Mordfall Höxter: Anwalt von Angelika W. berichtet über seine Mandantin

Jürgen Mahncke

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Im Gespräch: Peter Wüller, Rechtsanwalt aus Bielefeld, vertritt Angelika W. Ihr wird ein Doppelmord vorgeworfen. 
- © Sarah Jonek
Im Gespräch: Peter Wüller, Rechtsanwalt aus Bielefeld, vertritt Angelika W. Ihr wird ein Doppelmord vorgeworfen. (© Sarah Jonek)

Bielefeld/Höxter. "Sie ist froh, aus der Symbiose mit ihrem Mann ausgebrochen zu sein und jetzt in einer Haftzelle zu sitzen, mit einem geregelten Tagesablauf, ohne jeglichen Druck", schildert der erfahrene Strafverteidiger Peter Wüller die derzeitige Verfassung seiner Mandantin Angelika W.: "Das ist eine Freiheit, die sie so nicht kannte."

Ihr wird vorgeworfen, in Höxter gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten zwei Frauen totgequält zu haben und weitere Opfer misshandelt zu haben. Der Bielefelder Rechtsanwalt wurde der 47-jährigen Frau vom Amtsgericht Paderborn in der vergangenen Woche als Pflichtverteidiger zugeordnet.

In zahlreichen Gesprächen, teilweise unter vier Augen, hat Wüller versucht, Vertrauen zu seiner Mandantin aufzubauen und ihr klarzumachen, dass es sein Job sei, ihr zu helfen, sie zu verteidigen. "Allerdings gehöre ich nicht zu denen, die das Blaue vom Himmel versprechen. Dass sie mit einer empfindlichen Haftstrafe rechnen muss, weiß sie."

Ihre Redseligkeit gegenüber Ermittlungsbehörden kann Wüller nur bestätigen. "Sie kann sich noch um Kopf und Kragen reden, sollte sie weitere Straftaten zugeben, als Gehilfin oder als Täterin. Sie muss diese Dinge nicht nennen, aber ich habe den Eindruck, dass es ihr ein ganz großes Bedürfnis ist, sich zu offenbaren und zu öffnen."

17 Jahre habe sie in einer fürchterlichen Szenerie gehaust, und jetzt sei es für sie befreiend, ausgebrochen zu sein und reinen Tisch zu machen. "Ursprünglich wollte sie schon viel früher zur Polizei gehen. Warum sie es nicht tat, weiß ich nicht", sagt der Anwalt.

In ihren Vernehmungen hat die Beschuldigte, die in Bad Salzuflen-Lockhausen aufwuchs, niemals abgestritten, so Wüller, dass sie der agierende Part bei den Straftaten war. In seinen Gesprächen erfuhr er, dass die meisten Handlungen auch tatsächlich von ihr vollzogen worden seien, wobei ihr Partner, der in Detmold in Untersuchungshaft sitzt, sie nie konkret zur Begehung dieser Taten, heißt Misshandlungen aufgefordert habe.

Sie habe so gehandelt, weil ihr klar gewesen sei, dass ihr Partner diese Vorgehensweise ausdrücklich gewollt habe. Es habe keiner konkreten Ansage bedurft. "Es war für sie ein Automatismus, er wollte, er verlangte das von ihr", berichtet Wüller.

Bei der ersten Vernehmung hatte die Beschuldigte noch versucht, ihren Ex-Mann zu decken, seine Tatbeteiligung herunterzuspielen, zu bagatellisieren. Er sei ahnungslos und untätig gewesen. Doch das nahm ihr die Polizei nicht ab. Und dann schwenkte sie um. "Er war involviert, ich habe ausgeführt. Er wollte das, ohne es auszusprechen, von mir."

Für den Strafverteidiger werden sich die Ermittlungen noch sehr lange hinziehen. Es gibt vermutlich mehrere hundert Kontaktanzeigen, die aufgegeben wurden. Die Zahl der Frauen, die hierauf reagiert haben, ist unbekannt, ebenso die Zahl der Kontakte mit den Beschuldigten sowie eventuelle Misshandlungen. Bis jetzt haben sich 53 Frauen bei der Polizei gemeldet.

Peter Wüller begrüßt auch die umfangreiche Spurensicherung auf dem Höxteraner Bauernhof. Vielleicht könnten gefundene Fremd-DNA, Blutspuren oder andere Hinweise die Aussagen seiner Mandantin bestätigten und damit glaubwürdig machen.

Der zweite Tatverdächtige Wilfried W. will sich weiterhin nicht zur Sache äußern. Sein Rechtsvertreter hat ihm geraten, gegenüber den Ermittlern vorerst zu schweigen.

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