Bielefelder Bordellbesucher gesteht Schüsse auf Türsteher

Mann (27) droht Sicherheitsverwahrung

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War im Februar Tatort: Das Bordell SG-Club in Porta Westfalica.
 - © CHRISTIAN MATHIESEN
War im Februar Tatort: Das Bordell SG-Club in Porta Westfalica. (© CHRISTIAN MATHIESEN)

Porta Westfalica/Bielefeld (joh). Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen hat vor der II. Großen Strafkammer des Bielefelder Landgerichts der Prozess gegen den 27-jährigen Bielefelder Michael B. (Name geändert) begonnen. Gefährliche Körperverletzung und Verstoß gegen das Waffengesetz wirft ihm Staatsanwältin Christiane Holzmann vor.

Am Abend des 11. Februar 2014 war der Angeklagte gegen 22.15 Uhr in einem Bordell in Porta Westfalica erschienen. Nach kurzem Wortwechsel zog er eine Pistole, Kaliber 9 Millimeter, und schoss damit aus nächster Distanz dem 26-jährigen Türsteher Labinat A. in den rechten Oberschenkel. Anschließend soll er mit der Waffe auf den Kopf des Verletzten gezielt haben, bevor er die Flucht ergriff.

Das Projektil zertrümmerte den Schenkelknochen. Möglicherweise wird Labinat A. der sich noch heute in ärztlicher Behandlung befindet, nie wieder richtig gehen können. Der mutmaßliche Täter stellte sich zwei Tage später der Polizei. Er befindet sich zurzeit in Untersuchungshaft.
Angeklagter räumt Schuss ein
Auf den ersten Blick schien es sich bei der Tat um eine Machtprobe im Rotlichtmilieu, vielleicht auch um eine Auseinandersetzung zwischen Angehörigen rivalisierender Rockerbanden zu handeln. Der Verletzte soll dem Umfeld der Gruppierung "United Tribuns" angehören. Folgt man der Einlassung des Angeklagten, dann ging es eher um eine private Abrechnung aus gekränktem Stolz.

Bereits einige Zeit vor der Tat waren sich die beiden Männer in dem Bordell begegnet. Michael B. hatte sich dort mit einer Prostituierten angefreundet, Labinat A. die Frau in seiner Gegenwart wegen lascher Arbeitsauffassung zurechtgewiesen. Der Angeklagte scheint diese Situation als Mangel an Respekt ihm gegenüber betrachtet zu haben, der einer "Klärung" bedurfte.

Den Schuss räumte B. im Prozess jetzt ein. An den Moment des Abdrückens könne er sich nicht erinnern, erklärte er. Er habe an jenem Abend Alkohol und Kokain konsumiert. Für den Angeklagten, der bereits wegen mehrerer Raubtaten fünf Jahre Jugendstrafe verbüßte, steht viel auf dem Spiel. Vorsitzender Georg Zimmermann erteilte ihm den rechtlichen Hinweis, dass bei einer Verurteilung zu mindestens zwei Jahren Haft auch die Unterbringung in der Sicherungsverwahrung droht.

Der Prozess wird am 5. November fortgesetzt.

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