Leere Betten: Intensivstationen für Kinder brauchen dringend Fachkräfte

Katharina Thiel

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Ein Baby auf der Intensivstation muss rund um die Uhr betreut werden. - © pixabay
Ein Baby auf der Intensivstation muss rund um die Uhr betreut werden. (© pixabay)

Bielefeld. Auf der Kinder-Intensivstation an der Uniklinik Münster herrscht Pflegenotstand. Von den 16 vorhandenen Betten können nur zehn belegt werden, die anderen sechs stehen leer. "Das liegt daran, dass es einen deutlichen Mangel an Pflegekräften gibt", erklärt der Direktor der Kinderklinik, Heymut Omran, dem  WDR.  Mehr als 100 Kinder blieben deshalb pro Jahr ohne Versorgung. Auch an anderen Kliniken in NRW können laut dem Bericht im Durchschnitt rund ein Viertel der Betten nicht belegt werden.

Die Krankenhäuser in OWL berichten ebenfalls von Problemen. "Wir waren für fünf Tage auf der pädiatrischen Intensiv nicht aufnahmefähig", sagt Petra Rosin, Sprecherin am Klinikum Lippe. Einer der Gründe: "Personalmangel in der Pflege." Außerdem seien im ersten Halbjahr 2019 Patienten mit isolationspflichtigen Infektionen dabei gewesen, die nur getrennt von anderen betreut werden dürfen. 28 von möglichen 30 Vollkraftstellen seien in der Pflege besetzt. Aufgrund von Schwangerschaft, Renteneintritt und Kündigungen komme es aber immer wieder zu Problemen. "Wir müssen ununterbrochen nachbesetzen", sagt Rosin. "Wir haben eigentlich immer ein bis zwei Stellen von den 30 nicht besetzt, sodass wir immer suchen."

Bundesweite Probleme

Auch an den Mühlenkreiskliniken ist der Personalmangel ein Thema. "Es ist richtig, dass es bundesweit Probleme gibt",sagt Sprecher Christian Busse. Die 16 Betten, die jungen Patienten zur intensiven Pflege zur Verfügung stehen, seien "noch nie dauerhaft geschlossen gewesen", so Busse. Nur vereinzelt sei es dazu gekommen, vor allem zur Urlaubs- oder Erkältungszeit, wenn deutlich weniger Pfleger als sonst arbeiten konnten. Im Normalfall seien das 46 Pflegekräfte. Es komme durchaus vor, dass Patienten in eines der anderen Krankenhäuser in OWL verlegt werden. Aber: "Notfälle weisen wir niemals ab."

In der Kinderklinik des evangelischen Klinikums Bethel (EvKB) in Bielefeld sei die Auslastung der Betten auf der Intensivstation für Kinder und Jugendliche sowie auf der für Früh- und Neugeborene im Kinderzentrum Bethel hoch, sagt Sprecherin Sandra Gruß. "Es ist jedoch noch nicht vorgekommen, dass aufgrund des Mangels an Pflegekräften intensivpflichtige Kinder abgewiesen wurden. Auch wir spüren den zunehmenden Fachkräftemangel. Aber wir haben den Vorteil, dass wir in unserer Pflegeschule Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerinnen und -pfleger selbst ausbilden." So sei auch eine hausinterne Fachweiterbildung für Pädiatrische Intensivpflege und Anästhesie möglich.

Nachwuchs aus dem eigenen Haus

Eine eigene Ausbildungsstätte gibt es auch am Klinikum Herford. "Mitarbeitende mit entsprechender Qualifikation sind derzeit selten." Durch die Schulen für Pflegeberufe Herford-Lippe gelinge es jedoch, kontinuierlichen Nachwuchs aufzubauen, sagt Pflegedirektor Bastian Flohr. Die Intensivstation setzt sich aus acht Intensivbetten für Frühgeborene und vier Betten der Kinder-Intensivmedizin zusammen. "Eine dauerhafte Schließung von Betten hat es im Klinikum bisher nicht gegeben."

Am St. Ansgar Krankenhaus in Höxter gibt es 13 Betten auf der Neugeborenen- und Kinderintensivstation, darunter sieben Beatmungsplätze. "Bis jetzt musste kein Bett auf der Intensivstation geschlossen werden", sagt Christiane Bernert, Sprecherin der Katholischen Hospitalvereinigung Weser-Egge. "Wir haben 13 Vollzeitkräfte, verteilt auf 19 Personen, für unsere Neugeborenen- und Kinderintensivstation. In einem Ausfallkonzept stehen einsatzfähige Pflegefachkräfte aus der Pädiatrie zur Verfügung", so Bernert. Bisher sei auch hier kein Patient aus personellen Gründen abgewiesen worden.

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