NRW ist Schlusslicht bei der Betreuung von Kleinkindern

Carolin Nieder-Entgelmeier

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Für eine kindgerechte Betreuung braucht es laut einer aktuellen Studie bundesweit 106.500 zusätzliche Vollzeitstellen in den Kindertagesstätten. - © Jens Wolf
Für eine kindgerechte Betreuung braucht es laut einer aktuellen Studie bundesweit 106.500 zusätzliche Vollzeitstellen in den Kindertagesstätten. (© Jens Wolf)

Bielefeld. NRW ist weiterhin bundesweit Schlusslicht bei der Kita-Betreuung von Kleinkindern. Laut Statistischem Bundesamt liegt die Betreuungsquote der unter Dreijährigen mit 147.171 Kindern bei gerade einmal 28,2 Prozent. Bundesweit sind es 34,3 Prozent. Dabei haben Eltern seit sechs Jahren einen Rechtsanspruch auf eine U-3-Betreuung. Das größte Problem beim Ausbau insgesamt ist nach Angaben der Bertelsmann-Stiftung fehlendes Personal. Eine Studie zeigt, dass allein in NRW aktuell 15.600 Erzieher fehlen.

„Dieser eklatante Personalmangel bestätigt unsere Erfahrungen. In vielen Kitas muss ein Erzieher mitunter den ganzen Tag eine Gruppe mit 25 Kindern alleine betreuen. Deshalb stehen so viele Fachkräfte an der Grenze ihrer Belastbarkeit", erklärt die NRW-Vorsitzende der Gewerkschafte Erziehung und Wissenschaft, Maike Finnern aus Bielefeld. Zwar fordert die Gewerkschaft einen Ausbau der Betreuungsplätze und befürwortet eine Flexibilisierung der Betreuungszeiten. „Doch das kann nur funktionieren, wenn Kitas mit ausreichend Personal ausgestattet werden, denn die Betreuungsqualität leidet jetzt schon extrem."

Zahl der Erzieher ist gestiegen, Zahl der betreuten Kinder aber auch

Auch der Verband Bildung und Erziehung NRW fordert einen angemessenen Personalschlüssel. „Der Fachkräftemangel beeinträchtigt die Arbeit massiv. Wir brauchen Qualitätsstandards, damit es nicht mehr vom Wohnort abhängig ist, ob Kinder angemessen betreut werden. Das wäre nötig für mehr Chancengleichheit", sagt der Vorsitzende Stefan Behlau.

Dabei hat sich die Personalsituation in NRW bereits verbessert: Binnen zehn Jahren bis 2018 hat sich die Zahl der Erzieher laut BertelsmannStiftung um fast 50 Prozent auf 114.219 Mitarbeiter erhöht. Gleichzeitig ist aber auch die Zahl der betreuten Kinder von 551.506 auf 595.383 gestiegen. „Wenn wir mehr Menschen für die Ausbildung zum Erzieher begeistern wollen, dann muss das Schuldgeld abgeschafft werden", fordert Finnern.

In NRW wird der Großteil der U-3-Kinder (83 Prozent) nicht in klassischen Krippen betreut, sondern gemeinsam mit älteren Kindern. In diesen altersübergreifenden Gruppen liegt der Personalschlüssel laut Bertelsmann-Stiftung bei einem Erzieher für 6,2 Kinder. Laut Studie ein ungünstiger Personalschlüssel, weil Kleinkinder benachteiligt werden könnten. Auffällig ist zudem, dass in NRW besonders viele Kleinkinder nicht in Kitas, sondern von Tagesmüttern betreut werden. Insgesamt sind es 9,3 Prozent. Der bundesweite Durchschnitt liegt bei 5,5 Prozent. „Das ist auch eine Folge fehlender Betreuungsplätze", erklärt Finnern.

Information

Quereinstieg als Erzieher

Die Landesregierung in NRW fördert den Quereinstieg als Erzieher. Gewerkschaften kritisieren das Vorgehen. „Die Fehler der Schulpolitik sollten sich nicht wiederholen. Quereinstieg ohne eine intensive Vorqualifizierung darf es nicht geben", fordert der NRW-Vorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung. Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft warnt. „Quereinsteiger sind keine Lösung für das Grundproblem Fachkräftemangel", sagt die NRW-Vorsitzende Maike Finnern.

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