Bielefelds erstes Food-Outlet mit geretteten Lebensmitteln eröffnet

Sylvia Tetmeyer

Elif und Mustafa Budumlu eröffnen am Donnerstag ihren „Rettermarkt" in Schildesche. Nach längerer Suche haben sie im Ortskern ein etwa 40 Quadratmeter großes Ladenlokal gefunden. Zum Kauf gibt es ein Netz aus Baumwolle. - © Sylvia Tetmeyer
Elif und Mustafa Budumlu eröffnen am Donnerstag ihren „Rettermarkt" in Schildesche. Nach längerer Suche haben sie im Ortskern ein etwa 40 Quadratmeter großes Ladenlokal gefunden. Zum Kauf gibt es ein Netz aus Baumwolle. (© Sylvia Tetmeyer)

Bielefeld. Die Wände sind frisch gestrichen, die ersten Möbel aufgestellt. Nun fiebern Elif und Mustafa Budumlu der Eröffnung entgegen. Vor rund vier Monaten haben sie den gemeinnützigen Verein „Restlos" gegründet. Jetzt wird der Traum vom eigenen Laden Wirklichkeit. In der Johannisstraße 33-36 erhalten Kunden Lebensmittel, die von Märkten aussortiert wurden. Am Donnerstag ab 9 Uhr öffnet der „Rettermarkt" seine Türen.

„Wir haben den gleichen Vermieter wie der Edeka-Markt um die Ecke. Deshalb haben wir uns dort sofort vorgestellt", erzählt Mustafa Budumlu. Nun gehöre Haddenhorst zu den sechs bis sieben Kooperationspartnern, von denen die Vereinsmitglieder die Produkte abholen können. Dabei sind auch landwirtschaftliche Betriebe.

Gespendetes Obst und Gemüse

Im Outlet wird in erster Linie Obst und Gemüse verkauft, das gespendet wurde, weil es nicht mehr ganz frisch ist, Macken hat oder die äußere Form nicht den Ansprüchen der Verbraucher genügt. „Wir wollen auch mit Bäckereien kooperieren", erzählt der Vereinsvorsitzende. Neben dem Ladenlokal, das rund 40 Quadratmeter groß ist, können die Lebensmittelretter auch einen Teil des Außenbereiches nutzen.

„Wir stellen hier freitags und samstags ein Zelt auf, um dort zu kochen und ab 12 Uhr ein warmes Essen anbieten zu können", sagt Elif Budumlu. Auch am Eröffnungstag wollen die neuen Geschäftsinhaber die Schildescher mit selbst kreierten Gerichten überraschen. „Der Kunde zahlt das, was es ihm wert ist", sagt der 29-Jährige. Die Gründer, die auf ehrenamtliche Hilfe hoffen, haben viele Pläne für die Zukunft. So sollen die Einnahmen, die nach Abzug von Ladenmiete und Unkosten übrig bleiben, in soziale Projekte fließen.

Kochen mit Schulklassen

Elif Budumlu, die Erziehungswissenschaften studiert, möchte den Nachhaltigkeitsgedanken an Schulen bringen. So könne beispielsweise mit fünften und sechsten Klassen gekocht werden. Auch die Belieferung mit frischem Obst und Gemüse sei denkbar. „Wir sind bereits mit Schulen im 
Bielefelder Norden im Gespräch", sagt Mustafa Budumlu.

Für die Zukunft planen die Ideengeber einen Food-Truck zu mieten und an Lebensmittelmärkten aufzustellen. In Patrick Groß haben sie einen Mitstreiter an ihrer Seite, der als gelernter Koch über die notwendigen Kenntnisse verfügt.

Im vergangenen Jahr hatte der Verein bereits mit einer Crowdfunding-Aktion von sich reden gemacht. „Leider hatten wir unser Ziel, 33.000 Euro zu erreichen, zu hoch gesteckt", bedauert der Erziehungswissenschaftler.

Etwas "völlig Neues" für Bielefeld

Dafür hofft er, dass diejenigen, die die Aktion unterstützt haben, nun in den neuen Laden kommen. „Das Interesse in Schildesche ist auf jeden Fall groß. Wir haben schon mit vielen Anwohnern gesprochen", sagt der 29-Jährige. Schließlich sei das Outlet etwas „völlig Neues" in Bielefeld.

Ziel sei, der Verschwendung von Lebensmitteln entgegenzuwirken und zu zeigen, dass man auch mit Gemüse, das nicht perfekt sei, gut kochen könne. Das Food-Outlet „Restlos – Der Rettermarkt" ist montags bis freitags von 10 bis 19 Uhr sowie samstags von 9 bis 15 Uhr geöffnet.

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