Vereine in OWL bangen um ihre Männlichkeit

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Viele Schützenvereine lassen nur Männer als Mitglieder zu. - © Pixabay
Viele Schützenvereine lassen nur Männer als Mitglieder zu. (© Pixabay)

Bielefeld/Paderborn. „Das ist ja wohl ein Witz", entfährt es Siegfried Schröder, als er von den Plänen von Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) hört, reinen Männervereinen die steuerlichen Vorteile streichen zu wollen. Kein Witz.

Scholz hatte der Bild am Sonntag erklärt: „Vereine, die
grundsätzlich keine Frauen aufnehmen, sind aus meiner Sicht nicht gemeinnützig. Wer Frauen ausschließt, sollte keine Steuervorteile haben und Spendenquittungen ausstellen."

Siegfried Schröder ist Schatzmeister des Männergesangsvereins Germania-Sieker. Der Verein hat ausschließlich männliche Mitglieder. Ist er also nicht gemeinnützig? Schröder betont: „Wir treten in Heimen und Krankenhäusern auf, wir betreiben richtig Kultur in der Stadt Bielefeld". Reicht das? Der Verein Deutsches Ehrenamt erklärt dazu auf seiner Homepage: „Generell muss die Tür zur Vereinsmitgliedschaft jedem offen stehen." Der anfängliche Unglaube weicht bei Siegfried Schröder schnell der Besorgnis. „Das ist für viele Vereine existenzbedrohend", sagt er. Die Sänger seien auf Spenden angewiesen.Könnten sie keine Quittungen mehr ausstellen, würde der Verein von außen kaum noch finanziell unterstützt werden.

Heinz Hartmann vom Chorverband Höxter/Warburg nimmt den Vorstoß vom Bundesfinanzminister gelassen auf: „Ich glaube, dass Scholz da gar nicht mit durchkommt." Die Paderborner Schützen sind sauer.Obwohlsich der Paderborner Bürger-Schützenverein (PBSV) nicht als reinen Männerverein versteht – denn Frauen können zwar kein stimmberechtigtes, aber doch außerordentliches Mitglied werden – fürchten sie Bevormundung.

„Worüber ich mich tierisch aufrege, ist, dass der Bundesfinanzminister den Vereinen etwas aufoktroyieren will", ärgert sich Oberst Thomas Spieker. Wer Mitglied werden könne, sollte in den Vereinen entschieden werden, nicht in Berlin, findet er. Er vermutet, Scholz‘ Vorstoßkönne „parteitaktischmotiviert" sein. Immerhin ist Olaf Scholz mitten im Wahlkampf um den SPD-Parteivorsitz.

Nichtsdestotrotz nehmen die Schützen die Äußerungen ernst. In einem Brief an seine Offiziere versichert Spieker, dass „wir als PBSV mit unseren mehr als 4.000 Mitgliedern alle politischen Einflussmöglichkeiten nutzten werden, um den Frontalangriff des Bundesfinanzministers Scholz (SPD) auf unsere Vereinsautonomie zu verhindern". Spieker stehe bereits mit dem CDU BundestagsabgeordnetenCarsten Linnemann und den CDU-Landtagsabgeordneten Marc Lübke und Daniel Sieveke in Kontakt.

Letzterer hält von Scholz‘ Vorstoß „gar nichts". Sieveke ist selbst aktiver Schütze und vermisst einen differenzierten Blick auf die Männervereine. „Werden Personen aufgrund ihres Geschlechts, ihrer Religion oder ihrer Rasse ausgeschlossen oder handelt es sich um eine seit Jahrzehnten und Jahrhunderten gewachsene Struktur?"Sollte Scholz den Rotstift ansetzen, träfe es wohl nicht nur Gesangsvereine oder Schützen. Im Umkehrschluss müsste auch reinen Frauenvereine wie dem Frauenfußballverein ,FSV Gütersloh die Gemeinnützigkeit aberkannt werden.

Der1. Vorsitzende,Sebastian Kmoch, ist keinesfalls beunruhigt. „Wir machen ja einen Frauenfußballverein,weil es einen Männerfußballverein schon gibt." Ein eigener Verein gebe dem „Randsport" Frauenfußball mehr Gewicht als eine Abteilung in einem Männerclub. Dort wären die Fußballerinnen Anhängsel". Außerdem könnten Männer auch Teil des Vereinslebens werden. Im Vorstand, als Trainer oder Schiedsrichter
Nur nicht als Kicker.

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