So gefährlich können brennende E-Autos für die Feuerwehr sein

Franz Purucker

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Motor im Kofferraum: Bernd Heißenberg, Branddirektor bei der Bielefelder Berufsfeuerwehr, zeigt den Motor eines Peugeot iOn, der im Heck verbaut ist. Besonders gefährlich für Retter sind jedoch die Akkus, die sich meist im Unterboden befinden. - © Franz Purucker
Motor im Kofferraum: Bernd Heißenberg, Branddirektor bei der Bielefelder Berufsfeuerwehr, zeigt den Motor eines Peugeot iOn, der im Heck verbaut ist. Besonders gefährlich für Retter sind jedoch die Akkus, die sich meist im Unterboden befinden. (© Franz Purucker)

Bielefeld. Außer an einem fehlenden Auspuff oder einem Kennzeichen mit „E" wie Elektroauto sind die Fahrzeuge kaum von normalen Autos zu unterscheiden, erklärt der Branddirektor der Bielefelder Berufsfeuerwehr, Bernd Heißenberg. Und genau das mache diesen Bereich so gefährlich für Einsatzkräfte.

Erster Schritt im Einsatz: „Die Zentralbatterie abschalten." In der sogenannten Rettungskarte ist der Standort der Batterie verzeichnet. Die Karte befindet sich bei den meisten Fahrzeugen unter der Sonnenblende. Falls nicht, können die Feuerwehrleute diese über ein Tablet herunterladen. Bei Verbrennerfahrzeugen befindet sich die Batterie meist im Motorraum – bei Elektroautos oft im Unterboden, der für Feuerwehrleute schwer zugänglich ist. Die Abschaltvorrichtung ist in der Regel unter dem Fahrersitz.

Böse Überraschung: Die Feuerwehr Schleiz (Thüringen) stellte während eines Einsatzes fest, dass sich im Heck des Unfallwagens ein Akku befindet. Es handelt sich um ein Hybrid. - © Ronny Schubert
Böse Überraschung: Die Feuerwehr Schleiz (Thüringen) stellte während eines Einsatzes fest, dass sich im Heck des Unfallwagens ein Akku befindet. Es handelt sich um ein Hybrid. (© Ronny Schubert)

Bis das Auto völlig stromlos ist, dauert es 90 Sekunden, die Leitungen können jedoch bis zu fünf Minuten lang weiter Strom führen. Gefährlich ist außerdem die Batterie selbst. Diese besteht aus Kaliumhydroxid und Natriumhydroxid, stark alkalischen Laugen, die dem menschlichen Gewebe schaden. Bei auslaufendem Elektrolyt müssten Feuerwehrleute laut Schulungsunterlagen einen speziellen Chemikalienschutzanzug tragen.

Richtig gefährlich werden Elektroautos bei Feuer, erklärt Branddirektor Heißenberg. Gerät ein Akku in Brand, droht er aufzuplatzen. Bekannt ist ein Fall aus China: Bei einem Unfall mit einem Elektrotaxi im Mai 2012 explodierte der Wagen vom Typ E6 des chinesischen Autoherstellers BYD (Build Your Dreams). Eine solche Explosion könne auch durch einen Kurzschluss ausgelöst werden, der wiederum die Batterie erhitzt und diese explodieren lässt, so die Erklärung des chinesischen Ingenieurs Lo Kok-Keung von der Polytechnischen Universität Hongkong.

Schulungsunterlagen der Feuerwehr warnen außerdem vor der Vermischung des Kaliumhydroxids im Akku mit Wasser. Dabei entstehe eine für die Umwelt gefährliche Kalilauge. Eine wesentliche Gefahr an Verbrennerfahrzeugen, das Auslaufen von Öl oder Benzin sowie die damit verbundene Explosionsgefahr, gibt es wiederum bei elektrisch betriebenen Autos nicht.

„Grundsätzlich ist ein Elektroauto nicht gefährlicher als ein Verbrenner, aber Unfälle mit Elektroautos sind eben sehr selten und ungewohnt für die Einsatzkräfte", sagt Heißenberg. Dem Branddirektor ist erst ein einziger Einsatz mit einem Elektroauto, einem BMW i3, in Bielefeld bekannt.

Die wenigen Unfälle resultieren dabei wohl auch aus den geringeren Geschwindigkeiten der Fahrzeuge, so Heißenberg. Wesentlich häufiger in Einsätze verwickelt sind wiederum Pedelecs, Fahrräder, die über einen Elektromotor zur Unterstützung verfügen. „Viele Verkehrsteilnehmer unterschätzen das Tempo", sagt Heißenberg. Die Feuerwehrleute werden sowohl auf die Gefahren der Elektroautos als auch auf die der Elektrofahrräder vorbereitet.

Zum Teil stoßen Retter aber auch überraschend auf einen Elektromotor, wie Ronny Schubert, Feuerwehrmann in Thüringen, berichtet. Bei einem Unfall stellten die Feuerwehrleute während der Aufräumarbeiten fest, dass das verunglückte Fahrzeug neben einem Verbrennungsmotor auch über einen Elektromotor verfügte – also ein Hybridfahrzeug war. Zum Glück kam niemand zu Schaden.

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