Tieplatzschule in Heepen soll Flüchtlingsheim werden

Umbauplanungen haben begonnen - Turnhalle soll weiter für sportliche Zwecke genutzt werden

Ariane Mönikes

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Wird zur Flüchtlingsunterkunft umgebaut: Die Tieplatzschule in Heepen. Die Turnhalle (links) soll auch weiterhin für sportliche Aktivitäten genutzt werden. - © Rudolf
Wird zur Flüchtlingsunterkunft umgebaut: Die Tieplatzschule in Heepen. Die Turnhalle (links) soll auch weiterhin für sportliche Aktivitäten genutzt werden. (© Rudolf)

Heepen. Kein Platz, aber immer mehr Flüchtlinge - nun muss die Stadt andere Wege gehen: Ab Herbst sollen Flüchtlinge in die Tieplatzschule in Heepen ziehen. Die Turnhalle aber könne weiter für sportliche Zwecke genutzt werden, sagt Bezirksbürgermeister Holm Sternbacher (SPD). Auf seine Einladung hin hat es bereits eine erste Info-Veranstaltung für Vereine, Verbände und Institutionen zur geplanten Unterbringung von Flüchtlingen gegeben.

Die Zahl der Flüchtlinge, die in den ersten Monaten des Jahres nach Bielefeld kamen, habe sich im Vergleich zu 2014 verdreifacht, erklärt Sozialamtsleiterin Susanne Schulz. 294 waren es in den ersten beiden Monaten, drei Wochen später ist die Zahl bereits auf 383 angestiegen. "Wir gehen von 1.400 Flüchtlingen aus, die uns in diesem Jahr zugewiesen werden", sagt Schulz.

Information
27 Meldungen
  • Vor zweieinhalb Wochen hatte Bielefelds Oberbürgermeister Pit Clausen (SPD) einen Appell an alle Immobilienbesitzer der Stadt gerichtet, Wohnungen und Häuser für Menschen in Not zur Verfügung zu stellen.
  • Laut Sozialamtsleiterin Susanne Schulz habe es bislang 27 Meldungen gegeben. „Bei 14 davon wird gerade geprüft, ob sie geeignet sind“, sagt Schulz.

Aber die Unterkünfte Eisenbahnstraße und Teichsheide seien voll. Deshalb sollen Kitas und Schulen jetzt für Neuankömmlinge hergerichtet werden.

Die Planungen für den Umbau der Tieplatzschule haben bereits begonnen, sagt Sternbacher. Die Klassenräume sollen geteilt werden und so jeweils zwei Wohnbereiche für jeweils vier Personen geschaffen werden. Die Wohnbereiche werden mit Sanitäranlagen ausgestattet.

Mit dem Umbau des Schulgebäudes an der Altenhagener Straße könne zeitnah begonnen werden, sagt Sternbacher. Er rechnet mit einer Fertigstellung im August. Die in dem Gebäude vorhandene Küche sowie der ehemalige OGS-Speiseraum sollen erhalten bleiben und von den Flüchtlingen gemeinsam genutzt werden.

Das zum Amtsplatz hin gelegene Schulgebäude soll im September bezugsfertig sein, sagt Sternbacher. Die sich in diesem Gebäude befindende Turnhalle, die Duschräume sowie die Außentoiletten sollen Sportvereine sowie Kindertagesstätten aber weiterhin für sportliche Aktivitäten nutzen können. Das Sozialdezernat habe bereits eine tägliche Betreuung der Flüchtlinge vor Ort durch einen Sozialarbeiter zugesichert, der Hausmeisterdienst werde durch die BGW sichergestellt. Mit dem Objektschutz soll ein professioneller Wachdienst beauftragt werden.

Die für Stadtteilfeste wie den Heeper Ting, der am ersten September-Wochenende stattfindet, benötigten Außenflächen des ehemaligen Schulgebäudes könnten weiter genutzt werden.
In vier Wochen soll es eine Bürgerinformationsveranstaltung zur Unterbringung von Flüchtlingen in Heepen geben, bestätigte Sternbacher. Zudem soll ein "Runder Tisch Flüchtlinge" mit allen örtlichen Akteuren eingeführt werden.

"Wir stehen vor einer Herausforderung", sagt Sternbacher. "Aber alle sind sich einig, dass die Flüchtlinge in den Ortskern gehören, weil hier Integration möglich ist."

Gemeinsam mit den Teilnehmern der Info-Veranstaltung ist bereits über ehrenamtliche Projekte in Heepen gesprochen worden. Dabei sei die Idee entstanden, pensionierte Lehrer in Sprachunterricht einzubinden sowie eine Kleiderkammer und ein Möbellager zu errichten. "Auch über die Integration in das örtliche Vereinsleben wurde gesprochen", sagt Sternbacher. Gespräche mit Schulen und Kindertagesstätten stehen noch bevor. Allerdings könne man jetzt noch nichts genaueres planen, da noch nicht bekannt sei, wie viele und ob überhaupt Flüchtlingskinder nach Heepen kämen. "Die Hilfsbereitschaft ist groß", sagt Sternbacher. "Aber es liegt harte Arbeit vor uns."

In der jüngsten Sitzung der Bezirksvertretung Heepen stimmten Politiker aller Parteien der Beschlussvorlage zu, dass städtische Gebäude für die Unterbringung von Flüchtlingen genutzt werden. Am 23. April entscheidet der Rat.

Gerhard Wäschebach (SPD) könne sich vorstellen, dass sich auch in Heepen eine ökumenische Flüchtlingshilfe, wie es sie in Brake gibt, entwickelt. Die Initiative war 1990 während des Zweiten Golfkrieges entstanden.

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