Großprojekt: Land investiert in eine Notunterkunft für 1.000 Flüchtlinge

Zeltstadt Stukenbrock-Senne wird gebaut

Sigurd Gringel

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Momentan wird Schotter aufgetragen. - © Sigurd Gringel
Momentan wird Schotter aufgetragen. (© Sigurd Gringel)

Schloß Holte-Stukenbrock. In Windeseile wird auf dem Gelände der Polizeischule in Stukenbrock-Senne eine Notunterkunft für etwa 1.000 Flüchtlinge errichtet. Eine Zeltstadt. Sie ist für Flüchtlinge gedacht, die noch nicht in einer Erstaufnahmeeinrichtung registriert wurden. Die Verantwortlichen gehen davon aus, dass die Zelte dort Jahre stehen könnten.

Selbst der jetzt vorgestellte Lageplan kommt bei dem Tempo nicht mit, die Neuerungen müssen handschriftlich ergänzt werden. Vor einer Woche standen auf dem Areal der Polizeischule noch Bäume und Sträucher. Es wurde gerodet, ein Fledermauspärchen umgesiedelt. Ökologische Ausgleichsflächen wollen die Verantwortlichen noch schaffen. Am 28. August hat das Bau- und Liegenschaftsamt des Landes die Tiefbauarbeiten ausgeschrieben, und am 1. September ging es schon los. Firma Schlotmann aus Hövelhof hat den Zuschlag erhalten, alle Baustellen ruhen lassen und sich personelle und materielle Unterstützung benachbarter Firmen geholt. Allein ist die Großbaustelle nicht zu bewältigen.

4,5 Hektar, etwa sechs Fußballfelder, misst die Fläche im Osten der Polizeischule. 20.000 Kubikmeter Erde wurden abtransportiert, die doppelte Menge Schotter aufgefahren, damit der Untergrund fest ist. 60 Lastwagen schaffen das Material heran, drei Raupen verteilen es, zwei Walzen ebnen es mit Satellitenhilfe ein. Die Hauptverkehrswege, etwa 3.000 Quadratmeter, werden asphaltiert. Am Emsweg entsteht der neue Haupteingang, das Areal ist mit Zäunen von der Polizeischule getrennt.

Winterfeste Schlafzelte mit isolierten Wänden

Am Montag rücken die Zeltbauer an. Sie werden 15 Schlafzelte aufstellen, jeweils 250 Quadratmeter und mit Platz für bis zu 75 Menschen. Keine Partyzelte, sondern winterfeste mit isolierten Wänden. Die Schlafzelte werden dann mit Trennwänden in kleinere Einheiten unterteilt. Profitieren können die Organisatoren von den Erfahrungen aus Selm. Im dortigen Schwesterstandort der Polizeischule besteht bereits ein Lager. „Hier haben wir aber mehr Platz“, sagt Projektleiter Frederik Köhler von der Bezirksregierung Detmold. Trotzdem ist Selm eine Art Blaupause, weil sich viele Erfahrungswerte in Stukenbrock-Senne durchschlagen. Neben den obligatorischen Sanitäranlagen und dem Verpflegungszelt – Essen wird geliefert, nicht selbst gekocht – wird es ein Zelt für Kinderbetreuung und ein Aufenthaltszelt geben. In einem eigenen Zelt Kleidung für die Erstausstattung und eine Kleiderkammer, die nun größer ausfällt als geplant.

Die Menschen können sich selbstverständlich auch außerhalb des Geländes frei bewegen, müssen das aber nicht zwangsläufig. Auf Wunsch der Stadt wird es in der Notunterkunft einen Kiosk für den täglichen Bedarf geben. Und auch W-LAN-Hotspots werden freigeschaltet. In den Zelten sind Leitungen zum Aufladen der Handys vorgesehen – auch so eine Erfahrung aus Selm.

Am 21. September kommen die Flüchtlinge

Eine konfessionelle Trennung der Menschen ist nicht vorgesehen. Weil der Betreiber nah dran ist, bleibe es erfahrungsgemäß ruhig, sagt Matthias Cramer vom Bau- und Liegenschaftsamt. Fast zwei Millionen Euro lässt sich NRW die Einrichtung kosten, verrät Cramer.

Am 21. September sollen die ersten Menschen kommen und nur kurze Zeit in Stukenbrock-Senne leben. Momentan werde darüber nachgedacht, einen Bus mit Röntgengerät und eine mobile Registrierstelle für die Notunterkünfte der Region einzusetzen.

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