Gauselmann: Verfahren wegen Softwaremanipulation wird geprüft

Spielautomatenhersteller bestreitet alle Vorwürfe / Unternehmer soll Verbandsvorsitz ruhen lassen

Andrea Frühauf

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Manipulationen beim Konkurrenten: Paul Gauselmann an einer Musikbox im 
Spielautomatenmuseum in Espelkamp. Der Unternehmer bestreitet alle 
Vorwürfe. - © dpa
Manipulationen beim Konkurrenten: Paul Gauselmann an einer Musikbox im Spielautomatenmuseum in Espelkamp. Der Unternehmer bestreitet alle Vorwürfe. (© dpa)

Espelkamp/Essen. Die Staatsanwaltschaft Essen prüft, ob sie ein gesondertes Ermittlungsverfahren gegen den Espelkamper Unternehmer Paul Gauselmann einleiten wird. Es geht um Manipulationen an der Software eines Konkurrenten.
Wehrt sich: Paul Gauselmann. Wehrt sich: Paul Gauselmann.

Der Fall liege lange zurück und sei womöglich bereits verjährt, sagte eine Behördensprecherin. Auch gehe es um die Frage, ob der vorliegende Tonmitschnitt eines Gesprächs zwischen Paul Gauselmann und dem wegen des Verdachts banden- und gewerbsmäßigen Computerbetrugs in Untersuchungshaft sitzenden Ali T. illegal hergestellt wurde. Die Sprecherin betonte: "Die Razzia im Januar hatte nichts mit Gauselmann zu tun."

Worum es geht

Wie berichtet geht laut Spiegel aus dem Mitschnitt hervor, dass Gauselmann Ali T. 2007 gebeten habe, die Software von Geldspielautomaten seines Konkurrenten Novomatic zu manipulieren. Dadurch sollte Novomatic Probleme mit Behörden bekommen. Dafür habe Gauselmamn Ali T. 750.000 Euro geboten.

Harte Branche der Automaten

In der Spielhallen- und Automatenbranche weht offenkundig ein rauer Wind. Löwen Entertainment, ein Novomatic-Tochterunternehmen, forderte Gauselmann nach dem Spiegel-Bericht auf, seine Ämter als Vorsitzender des Verbandes der Deutschen Automatenindustrie (VDAI) und als Vorstandsmitglied der Deutschen Automatenwirtschaft ruhen zu lassen.

Pikant: Stellvertretender VDAI-Vorsitzender ist Gauselmanns Konkurrent Christian Arras, Chef der Löwen Entertainment GmbH. Der Verband wollte sich gestern dazu nicht äußern. Gauselmann wies erneut alle Vorwürfe zurück. Er habe Ali T. nicht zu strafbaren Handlungen angestiftet, sondern ihn beauftragt, Manipulationsmöglichkeiten zu finden, um sich davor zu schützen. Er habe Novomatic sofort über diese Möglichkeiten informiert.

Razzia im Umfeld von Gauselmann

Die bundesweite Razzia richtete sich laut Staatsanwaltschaft gegen Ali T, dessen Familie selbst Spielhallen betreibe, sowie den Spielhallenbetreiber Casino Royal. "Wir haben da untersucht, wo wir manipulierte Software vermuteten", so die Behörde. Laut den Ermittlern soll eine Bande im Auftrag von Ali T. Software von Geldspielautomaten derart verändert haben, dass es zur Manipulation der Gewinnausschüttung kam.

Betrogene Betrüger

Drei Varianten wurden nachgewiesen: Gerätebetreiber konnten die gesetzliche Gewinnquote zu ihren Gunsten senken - auf Kosten der Spieler. Betreiber konnten mit bestimmten Tastenkombinationen selbst Barauszahlungen erspielen und den Fiskus betrügen. Zudem soll Ali T. Spielhallenbetreibern Software verkauft haben, mit der seine Mittäter in den Hallen Gewinne ergaunerten. "Hierdurch wurden die Betrüger selbst betrogen."

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