Unermüdliche Suche nach Sandra Zimmermanns Mörder

22 Jahre nach dem Mord berichtete "Aktenzeichen XY" über den Fall

VON HANNA IRABI

Unermüdliche Suche nach Sandra Zimmermanns Mörder - © Bad Salzuflen
Unermüdliche Suche nach Sandra Zimmermanns Mörder (© Bad Salzuflen)

Bad Salzuflen. 22 Jahre ist es her, dass Sandra Zimmermann (17) vergewaltigt und ermordet wurde. Nun hat ihre Mutter Anka Zimmermann (65) sich an "Aktenzeichen XY . . . ungelöst" gewendet, um endlich Klarheit über den Tod ihrer Tochter zu bekommen. Im Gespräch berichtet sie über ihr Leben ohne Sandra.

Bis heute kreisen die Gedanken der zierlichen, zerbrechlich wirkenden Frau ständig um den mysteriösen Tod ihrer Tochter. Wieder und wieder überlegt sie, was Sandra damals, am 15. März 1992 am späten Nachmittag, zugestoßen sein könnte, als sie von Bünde zurück nach Bad Salzuflen trampte. Etwa zwei Monate später wurde Sandras Leiche an der Freilichtbühne "Kahle Wart" in Hüllhorst entdeckt. Sie war Opfer eines Sexualverbrechers geworden.

Anka Zimmermann und ihr Sohn Andreas mit einem Foto der vor 22 Jahren ermordeten Sandra. - © FOTO: HANNA IRABI
Anka Zimmermann und ihr Sohn Andreas mit einem Foto der vor 22 Jahren ermordeten Sandra. (© FOTO: HANNA IRABI)

"Es gab Mutmaßungen in alle Richtungen", erinnert sich Sandras älterer Bruder Andreas (42). Denkbar sei, dass Sandra, die gerne ab und zu an einem Joint zog, im kleinkriminellen Milieu etwas mitbekommen hätte und deswegen ermordet wurde, meint ihre Mutter. Die Polizei habe diese Spur jedoch relativ schnell verworfen. Dafür geriet Sandras Freund Pascale ins Visier der Ermittler, aber auch dieser Verdacht erhärtete sich nicht.

Nun hofft Anka Zimmermann, dass durch die gestrige Ausstrahlung von "Aktenzeichen XY . . . ungelöst" ein entscheidender Hinweis eingehen könnte, der zur Aufklärung des Verbrechens führt. "Man greift nach jedem Strohhalm, will endlich damit abschließen", sagt sie. Sie ist dankbar, dass das ZDF den Fall noch einmal so detailliert behandelt hat.

"Ich hoffe, dass es endlich zum Erfolg führt und meine Gedanken zur Ruhe kommen", sagt Zimmermann. In der Familie hätten sie immer eine sehr enge Verbindung gehabt, berichtet sie. Mit Sandras Tod abzuschließen sei daher nie eine Möglichkeit gewesen. Andreas Zimmermann sieht das ähnlich. Lange habe er versucht, die Gedanken an seine Schwester auszublenden, "aber es hat nicht funktioniert". Und je älter er werde, desto mehr beschäftige ihn ihr Tod. Vor allem zwei Fragen lassen beide nicht in Ruhe: "Wer war es? Und warum hat er es getan?"

Und noch etwas: "Es ist wichtig, dass der Täter gefasst wird und nicht noch eine Familie ins Unglück stürzt." Denn dass er nur in diesem Fall zum Mörder wurde, können sich die Zimmermanns nicht vorstellen. Sie sind sich einig, dass nur eine krankhafte Persönlichkeit so eine Tat begehen kann.

Obwohl Anka Zimmermann so viel Leid erlebt hat, wirkt sie sanft und zugewandt. Spricht sie von ihrer Tochter Sandra, strahlen ihre Augen. Sandra, sagt sie, war ein lebenslustiges, offenes Mädchen, dass gerne in Gemeinschaft war, dem Leben positiv gegenüberstand. So sehr, dass sie sich nicht vorstellen konnte, dass ihr beim Trampen etwas passieren könnte. Denn natürlich tolerierten ihre Eltern Anka und der vor wenigen Tagen verstorbene Gerd Zimmermann (75) diese Art der Fortbewegung keinesfalls. Noch wenige Wochen vor Sandras Verschwinden sprachen sie mit ihrer Tochter über das Thema. "Für Sandra gab es keine schlechten Menschen, sie fühlte sich nicht in Gefahr", erinnert sich ihre Mutter.

Auch wenn die Sendung "Aktenzeichen XY" zu keinem Erfolg führen sollte, wird Anka Zimmermann nicht aufgeben. "Ich werde so lange nach der Antwort suchen, wie ich lebe", sagt Sandras Mutter.

Information
HINWEISE NACH DER SENDUNG:

Nach der Veröffentlichung des Mordfalls Sandra Zimmermann aus 1992 in der Sendung am Mittwoch gingen insgesamt 23 verwertbare Hinweise aus der Bevölkerung ein. Das Polizeipräsidium Bielefeld erreichten noch am Abend 17 Hinweise, die sich hauptsächlich auf die noch verschwundenen Gegenstände aus dem Besitz der Sandra und den gelben Opel bezogen. Eine heiße Spur ist darunter auf den ersten Blick nicht zu erkennen.
Sechs Hinweise gingen im "Aktenzeichen xy... ungelöst"-Studio ein. Davon beziehen sich zwei Hinweise auf konkrete Personen. Die Ermittler gehen nun jedem einzelnen Hinweis akribisch nach, um nach 22 Jahren möglicherweise neue Ermittlungsansätze zur Aufklärung des Sexualmordes zu gewinnen.

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