Der Bielefelder Osten stemmt sich gegen Kneipensterben und Leerstände

Joachim Uthmann

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Immer mehr Wirte in OWL drehen den Zapfhahn für immer zu. - © Symbolfoto: Pixabay
Immer mehr Wirte in OWL drehen den Zapfhahn für immer zu. (© Symbolfoto: Pixabay)

Bielefeld. Leerstände, Kneipensterben, Verkehrsprobleme und Verlust historischer Bausubstanz - die Bewohner im Bielefelder Osten machen sich Sorgen, dass ihr Stadtteil abgehängt wird. Doch sie wollen sich damit nicht abfinden. Deshalb haben sie eine neue Bürgerinitiative gegründet: "Gemeinsam leben im 5. Kanton", wie das frühere Arbeiterviertel immer noch genannt wird.

Viele Bewohner fühlen sich wohl im Quartier. Aber es verändert sich. Kommerzielle Treffpunkte gebe es fast nicht mehr, sagt Dieter Frohloff, der mit Wolfgang Lückewille und Christian Fabek die Initiative angestoßen hat. Zuletzt hatten der "Hasenbäcker" und der "Fichtenhof" geschlossen. Die Stadtteilbibliothek gibt es nicht mehr, die alte Volkeningschule ist trotz einer Unterschriftenaktion abgerissen.

Alte Volkeningschule kein Bürgerzentrum

Und damit ist die Option auf ein neues Bürgerzentrum dort gestorben. Jetzt baut das Johanneswerk dort ein Altenzentrum. Frohloff und seine Mitstreiter setzen als Ausweg darauf, dass das heutige AWO- Nachbarschaftszentrum an der Meinolfstraße 4 zum Bürgerzentrum ausgeweitet wird.

Dafür gibt es durchaus positive Signale, bestätigt auch Martina Roos-Schatzschneider, die das Zentrum betreut. Aber mit ihrem bisherigen Team könne sie zusätzliche Arbeit nicht leisten. Frohloff hofft auf Wohlwollen der Stadt. Sozialdezernent Ingo Nürnberger (SPD), der vor Ort gewesen sei, habe vorsichtig angedeutet, dass es Unterstützung geben könne.

Kultur und Treffpunkt am Abend

Klar ist der Bürgerinitiative aber auch, dass es vor allem ehrenamtlicher Arbeit bedarf, um den Treffpunkt für die Menschen im Viertel interessanter zu machen. Als Café, für Kulturveranstaltungen oder andere Aktivitäten. Ideen werden zum Beispiel am Stammtisch am 5. September um 18 Uhr an der Meinolfstraße 4 sowie künftig jeden ersten Donnerstag im Monat gesammelt.

Einstimmen will die Initiative das Quartier bei einem Fest, das im Oktober oder November stattfinden soll. Ziel sei es, auch an zwei Abenden pro Woche Programm anzubieten und das Angebot zu ergänzen. Eine lebhafte und vielseitige Kultur sei auch gerade für die Integration im Viertel wichtig.

Besserer Bus-Takt, weniger Lkw

Daneben wollen sich die Aktiven um die vielen Probleme, die die Menschen bewegen, kümmern, vor allem beim Thema Verkehr. Frohloff hofft, dass die neue Buslinie 23 auf Dauer alle 15 Minuten fährt. Manche vermissen einen barrierefreien Zustieg. Außerdem sollte es in den engen Straßen ein Lkw-Verbot geben.

Kleine Erfolge habe die Initiative sogar schon erreicht. Sie erinnerte den Umweltbetrieb an die Zusage, dass dessen Müllfahrzeuge nicht die engen Feldstraße und Hakenort, an denen viele Menschen wohnen, als Abkürzung nutzen, so Frohloff: "Darauf will der Betrieb die Fahrer erneut aufmerksam machen."

Aufruf an Bewohner, mitzuwirken

Beteiligt an der neuen Initiative sind auch Vertreter der Gruppe, die aus dem markanten Eckhaus Petristraße 2 ein alternatives Wohn- und Bürgerprojekt machen wollen. Der Urenkel des Erbauers plant hier allerdings ein Wohnprojekt.

Unterstützt wird die Initiative von Quartiersmanager Leif Pollex, den die Stadt eingesetzt hat. Dass die den 5. Kanton nicht ganz aus den Augen verloren hat, bestätigte Oberbürgermeister Pit Clausen (SPD), der sich im März bei einer Podiumsdiskussion den kritischen Fragen der Bewohner stellte, dort aber auch einen schweren Stand hatte. Für Frohloff und seine Mitstreiter steht noch viel Arbeit an. Und sie hoffen auf Mithilfe aus dem Viertel und rufen auf: "Wir hoffen und bauen auf euer Mitwirken!"

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