbeite daran, heißt es. Erste Erkenntnisse gibt es: "Wir wissen, dass keine Genmutation vorliegt", sagt Mathias Niesar. Die Mitarbeiter hätten sich die Jahresringe der geschädigten Bäume angeschaut und herausgefunden, dass sich 2012 ein besonderes Klimaereignis zugetragen haben muss.

Damals gab es eine Kombination aus Trockenheit und Frost. Das habe zu Stress bei bereits geschädigten Buchen geführt, vermutet Niesar - und sei der Grund dafür, dass der Pilz krankheitserregend wurde. Auch Wassermangel sei beim Vlothoer Fall ein Grund für die Veränderung des Pilzes: "Wahrscheinlich standen die Bäume zu nah beieinander." Während der Hitzeperiode hätten sich die Pflanzen die knappe Flüssigkeit teilen müssen.

Nach Angaben von Niesar sind in OWL zehn Buchenbestände gemeldet worden, bei denen Pilzbefall vermutet wird. Bei fünf Beständen hat sich die Vermutung bestätigt, neben Vlotho auch in Steinheim (Kreis Höxter). Der Landesbetrieb Straßenbau forderte die Waldbesitzer auf, fünf Hektar zu fällen. Die geschädigten Bäume stehen in Vlotho direkt an einer Bundesstraße sowie einer Bahnlinie. Herabstürzende Äste oder umstürzende Bäume stellten eine Gefahr für Auto- und Radfahrer dar.

Stockmann und Landwehrmann haben mit Waldbesitzern und Naturschützern gesprochen. Am Ende stand der Entschluss zum Fällen. Kurz vor knapp, sagt Mathias Niesar: "Das Holz wird durch den Pilzbefall modrig, dann ist es nicht einmal mehr zu verkaufen." In Vlotho konnten noch 1.900 Festmeter Buchenholz verkauft werden.

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