Wegen Kinderpornografie: Sohn und Vater aus Herford im Visier der Ermittler

Jobst Lüdeking

Nach einem Hinweis wurde in Herford eine Wohnung durchsucht und kinderpornografisches Material gefunden. - © Pixabay
Nach einem Hinweis wurde in Herford eine Wohnung durchsucht und kinderpornografisches Material gefunden. (© Pixabay)

Herford. Die Kinderpornografie-Ermittlungen der Herforder Polizei und der Bielefelder Staatsanwaltschaft richten sich nicht allein gegen einen 56-jährigen Mann aus Herford sondern auch gegen seinen Sohn. Bei dem Sohn wurde ebenfalls durchsucht und Computermaterial beschlagnahmt.

Der 56-jährige Verdächtige, bei dem überaus große Mengen kinder- und jugendpornografisches Material sichergestellt wurden, hat sich zu den beschlagnahmten Datenträgern gegenüber der Polizei geäußert. Er soll, allerdings mit einer unklaren Bemerkung gegenüber den Ermittlern, offenbar einen Teil der Vorwürfe eingeräumt haben. Und die sind strafbar.

„Bei dem Ermittlungsverfahren geht es um den Besitz kinder- und jugendpornografischen Materials", erklärt Oberstaatsanwalt Udo Vennewald, Sprecher der Staatsanwaltschaft Bielefeld. Dann wir er deutlicher: Es gehe nicht um Kindesmissbrauch. Mit dem Fall Lügde sei das Herforder Verfahren keinesfalls vergleichbar. Der Strafrahmen für den Besitz kinderpornografischen Materials liegt bei bis zu drei Jahren Haft. Der Beschuldigte ist auch weiterhin auf freiem Fuß. Anders als die Täter von Lügde, die bis zum Prozess in Untersuchungshaft saßen.

Landeskriminalamt war vor Ort auf Campingplatz

Die auf Computern, Laptops und Sticks gesicherten Daten werden nun ausgewertet. Bei der Durchsuchung waren auch Experten des Landeskriminalamts NRW beteiligt. Auf Grund des umfangreichen Materials wird nicht mit einem schnellen Abschluss des Verfahrens gerechnet. „Wir stehen erst ganz am Anfang der Ermittlungen", sagt Vennewald.

Die Datenträger müssen nun vollständig kontrolliert werden. So soll ausgeschlossen werden, dass andere Taten, wie etwa bei anderen Ermittlungsverfahren ein von Verdächtigen verübter und aufgezeichneter Kindesmissbrauch, unentdeckt bleiben. In einem solchen Fall würden dann die Ermittlungen ausgeweitet.

Die Ermittler wurden auch auf einem Herforder Campingplatz, wo der Beschuldigte als Dauercamper einen Standplatz hatte, aktiv. Dort beschlagnahmten sie einen kompletten Wohnwagen und transportierten ihn zur Spurensicherung ab. Die Aktion habe wohl nicht mal eine Stunde gedauert, heißt es von einem Nachbarn.

Was der Strafverteidiger sagt

Über den 56-Jährigen, der in Herford wohnt und seinen Caravan wohl seit Jahren auf dem Platz stehen hatte, könne er nichts Negatives sagen. Als ruhig, freundlich aber zurückgezogen, beschreibt er den Beschuldigten. Aber man könne Menschen ja nur vor den Kopf schauen.

Der Herforder Strafverteidiger Christian Thüner vertritt den Sohn des 56-Jährigen. Thüner betont auf Anfrage, dass die Ermittlungen gegen seinen Mandanten in dem Fall noch ganz am Anfang stehen."Mein Mandant hat sich kooperativ gegenüber der Polizei gezeigt. Er macht aber derzeit keine weiteren Angaben", so Thüner. Polizei und Staatsanwaltschaft hatten am Dienstag zusammen mit der Staatsanwaltschaft über die Durchsuchungen bei dem 56-Jährigen berichtet. Deutschlandweit verzeichnete das Bundeskriminalamt 2017 knapp 15.000 Fälle wegen Kinderpornografie.

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