Jäger schießen sich auf Umweltminister Remmel ein

Verband attackiert Grüne in NRW

Florian Pfitzner

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Schießen sich (rein rhetorisch) auf Umweltminister Remmel ein: NRWs Jäger empören sich über das Jagdgesetz, insbesondere über den Katalog der jagdbaren Arten. - © DPA
Schießen sich (rein rhetorisch) auf Umweltminister Remmel ein: NRWs Jäger empören sich über das Jagdgesetz, insbesondere über den Katalog der jagdbaren Arten. (© DPA)

Düsseldorf. Nordrhein-Westfalens Jäger blasen erneut zur Attacke auf das Jagdgesetz von Umweltminister Johannes Remmel (Grüne). Wenige Wochen nach Inkrafttreten der umstrittenen Novelle sprach der Präsident des Landesjagdverbandes (LJV), Ralph Müller-Schallenberg, von einer "reinen Klientelgesetzgebung nach ideologischen Vorgaben". Das Gesetz sei ein "politisches Armutszeugnis", das nach "gerichtlicher Prüfung" rufe.

Mit zunehmend aggressiver Rhetorik kritisieren die Jäger in NRW die Naturschutzpolitik der rot-grünen Landesregierung. LJV-Präsident Müller-Schallenberg warf Minister Remmel vor, den Protest gegen die Reform des Jagdrechts zu ignorieren. Trotz Widerstands habe die Regierungskoalition das Jagdgesetz "durchgepeitscht". Remmel wolle "die Leute vom Land klein machen". Der oberste Jäger in NRW zeigte sich angriffslustig. Sein Verband sei "mitten in der juristischen Prüfung" des Gesetzes. Müller-Schallenberg kündigte an, "den Kampf" auch politisch über eine Volksinitiative voranzutreiben.

Zu den vermeintlichen Schwachstellen der Reform zählt der LJV-Präsident unter anderem den Katalog der jagdbaren Arten, in dem sein Verband einen "maßlosen und verfassungswidrigen Angriff auf die Eigentums- und Handlungsfreiheit" sieht. Überdies stoßen sich die Jäger an dem grundsätzlichen Tötungsverbot für wildernde Katzen. Remmel habe "für den Naturschutz absolut versagt".

"Das Tischtuch ist zerschnitten"

Müller-Schallenberg, selbst Jurist, zog die Auseinandersetzung auf eine persönliche Ebene. "Für mich ist das Tischtuch zwischen Remmel, der politischen Spitze seines Ministeriums und den Grünen im Landtag einerseits und dem Landesjagdverband zerschnitten." Er sehe derzeit "keinen Gesprächsbedarf". Das Ministerium für Umwelt und Naturschutz in NRW müsse "anders besetzt werden" und die 81.000 Jäger in NRW, die "Mitte der Gesellschaft", wieder ernst nehmen.

Zuletzt hatten sich Landwirte gegen ein "Zwangsdiktat" des Ministers ausgesprochen. Remmel hatte den Bund zuvor zu einer "nachhaltigen Nutztierhaltung" samt einer Ethikkommission gedrängt. Verbraucher wünschten sich tierische Produkte aus artgerechter Haltung, möglichst aus der Region, sagte er. Das sei "die Zukunft".

Norwich Rüße, naturschutzpolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion, zeigte sich gelassen. "Dem Landesjagdverband stehen natürlich alle rechtsstaatlichen Mittel zur Verfügung, um gegen das neue Jagdgesetz zu Felde zu ziehen." Mit seinen "aggressiven Schmähungen" überziehe der Landesjagdverband jedoch "maßlos". Einmal mehr offenbare sich "ein äußerst fragwürdiges Demokratieverständnis". Die Grünen erwarten vom Verband, "endlich wieder konstruktiv mit der Politik und dem Ministerium zusammenzuarbeiten", erklärte Rüße. Das sei seine "eigentliche Aufgabe", die der LJV im Interesse der Jäger wahrnehmen sollte. "Mit dem jetzigen Verhalten schießt sich der Landesjagdverband selbst ins Knie und stellt sich endgültig ins gesellschaftliche Abseits."

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