Zahlen zeigen: Rocker in NRW werden immer gewalttätiger

Lothar Schmalen

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Die von Rockern ausgehende Gewalt nimmt laut LKA NRW zu. - © imageBROKER
Die von Rockern ausgehende Gewalt nimmt laut LKA NRW zu. (© imageBROKER)

Düsseldorf. Gewalttätige Rockerbanden machen der Polizei in NRW zu schaffen. Im neuen „Lagebild Organisierte Kriminalität" berichtet das Landeskriminalamt (LKA) von einer „deutlich zunehmenden Dynamik" in der Rockerszene seit Sommer 2018.

Im Großraum Köln würden Hells Angels und Bandidos gewaltsam um die Vormacht kämpfen, im Großraum Hagen hätten sich die Freeway Riders gegen die Bandidos durchgesetzt. Auch diese Auseinandersetzungen seien von schweren Gewalttaten – bis hin zu versuchten Tötungsdelikten – geprägt gewesen. In Dortmund sei es im Spätsommer zu einer Machtdemonstration der Bandidos gegen einen ortsansässigen Familienclan gekommen. Dabei sei der Clan-Chef durch eine Messerattacke schwer verletzt worden. Im Mai dieses Jahres verurteilte das Landgericht Dortmund die beiden Angreifer zu mehrjährigen Freiheitsstrafen.

Bei 115 Tatverdächtigen im Bereich der Organisierten Kriminalität (OK) stellte die Polizei im Jahr 2018 fest, dass sie Schusswaffen oder andere Waffen besaßen – 55 Prozent davon waren Mitglieder von Rockerbanden. In sechs von acht OK-Verfahren wegen Gewaltkriminalität richteten sich die Ermittlungen gegen Rocker.

Mehr Schaden

Der Lagebericht, den NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) jetzt dem Landtag vorlegte, gibt eine Übersicht über das Organisierte Verbrechen in NRW. Zwar sei die Zahl der eingeleiteten Verfahren im Jahr 2018 von 80 auf 77 und die Zahl der Tatverdächtigen sogar von 1.657 auf 1.222 zurückgegangen, doch ist der wirtschaftliche Schaden, den die organisierten Banden anrichten, immer größer. So stieg die Schadenssumme von 25,4 auf 46,3 Millionen Euro. Allerdings konnte die Polizei auch 21,7 Millionen Euro bei ihren Aktionen gegen die organisierten Banden beschlagnahmen.

Rauschgifthandel

Hauptbetätigungsfeld der Organisierten Kriminalität ist der Rauschgifthandel. Auch hier spielen neben türkisch-arabischen Familienclans, italienischen Mafiaorganisationen und albanischen Banden Rocker eine wichtige Rolle. „Dickster Fisch" der Ermittler in diesem Bereich war eine international agierende, italienisch dominierte Bande mit Verbindung zur Mafiaorganisation „Ndrangheta", die mit Kokain im Wert von 120 Millionen Euro handelte.

Steuerbetrug

Das LKA berichtet von einem besonderen Fall der organisierten Steuerhinterziehung. Ein türkisch-kurdischer Familienclan habe bei 347 Geldspielautomaten in zahlreichen von ihm betriebenen Spielhallen die Software so manipuliert, dass die Spielerträge verschleiert wurden. Dadurch entstand ein Steuerschaden von 38 Millionen Euro. Im Prozess vor dem Landgericht Hagen war einer der Haupttäter geständig. Damit war klar: Insgesamt habe die Bande Steuern in Höhe von 48,4 Millionen Euro hinterzogen. Allerdings konnte die Polizei bei ihren Ermittlungen Vermögenswerte von 10 Millionen Euro beschlagnahmen, außerdem Luxus-Karossen der Marke Lamborghini und wertvolle Schmuckstücke.

Verdeckte Ermittlung

In 57 der 77 OK-Verfahren überwachte die Polizei 2018 Telefon- oder Mobilfunkgeräte. In zwei Verfahren wurden Wohnungen abgehört. Mit sogenannten „Vertrauenspersonen" arbeitete die Polizei in 33 Verfahren zusammen, in neun Verfahren setzte sie verdeckte Ermittler ein.

Information

Kokain aus Südamerika


Seit 2015 ein deutlicher Anstieg der sichergestellten Mengen an Kokain zu verzeichnen. Die Droge wird vorwiegend aus Brasilien, Ecuador und Kolumbien per Seecontainern und zwischen legalen Gütern versteckt nach Europa transportiert. Im Jahr 2018 konnten die Polizeibehörden in Hagen und Köln zwei größere Lieferungen Kokain sicherstellen, 400 Kilogramm versteckt zwischen tiefgekühlter Hühnerbrust, 121 Kilogramm zwischen Bananen aus Ecuador. Gesamtwert: 36,5 Millionen Euro.

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