Dieser Bestatter kümmert sich auch um digitalen Nachlass

Katharina Thiel

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Ein Schmuckstück mit dem Fingerabdruck des Verstorbenen. - © Katahrina Thiel
Ein Schmuckstück mit dem Fingerabdruck des Verstorbenen. (© Katahrina Thiel)

Herford/Bielefeld. „Eigentlich habe ich Schornsteinfeger gelernt. Das einzige, was geblieben ist, ist der schwarze Anzug", sagt Frank Strathmann. Der 43-Jährige arbeitet seit fast 20 Jahren im Bestattungshaus Deppendorf und Preuß in Herford. Seit Mai ist er der neue Inhaber. Nach einer grundlegenden Umgestaltung der Ausstellungs- und Beratungsräume will er das traditionsreiche Haus jetzt in die heutige Zeit bringen. Wie genau er das machen will, stellt er bei der Roadshow „Neue Gründerzeit NRW" in Bielefeld vor.

Sobald Strathmann über den Tod eines Menschen informiert wird, setzt er sich mit den Angehörigen in Verbindung. „Wichtig sind erstmal die Formalitäten, die wir von der Familie benötigen", sagt er. Das sind unter anderem der Personalausweis, die Geburtsurkunde und Heirats- oder Scheidungsurkunden. Aber auch Unterlagen von der Krankenkasse oder Versicherungen gehören dazu.

Für die Angehörigen stelle das meist schon eine Herausforderung dar. Dabei dürfe jedoch der digitale Nachlass nicht vergessen werden, sagt Strathmann. Denn viele Menschen seien im Internet auf etlichen, teils kostenpflichtigen, Plattformen angemeldet. „Die Verbindlichkeiten laufen weiter. Das wird mit vererbt", erklärt der Bestatter. „Man hinterlässt überall einen Abdruck", sagt er. Selbst bei älteren Menschen, die im Katalog Ware bestellt haben, lasse sich dies noch zurückverfolgen.

Im nächsten Jahr will Strathmann deshalb damit starten, den Angehörigen diese Last abzunehmen. „Da kümmern wir uns komplett drum", sagt er. Über die Website des Bestattungshauses soll es dann auch möglich sein, einzusehen, welche Zugänge bereits gelöscht wurden. Auch solche, die der Familie später erst auffallen, sollen eingestellt werden können.

Frank Strathmann rät dazu, vorsorglich einen Ordner mit Zugangsdaten anzulegen und Vertrauenspersonen darüber zu informieren. Alternativ können Zugangsdaten auch beim Bestattungshaus hinterlegt werden – etwa während der Vorbesprechung der eigenen Beerdigung.

„Mehrere Hundert" davon hat Strathmann bisher geführt, obwohl es immer noch ein Tabuthema sei. „Der Tod gehört zumLeben. Für jeden, der geht, kommt auch jemand." Bei der Besprechung gehe es neben der Art der Bestattung auch um die Karten, die Musik und die Wahl eines Pfarrers oder freien Sprechers. Das gebe nicht nur den Betroffenen Sicherheit, sondern vor allem auch den Angehörigen. Denn diese seien, wenn der Fall eintritt, überfordert. „Aber all diese Sachen können wir vorab besprechen", sagt Strathmann.

Bereits jetzt seien rund 70 Prozent der Bestattungen, die Strathmann und seine Mitarbeiter anbieten, Feuerbestattungen. „Das wird die Zukunft sein", sagt er. Dabei wird die Asche des Verstorbenen nach der Einäscherung in einer Kapsel in eine Urne eingesetzt. Anschließend wird diese bei einer Seebestattung oder auf einem Friedhof beigesetzt. Bis zu vier Urnen haben, je nach Kommune, auf einer klassischen Grabstelle Platz. Besonders Angehörige, die keine Zeit oder finanzielle Mittel haben, um ein Grab zu pflegen, entscheiden sich für diese Art der Beisetzung.

Was viele dabei jedoch nicht bedenken: „Urnen werden nach Ablauf der Frist wieder ausgegraben", erklärt Strathmann. Denn die Metalle, aus denen die Urnen meist hergestellt werden, zerfallen nicht. Das bedeute wiederum Mehrkosten für die Friedhöfe und Nachteile für die Natur, so der
43-Jährige.

Er setzt deswegen auf Nachhaltigkeit. Von biologisch abbaubaren Naturstoffurnen– es gibt sie zum Beispiel aus Papier, Maisstärke oder Holz – sei nach sechs bis zwölf Monaten nichts mehr übrig. Zum Vergleich: Bei einem klassischen Eichensarg dauert es bis zu zehn Jahre, „bis das Erdreich abgesackt ist", so Strathmann.

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