Gerry Weber: Staatsanwalt prüft Insiderhandel mit Aktien

Nicole Donath

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Aktienhandel im Fokus: Die Finanzaufsicht BaFin hat bei der Staatsanwaltschaft Braunschweig Anzeige wegen des Verdachts auf Insiderhandel mit Gerry-Weber-Aktien gestellt. - © Nicole Donath
Aktienhandel im Fokus: Die Finanzaufsicht BaFin hat bei der Staatsanwaltschaft Braunschweig Anzeige wegen des Verdachts auf Insiderhandel mit Gerry-Weber-Aktien gestellt. (© Nicole Donath)

Halle/Braunschweig. Es geht um den Verdacht des verbotenen Insiderhandels mit Gerry-Weber-Aktien: Einen Tag vor der Mitteilung, dass der Haller Mode- und Lifestylekonzern Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung stellen würde, hatte es auffällige Aktienbewegungen gegeben. An jenem Donnerstag, 24. Januar, war der Kurs binnen weniger Stunden um 27 Prozent abgerutscht. Am Freitagmorgen des 25. Januar sackte er um weitere 30 Prozent ab, ehe der Handel um 13 Uhr für knapp eineinhalb Stunden ausgesetzt wurde. Während dieser Zeit veröffentlichte Gerry Weber pflichtgemäß die Mitteilung, dass man Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt habe. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft Braunschweig.

Wie eine Sprecherin der BaFin auf Anfrage unserer Zeitung mitteilte, war in einem mehrstufigen Verfahren zunächst eine routinemäßige Analyse erfolgt, die nach einer förmlichen Insideruntersuchung schließlich in einer offiziellen Anzeige mündete. Mitte August waren bereits die Wohnräume der vier Beschuldigten durchsucht worden, wie Julia Meyer, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Braunschweig, jetzt berichtete. „Es wurde Beweismaterial sichergestellt, das aktuell noch ausgewertet wird." Die Ermittlungen würden noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Demzufolge sei auch noch nicht entschieden, ob beziehungsweise wann Anklage erhoben werde.

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Kapitalverlust von gut 99 Prozent

Anleger verloren seit 2009 mit Gerry-Weber-Aktien 99,7 Prozent ihres Kapitals. Durch den Insolvenzplan ist die Aktie wertlos geworden, die verbliebenen Anleger werden nicht entschädigt. Für den Konzern soll es nach der Sanierung weitergehen.

Um wen es sich bei den vier Beschuldigten handelt, teilte die Staatsanwältin mit Verweis auf Persönlichkeitsrechte und Unschuldsvermutung nicht mit. Aber so viel: „Gegen Mitglieder der Familie der Firmengründer wird nicht ermittelt." Nach Informationen unserer Zeitung sollen auch der aktuelle Vorstand der Gerry Weber International AG sowie die Spitze des Aufsichtsrates nicht zum Kreis der Betroffenen zählen. Eine Sprecherin des Konzerns erklärte, dass man von den Ermittlungen natürlich wisse, aber nicht weiter eingebunden sei.

Bereits im Herbst 2018 hatte die BaFin auffällige Kursbewegungen mit Gerry-Weber-Aktien festgestellt. Damals waren in der Xetra-Schlussauktion am 21. September mehr als 600.000 Gerry-Weber-Papiere gehandelt worden, was rund 95 Prozent des Tagesumsatzes ausmacht. Nur kurze Zeit später berichtete der Branchendienst Debtwire, dass das Unternehmen ein Sanierungsgutachten in Auftrag gegeben habe. In einer Pflichtmitteilung bestätigte Gerry Weber den Bericht vier Stunden später. In diesem Fall hatten sich für die BaFin allerdings keine konkreten Anhaltspunkte auf Insiderhandel ergeben.

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