Katholische Wähler sind offenbar besonders resistent gegen die AfD

Lothar Schmalen

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Parteitags-Stimmkarten der AfD - © Michael Kappeler
Parteitags-Stimmkarten der AfD (© Michael Kappeler)

Düsseldorf/Bielefeld. Es gehört zu den wenig erfreulichen Wahrheiten für die SPD in NRW, dass ihre Wähler offenkundig empfänglicher für AfD-Parolen sind als andere. Das zeigen neue Erkenntnisse über die Wählerbewegung. Unter den landesweiten 620.000 AfD-Wählern ist die Zahl derjenigen, die zuvor SPD wählten, größer als die der ehemaligen CDU-, FDP- und Grünen-Wähler. Bestätigt wird diese These auch durch einen Blick auf die Wahlergebnisse.

Zweistellige Ergebnisse erzielte die AfD in 14 Wahlkreisen, allesamt bisherige SPD-Hochburgen im Ruhrgebiet. In den Wahlkreisen ist die SPD auch immer die stärkste Partei, auch wenn sie teilweise dramatisch an Wählerzuspruch verlor. Den höchsten Wähleranteil erzielte die AfD im Wahlkreis Gelsenkirchen II mit 15,2 Prozent.

Dagegen erzielte die rechtspopulistische AfD ihre schwächsten Wahlergebnisse in katholischen Hochburgen. In zwölf der 128 Wahlkreise in NRW blieb die AfD unter der Fünf-Prozent-Grenze. Es sind ausschließlich Wahlkreise mit überwiegend katholischer Bevölkerung. Besonders auffällig ist das Münsterland vertreten, wo die AfD in einigen Wahlkreisen nicht einmal vier Prozent erreichte.

Unterdurchschnittliche Ergebnisse erzielte die AfD auch im katholischen Süden Ostwestfalens und in den katholischen Städten Köln und Aachen. Auffällige Ausnahme ist der Wahlkreis Bielefeld 1: Keine katholische Mehrheit und doch nur fünf Prozent für die AfD.

Und noch ein Aspekt ist in diesem Zusammenhang von Bedeutung: In 17 der 128 Wahlkreise schaffte es sie AfD nicht, einen eigenen Direktkandidaten aufzustellen. Auch unter diesen Wahlkreisen sind auffallend viele mit überwiegend katholischer Bevölkerung: Beispiele: Rhein-Erft-Kreis, Borken I, Coesfeld II, Steinfurt I oder Hochsauerlandkreis I. In allen diesen Wahlkreisen dominiert gleichzeitig die CDU, liegt teilweise 20 Prozent vor der SPD.
Sind also kirchlich gebundene, katholische Wähler resistenter gegen die AfD als andere? Thomas Sternberg, bisheriger CDU-Landtagsabgeordneter aus Münster und Präsident des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken, ist sich sicher, dass die kirchliche Bindung in diesem Zusammenhang eine Rolle spielt. Die klare Positionierung für einen menschlichen Umgang mit Flüchtlingen und gegen Ausländerfeindlichkeit, nicht nur der katholischen Würdenträger wie Bischöfe oder der Papst, sondern auch an der Basis in den Pfarrgemeinden, spiegele sich offenbar in der geringen Bereitschaft der katholischen Wähler, AfD zu wählen, wider. „Offenbar spielt die Positionierung von Großorganisationen wie der Kirche immer noch eine wichtige Rolle in der politischen Meinungsbildung der Menschen", sagt Sternberg.

Deutlich schwächer als im NRW-Mittel (7,4 Prozent) schnitt die AfD auch bei Wählern über 60 Jahren ab. Hier erzielte sie nur vier Prozent, bei den 25- bis 45-Jährigen sind es neun Prozent. Und die AfD bleibt eine Männerpartei – nicht nur bei ihrem eigenen Personal (14 von 16 Landtagsabgeordneten sind männlich), sondern auch bei den Wählern. In NRW kam sie bei den männlichen Wählern auf neun, bei den weiblichen nur auf fünf Prozent.

Wahlpannen in NRW
Am Wahlabend sind bei der Landtagswahl in einem Wahlbezirk in Mönchengladbach alle Stimmen für die AfD fälschlicherweise für ungültig erklärt worden. Nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis hatte die Partei 7,6 Prozent der Erststimmen, aber keine gültige Zweitstimme erhalten. Das Ergebnis der Neuzählung: Alle 37 Zweitstimmen für die AfD sind gültig. Die Partei hatte 8,6 Prozent der Stimmen erhalten. Auch in Gütersloh gab es eine Panne. Die Ergebnisse der AfD und der ADD (Allianz Deutscher Demokraten) wurden im Bezirk 82 bei der Übermittlung vertauscht. Eine Neuauszählung hat es nach Angaben der Kreisverwaltung nicht gegeben, weil der Fehler korrigiert wurde.

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