NRW-Schulen droht Verlust von 1.500 Sozialarbeitern

Finanzierung würde 100 Millionen Euro kosten / Land sieht Bund gefordert

VON MATTHIAS BUNGEROTH

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1500 Stellen bzw. 100 Mio. Euro müssen finanziert werden - egal ob vom Land oder vom Bund - © FOTO: GERALD DUNKEL
1500 Stellen bzw. 100 Mio. Euro müssen finanziert werden - egal ob vom Land oder vom Bund (© FOTO: GERALD DUNKEL)
NRW-Schulen droht Verlust von 1.500 Sozialarbeitern - © NRW
NRW-Schulen droht Verlust von 1.500 Sozialarbeitern (© NRW)

Bielefeld/Bünde. Rund 3.000 Stellen sind im Bereich der Schulsozialarbeit in Nordrhein-Westfalen angesiedelt. Knapp der Hälfte von ihnen droht der ersatzlose Wegfall, wenn Kommunen nicht in die Bresche springen und die Kosten hierfür übernehmen. Es geht um insgesamt 100 Millionen Euro im Jahr. Das Land sieht den Bund in der Pflicht, die Summe weiter zu tragen.

Der Bund hatte das Geld im Rahmen des Bildungs- und Teilhabepakets (BuT) allerdings nur befristet bereitgestellt. Exakt 1.472 Stellen wurden für NRW aus diesem Topf finanziert, der nun leer ist. "Aus Sicht der Kinder ist das verheerend", sagt Wolfgang Foltin, Vorsitzender der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Schulsozialarbeit in NRW. Denn, so Foltin: "Die Bedürftigkeit der Kinder geht auch nahtlos weiter."

Im Bereich der Schulsozialarbeit sorgen nach Foltins Angaben rund 3.000 Fachkräfte bislang dafür, dass Kinder an den Schulen des Landes betreut werden. Insgesamt gebe es in NRW rund 140.000 Lehrkräfte und 6.000 Schulen, so der LAG-Vorsitzende.

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Ziele der Arbeit

Die Schulsozialarbeit hat folgende wichtige Ziele:
Integration in den Arbeitsmarkt und die Gesellschaft durch Bildung.
Abbau sozialer Ungleichheit, etwa von Bildungsarmut und sozialer Exklusion.
Beratung und Förderung der Eltern/Erziehungsberechtigten bei der Wahrnehmung der Erziehungsverantwortung.

Doch längst nicht alle Kommunen sind in der Lage, die finanzielle Lücke durch die auslaufenden BuT-Mittel aus eigener Kraft zu schließen und so eine kontinuierliche Fortsetzung der Schulsozialarbeit anbieten zu können. Der Kölner Rat hat vor wenigen Tagen immerhin parteiübergreifend beschlossen, die bisher 93 BuT-finanzierten Schulsozialarbeiterstellen aus städtischen Mitteln weiterzufinanzieren.

Forderung nach einem runden Tisch
In Bünde zum Beispiel entschied der Rat aufgrund der prekären Finanzlage der Stadt jüngst anders. Folge: Für vier Schulsozialarbeiterstellen im Grundschulbereich fehlt künftig das Geld. "Wir sind jetzt bei null", sagt Heinrich Möntmann (SPD), Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses in Bünde. Dabei sei das Angebot an den weiterführenden Schulen der Stadt überaus erfolgreich. "Die Schulen sagen sogar: Da muss noch mehr passieren", so Möntmann.

So sieht es auch Bettina Wolff, Leiterin der Grundschule im Bünder Stadtteil Bustedt, einer Förderschule für Inklusion. Die individuelle Betreuung von Kindern koste viel Zeit. Das könnten Lehrer nicht nebenbei leisten. Das Begleiten von Gesprächen bei Ämtern zusammen mit den Eltern, das Ermöglichen des Zugangs zu verschiedenen Angeboten in den Bereichen Nachhilfe oder Sport etwa und vieles mehr ist nur ein kleiner Ausschnitt der geleisteten Arbeit dort. Deshalb sei sie "unsagbar bedeutsam für die Schule und die Kinder".

Das Land ist allerdings der Ansicht, dass "die Kosten hierfür über den Bund finanziert werden müssen", so ein Sprecher von NRW-Sozialminister Guntram Schneider (SPD). Es gehe letztlich um eine nachhaltige Finanzierung dieses Angebots. "Wir streben an, dass das als Regelbestandteil ins Bildungs- und Teilhabepaket aufgenommen wird. Da kann sich der Bund keinen schlanken Fuß machen", sagt Sigrid Beer, schulpolitische Sprecherin der Grünen-Landtagsfraktion.

Die LAG Schulsozialarbeit um Wolfgang Foltin fordert einen runden Tisch zum Thema. Andernfalls müsse das Land bei der Finanzierung einspringen. Ziel: "Wir müssen so viele Stellen wie möglich retten", so Foltin.

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