Hochschulen in OWL bieten exotische Studienprogramme

Noch nie zuvor gab es so viele Studiengänge. Hochschulen differenzieren Fächer zunehmend aus. Auch die regionale Hochschullandschaft bietet ungewöhnliche Ausbildungsmöglichkeiten

veröffentlicht

  • 0
- © dpa
Pharmazie (© dpa)
- © dpa
Pferdewirtschaft (© dpa)

Bielefeld. Bundesweit zählt der deutsche Wissenschaftsrat mehr als 18.000 Studiengänge. Allein in NRW haben Studenten 3.900 Studiengänge zur Auswahl. Das Wissenschaftsministerium beobachtet, dass Hochschulen ihr Programm ausdifferenzieren. Das gilt auch für die Hochschulen in OWL, die mitunter exotische Studiengänge im Programm haben. Ein Überblick:

Als weltweit einmalig gilt der neue Bachelor „Vegan Food Management“ an der Bielefelder Fachhochschule des Mittelstands (FHM). Ab Oktober will die private Fachhochschule eine ernährungswissenschaftliche Ausbildung gepaart mit betriebswirtschaftlichem Grundwissen vermitteln.

Neu im Studienangebot sind auch der Bachelor „Automotive Management“ zur Vorbereitung auf eine Karriere in der Automobilindustrie sowie der Master „Mikronährstofftherapie und Regulationsmedizin“, der sich an Ärzte, Physiotherapeuten, Apotheker, Ernährungs- und Sportwissenschaftler richtet. Seit 2015 bietet die FHM in Kooperation mit der Royal Agricultural University im englischen Cirencester zudem den Bachelor „Pferdemanagement“ an.

- © dpa
Pflanzliche Ernährung (© dpa)

„Die FHM reagiert mit neuen Studiengängen flexibel auf Veränderungen am Markt“, erklärt Sprecher Jannis Johannmeier. Gleichzeitig bedeute das aber auch, dass Studiengänge wie „Personalmanagement“ oder „Kindheitspädagogik“ wieder aus dem Angebot gestrichen werden, wenn die Nachfrage sinkt oder der Markt gesättigt ist.

Die Angebote an staatlichen Hochschulen seien aufgrund des gesellschaftlichen Auftrags generalistisch angelegt, erklärt der Sprecher der Fachhochschule (FH) Bielefeld, Detlev Grewe-König. Ein vielfältiges, breit angelegtes Studienangebot müsse vorgehalten werden. Spezialisierungen seien trotzdem möglich, so dass auch staatliche Hochschulen auf den Markt reagieren können, so Grewe-König.

„Die Ausdifferenzierung der Studiengänge ist die Antwort auf die Ausdifferenzierung der Arbeitswelt“, erklärt der Leiter der strategischen Entwicklung der Hochschule OWL, Bernd Schiebel.

„Die Ausdifferenzierung der Arbeitswelt macht es erforderlich, dass zumindest auf einer bestimmten Stufe der Produktion Spezialisten tätig werden, die eine möglichst geringe Einarbeitungszeit haben“, so Schiebel.

Wissenschaftsrat kritisiert Wildwuchs an Studiengängen

Dieses spezialisierte Wissen könne nur in einem spezialisierten Studiengang vermittelt werden, ergänzt Schiebel. So sind an der Hochschule OWL Studiengänge wie „Technologie der Kosmetika und Waschmittel“ und „Betriebswirtschaftslehre für kleine und mittlere Unternehmen“ aus der Zusammenarbeit mit der Industrie entstanden.

Disziplinen mit besonderer Ausrichtung bietet auch die FH Bielefeld. Bachelorstudenten können beispielsweise „Apparative Biotechnologie“ oder „Infrastrukturmanagement“ studieren. Die Universität Paderborn hat unter anderem die Studiengänge „Populäre Musik und Medien“ und „Kulturerbe“ im Programm und die Universität Bielefeld die Angebote „Klinische Linguistik“ und „Ästhetische Bildung“. Nach Angaben des Bielefelder Unisprechers, Ingo Lohuis, gebe es immer mehr Kooperationen zwischen den Hochschulen in OWL. Zudem sei die Zahl der Master gewachsen.

Diese Entwicklung beobachtet das Wissenschaftsministerium landesweit. „Der Anstieg des Angebots ist eine logische Folge des Bologna-Prozesses“, erklärt Sprecher Hermann Lamberty. Die Hochschulen bieten sowohl für Studenten als auch mit Blick auf den Arbeitsmarkt passgenauere Studienmöglichkeiten an.

Gleichzeitig warnt das Wissenschaftsministerium Hochschulen davor, die Vergleichbarkeit der Angebote aus den Augen zu verlieren. Damit schließt sich das Ministerium der Kritik des Wissenschaftsrats an, der einen Wildwuchs an Studiengängen bemängelt, da Spezialisierungen häufig in berufliche Sackgassen führen.

Die größere Differenzierung der Studiengänge sei auch auf die steigende Nachfrage nach individuellen Studienwegen wie Teilzeit zurückzuführen, ergänzt Lamberty. Das bestätigt auch Grewe-König: „Die Studierendenschaft wird immer heterogener und der Zugang zum Studium durchlässiger.“

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2019
Inhalte von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

0 Kommentare
0 Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem gültigen LZ-Plus-Zugang möglich. Jetzt testen!