Kortison-Fall: Ärztin steht 2015 vor Gericht

Kortison-Fall: Ärztin steht 2015 vor Gericht

Von Jutta Steinmetz

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Paderborn. Als vor vier Jahren ans Tageslicht kam, dass eine Ärztin aus Neuenbeken bei ihren erfolgreichen Behandlungen von Allergien nicht - wie versprochen - auf die heilende Kräfte der Natur, sondern auf Kortison zurückgegriffen hatte, war das Entsetzen groß. Nach umfangreichen Ermittlungen wird im Januar vor dem Landgericht Paderborn mit der strafrechtlichen Aufarbeitung des Falles begonnen.

Jahrelang war die Ärztin Susanne C., wie berichtet, für viele kranke Menschen fast eine Heilsbringerin. Ob Neurodermitis, Heuschnupfen oder Schuppenflechte - die Medizinerin brachte mit ihren Injektionen, deren Zusammensetzung sie ihren Patienten als rein natürlich darstellte, rasch Heilung. 2010 schöpfte eine Medizinerin, die Susanne C. ihren allergiekranken Sohn anvertraut hatte, angesichts der flugs eintretenden Besserung Verdacht und setzte entsprechende Ermittlungen in Gang. Und die brachten beunruhigende Ergebnisse ans Tageslicht.

Von 2002 bis 2010 soll Susanne C. bei 522 Patienten, unter ihnen 124 Kinder und 31 Jugendlichen, Kortison angewandt haben - ohne entsprechende Aufklärung und ohne ein Einverständnis eingeholt zu haben. Vielmehr hat die Ärztin nach Überzeugung der Ermittler ihren Patienten vorgegaukelt, dass sie harmlose, von ihr selbst individuell zusammengemischte Injektionen verbreiche.

Gefährliche Nebenwirkungen

Ein schlimmes Vorgehen, denn Kortison gilt zwar als sehr wirksames, aber auch mit gefährlichen Nebenwirkungen behaftetes Medikament. Sein Einsatz ist besonders bei Kindern mit größter Vorsicht vorzunehmen, sind doch Wachstumsstörungen oder eine Verringerung der Knochendichte mögliche Folgen.

Die Staatsanwaltschaft geht in ihrer bereits im August 2012 erhobenen Anklage von 1.773 Fällen aus. Sie wirft der Medizinerin gefährliche Körperverletzung, aber auch gewerbsmäßigen Betrug vor. Denn Susanne C. ließ sich ihre Injektion gut bezahlen. Bis zu 50 Euro waren für jede Spritze fällig.

Während nun also die strafrechtliche Aufarbeitung ins Haus steht, ist schon so manches zivilrechtliches Urteil gesprochen. Über 50 Patienten haben Susanne C. auf Schmerzensgeld verklagt, weil sie Beschwerden verspürten, die sie auf die Behandlung durch die Ärztin zurückführen.

"Grobe Behandlungsfehler"

Bislang wurden zehn Klagen vor dem Paderborner Landgericht verhandelt - allesamt mit einem positiven Ergebnis für die Patienten. Die Richter sahen es stets als erwiesen an, dass die Medizinerin nicht über die Zusammensetzung des von ihr verwendeten Medikamentes informierte. In den Fällen, in denen Susanne C. kleinen Kindern die gefährlichen Spritzen gab, hat sie sich nach Ansicht der Zivilrichter eines "groben Behandlungsfehlers" schuldig gemacht.

Trotz der klaren Worte werden die Verfahren in eine zweite Runde gehen. Denn Susanne C., die nicht mehr praktiziert und vor zwei Jahren Insolvenz anmeldete, hat gegen alle Urteile Berufung eingelegt. Das Oberlandesgericht in Hamm wird sich mit den ersten sechs Fällen im März kommenden Jahres beschäftigten.

Dann wird übrigens ebenso wie bereits im Januar vor der 2. Großen Strafkammer des Landgerichts Paderborn nicht mehr Rechtsanwalt Andreas Jolmes, der Susanne C. seit Bekanntwerden der Vorwürfe vertreten hat, neben der Medizinerin sitzen, sondern Torsten Giesecke aus Bielefeld.

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