Prostituierter erpresst Salzufler Freier

Die Männer lernten sich über eine Internet-Plattform kennen. Der Bad Salzufler fürchtete die Entdeckung seiner Homosexualität. Als er kein Geld mehr hatte, wendet er sich an die Polizei

Jobst Lüdeking

Amtsgericht Herford Gericht - © Frank-Michael Kiel-Steinkamp
Amtsgericht Herford Gericht (© Frank-Michael Kiel-Steinkamp)

Herford/Bad Oeynhausen. Ein Bad Salzufler ist von seinem ehemaligen, bezahlten Sex-Partner aus Bad Oeynhausen erpresst worden. Gegenüber dem Prostituierten hatte er vor rund einem Jahr den Wunsch geäußert, Sex mit einem minderjährigen Jungen zu haben. Der Bad Oeynhauser wiederum musste sich jetzt vorm Schöffengericht in Herford wegen Erpressung verantworten.

"Mein Mandant räumt die Vorwürfe der Anklage weitgehend ein", so der Verteidiger des 24-Jährigen, dem vier Fälle und ein Versuch vorgeworfen wurden. Gleichzeitig teilte der Jurist mit, dass sein Mandant seit Jahren drogen-, alkohol- und spielsüchtig ist.

Der Salzufler hatte den Angeklagten über eine Internetplattform kennen gelernt, "wo Männer Männer suchen", so der Lipper. Er habe einmal Sex mit dem Angeklagten gehabt. Dabei verriet er offenbar Details aus seinem Leben und sprach wohl auch über seine sexuellen Wünsche. Neben dem Chat im Internet gab es auch Kontakt über Handykurznachrichten.

"Der Angeklagte hat mir junge Männer angeboten, auch unter 18 Jahren", berichtet der Zeuge. Er habe zugesagt, Geld für ein Treffen in einem Hotel zu überweisen. Später ergänzte er, dass die Jugendlichen, die ihm angeboten werden sollten, "unter 16 Jahre alt" sein sollten. "Gefahren bin ich dann aber nicht", so der Mann weiter. Er fügte hinzu: "Der Vorsatz ist nicht strafbar, hat mir mein Anwalt erklärt."

In seiner Familie, seinem Umfeld, sei seine Homosexualität nicht bekannt. Das nutzte der Erpresser aus: Er beschimpfte den Salzufler, drohte, dessen homosexuelle Neigung und vor allem seinen Pädophilie-Wunsch bekannt zu machen. Er werde ihn "zerstören", ist eine der Drohungen. Der 24-Jährige schaffte es so zunächst, ein Paar Hundert Euro zu erbeute.

Seine Forderungen stiegen aber immer weiter an. Im Januar 2015 - der Salzufler hatte schon mehr als 7.000 Euro überwiesen - forderte der Oeynhausener weitere 3.000 Euro. "Ich hatte kein Geld mehr, hatte mir schon von Bekannten etwas geliehen", so der Zeuge, der schließlich einen Anwalt kontaktierte und danach die Polizei. Die konnte den 24-Jährigen Bad Oeynhausener schnell aufspüren. Der ist seit seiner Haftentlassung 2013 arbeitslos, hat seine in der JVA Herford begonnene Ausbildung als Bäcker abgebrochen und erhält, weil er an Job- und Arbeitsangeboten nicht teilnimmt, nur noch Lebensmittelmarken.

Seit 2008 ist er immer wieder aufgefallen und verurteilt worden. Der Grund: Drogen, Körperverletzung oder Betrug. Aktuell hat er mehr als 15.000 Euro Schulden. "Ich sehe keine Vorrausetzungen für eine positive Sozialprognose", stellte die langjährige Bewährungshelferin des Mannes fest und nahm damit die Einschätzungen von Anklage und Gericht vorweg. Das Schöffengericht unter Alea Blöbaum folgte dem Antrag der Staatsanwaltschaft und verurteilte den 24-Jährigen schließlich zu zwei Jahren und drei Monaten Haft - das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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