Wahl & Co will Bielefeld verlassen

Geschäftsführung kündigt Neubau für Spedition an

Joachim Uthmann

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Streit: Weil der Strothbachwald unter Naturschutz steht, will sich Wahl & Co einen anderen Standort suchen.
Streit: Weil der Strothbachwald unter Naturschutz steht, will sich Wahl & Co einen anderen Standort suchen.

Bielefeld. Wahl & Co will seinen Drohungen Taten folgen lassen. Geschäftsführer Jörn Wahl-Schwentker erklärte gestern im Gespräch mit der NW, dass die Spedition Bielefeld verlassen werde. So schnell wie möglich wolle das Unternehmen in einer der Nachbargemeinden, in denen der Gewerbesteuersatz deutlich niedriger liege, ein neues Umschlagsterminal bauen. In den nächsten Wochen werde man intensive Gespräche führen.

Mit der Spedition werde Wahl & Co 90 Prozent der 350 Arbeitsplätze abziehen. In Sennestadt, wo vor zwei Jahren noch ein großes Hochregallager gebaut wurde, werde nur die Logistik bleiben: "Viel Paletten, wenig Menschen." Auf Dauer schließt Wahl-Schwentker auch einen Komplettabzug nicht aus. Das sei aber noch Zukunftsmusik und vielleicht in zehn bis 15 Jahren eine Perspektive.

Mit der Vergrößerung des Umschlagterminals könne die Firma aber nicht länger warten. Der Geschäftsführer rechnet noch in diesem Jahr mit dem Kauf eines Grundstücks in einer Nachbargemeinde. 2017 könne das neue Terminal eröffnet werden. Dafür seien fünf bis sechs Hektar erforderlich. Die angestrebten acht bis zehn Hektar, die in der Debatte genannt wurden, zielten auf Erweiterungsperspektiven ab.

Ein wichtiger Grund für die Pläne sei der aggressive Preiskampf auf dem Speditionsmarkt, so Wahl-Schwentker. Der größte Konkurrent Schenker sitze in Schloß Holte-Stukenbrock, wo der Hebesatz mit 370 unter dem Bielefelder (480) liege. Das Unternehmen zahle im Jahr rund eine Million Euro an Gewerbesteuer.

Der Unternehmensleiter zeigte sich enttäuscht über das Vorgehen der Stadt. Das interkommunale Gewerbegebiet sei angesichts der Baukosten und längerer Transportwege keine ernsthafte Alternative, zumal es in Altenhagen Widerstände gegen die Ansiedlung von Logistikern gebe.

Schockiert habe ihn die Aussage des SPD-Vorsitzenden Marcus Lufen in der Ratsdebatte, dass man das Unternehmen schon seit Monaten über den beabsichtigten Beschluss, den Strothbachwald nicht verkaufen zu wollen, informiert habe. Wahl-Schwentker: "Das ist glatt gelogen. Lufen hat sich geweigert mit uns zu sprechen." Der Rat hatte mit der Mehrheit aus SPD, Grünen, Piraten, Bürgernähe und Linken den Schutz des Waldes bekräftigt und einen Verkauf an Wahl & Co abgelehnt.

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