Wilke Wurstwaren erhielt noch im Sommer ein Sicherheitszertifikat

Angela Wiese

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Heruntergelassen sind die Rolltore des Fleischherstellers Wilke Wurstwaren. Nach zwei Todesfällen durch Keime in Wurstwaren muss der Hersteller die Produktion stoppen.  - © Uwe Zucchi/dpa
Heruntergelassen sind die Rolltore des Fleischherstellers Wilke Wurstwaren. Nach zwei Todesfällen durch Keime in Wurstwaren muss der Hersteller die Produktion stoppen.  (© Uwe Zucchi/dpa)

Kassel. Das im Zusammenhang mit dem Wurstskandal geschlossene Unternehmen Wilke Wurstwaren hat noch im Juli ein Zertifikat erhalten, mit dem unter anderem die Lebensmittelsicherheit bei Herstellern bewertet wird.

Wie die IFS Management GmbH mitteilt, sei Wilke Wurstwaren von der Frankfurter Prüforganisation DQS CFS nach einer Untersuchung im Juli mit "Basisniveau" bewertet worden. Für Wilke bedeutete dies eine Abwertung im Vergleich zum Vorjahr, denn es seien Mängel festgestellt worden.

"Keine Gefahr für die Lebensmittelsicherheit"

Diese Mängel hätten unter anderem Mess- und Prüfverfahren sowie Infrastruktur-Anforderungen betroffen, teilt ein Sprecher der IFS Management mit. Er betont, dass DQS die Mängel damals so bewertet hat, "dass diese keine Gefahr für die Lebensmittelsicherheit darstellen".

Beim IFS Food-Standard, um den es hier geht, liegt der Fokus auf Lebensmittelsicherheit und die Qualität der Verfahren und Produkte bei Herstellern. Entwickelt wurde er vom Hauptverband des deutschen Einzelhandels und Vertretern des Lebensmittelhandels.

Listerien-Fall schon im April

In einer IFS-Stellungnahme zum Fall Wilke Wurstwaren heißt es, dass der Betrieb bereits im April 2019, nach einem behördlich verfügten Rückruf, Maßnahmen zur Beseitigung von Listerien im Betrieb ergriffen hatte. Zum IFS-Untersuchungsverfahren seien Inspektionsberichte und Laboranalysen vorgelegt worden, laut denen der Ausbruch erfolgreich bekämpft worden war. DQS habe Wilke Wurstwaren am 2. Oktober das IFS-Food-Zertifikat entzogen.

Im Gespräch mit der Welt sagte IFS-Management-Geschäftsführer Stephan Tromp, dass nun geprüft werden müsse, "ob Wilke eine große Show veranstaltet und womöglich mit krimineller Energie getäuscht hat oder ob ein Auditorenversagen vorliegt".

Reagierten die Behörden zu spät?

Eine Überprüfung, wie es im Fall Wilke soweit kommen konnte, wird es wohl nicht nur dort geben. Bereits am 12. August soll das Umwelt- und Verbraucherschutzministerium vom Robert-Koch-Institut von einem Listerien-Verdacht beim Wursthersteller Wilke erfahren haben. Das wirft die Verbraucherorganisation Foodwatch dem Land Hessen vor. Die Stilllegung der Produktion und der weltweite Rückruf aller Wilke-Produkte erfolgte erst am 2. Oktober.

Listeriose-Erkrankungen sind meldepflichtig. Bei der Behandlung wird auch der Typ des Erregers festgestellt. Über einen bundesweiten Abgleich der Erregertypen stellt das Robert-Koch-Institut Zusammenhänge zwischen verschiedenen Erkrankungen fest, wenn sie auf den gleichen Listerien-Typ zurückgehen. Es werden auch Nachforschungen über die Quelle der Listerien angestellt. „Die Auswertung hat das Robert-Koch-Institut gemacht, man ist darüber auf diesen Hersteller gekommen", sagte der Sprecher des Landesgesundheitsamtes.

Hessen will Vorgänge untersuchen

Der Landkreis Waldeck-Frankenberg als zuständige Behörde für die Lebensmittelüberwachung im Fall Wilke und das Land Hessen haben eine Untersuchung der Vorgänge angekündigt. Linke, FDP und SPD fordern Aufklärung von Hessens Umweltministerin Priska Hinz (Grüne).

Die Waren der Firma werden mit zwei Todesfällen in Südhessen sowie 37 weiteren Krankheitsfällen wegen keimbelasteter Wurst in Verbindung gebracht. Die Staatsanwaltschaft ermittelt inzwischen gegen den Geschäftsführer des Wurstherstellers Wilke wegen des Anfangsverdachts der fahrlässigen Tötung eingeleitet. Die Ermittlungen liefen auch wegen des Anfangsverdachts der fahrlässigen Körperverletzung und des Verstoßes gegen Lebensmittelrecht, sagte ein Sprecher der Behörde am Dienstag in Kassel.

Mit Informationen der dpa.

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