Lkw-Fahrer rammt Bahnbrücke in Löhne und will den Führerschein nicht abgeben

Ulf Hanke

Ein Lastwagenfahrer aus Enger weht sich gegen einen Strafbefehl wegen Unfallflucht. Er hat in Löhne eine Bahnbrücke gerammt. - © Symbolbild: Pixabay
Ein Lastwagenfahrer aus Enger weht sich gegen einen Strafbefehl wegen Unfallflucht. Er hat in Löhne eine Bahnbrücke gerammt. (© Symbolbild: Pixabay)

Löhne/Enger. Das Navi hat ihn falsch geführt. Ein 62-jähriger Lastwagenfahrer aus Enger wollte nach einem Stau auf der Autobahn durch die verkehrsberuhigten Zonen in Gohfeld rollen - und blieb am 3. August 2019 unter der Eisenbahnbrücke an der Rüscherstraße hängen. Der Schaden am Verkehrsschild schien ihm gering, also fuhr der Fahrer zu seinem Bestimmungsort weiter, um seinem Chef den Unfall zu beichten. Kaum angekommen, hatte er aber die Polizei am Telefon. Die Quittung: 1.200 Euro Strafe und zwei Monate Fahrverbot.

Solche Brücken-Unfälle haben sich in den vergangenen Monaten am Logistikstandort Löhne mit viel Lkw-Verkehr und Bahnbrücken gehäuft. Nicht immer werden die Unfallfahrer ausfindig gemacht. Zeitweise musste sogar der Bahn-Verkehr unterbrochen werden. Nach dem Unfall in Gohfeld war das offenbar nicht nötig.

Ein Lastwagenfahrer hat die Bahnbrücke an der Rüscherstraße gerammt, nachdem sein Navi ihn wegen eines Staus auf der A2 hier entlang lotste. - © Ulf Hanke
Ein Lastwagenfahrer hat die Bahnbrücke an der Rüscherstraße gerammt, nachdem sein Navi ihn wegen eines Staus auf der A2 hier entlang lotste. (© Ulf Hanke)

Der Berufskraftfahrer aus Enger gab den Unfall zu, wollte seine Strafe aber nicht akzeptieren. Mit einer Rechtsanwältin legte er gegen den Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Widerspruch ein und die Sache landete am Mittwoch vorm Amtsgericht Bad Oeynhausen. Dort erläuterte der Fahrer ausführlich, wie ihm das Missgeschick passiert war: Er fahre erst seit zwei Jahren beruflich Lastwagen, eigentlich auch nicht so große und nur selten mit Hänger.

Das Navi lotste den Fahrer ins Gohfelder Wohngebiet

Ausgerechnet an diesem Unfalltag aber war er mit einem großen Gespann unterwegs und die Autobahn 2 gesperrt. Das Navigationsgerät führte ihn von der Löhner Straße nach links auf die Rüscherstraße und damit in die Irre. Denn die Bahnbrücke ist nur für Fahrzeuge unter 3,70 Meter ausgelegt. Der Hänger blieb hängen.

Die Polizei schätzte den Schaden zwar nur auf "etwa 500 Euro". Tatsächlich war aber nicht nur das Verkehrsschild und eine Warnbake verbogen, sondern auch Teile der Brücke wie sich später herausstellte. Unterm Strich blieben 3.300 Euro Schaden an der Unterführung. Doch vor allem das unerlaubte Entfernen vom Unfallort ist für die Staatsanwaltschaft Bielefeld keine Kleinigkeit.

Richter und Staatsanwalt sehen keinen Spielraum

Der Richter deutete auf Fotos von dem deutlich demolierten Hänger und der ramponierten Unterführung und fragte den Fahrer: "Was ist eigentlich das Ziel ihres Einspruchs?" Und der Angeklagte erklärte, es gehe ihm vor allem um das Fahrverbot. Ohne Führerschein könne er nicht arbeiten und Geld verdienen. Richter und Staatsanwalt überzeugte das jedoch nicht. Im Gegenteil. Angesichts des Nettoeinkommens von rund 1.700 Euro im Monat sei er mit 30 Tagessätzen zu 40 Euro (1.200 Euro) gut bedient. Bei einer Verurteilung wäre jedoch einen deutlich höherer Tagessatz von 60 Euro anzusetzen.

Und auch beim Fahrverbot sah der Richter keinen Spielraum. Der Angeklagte sei weggefahren, ohne sich um den Schaden zu kümmern: "Da müsste man eigentlich über den Entzug der Fahrerlaubnis nachdenken." Dann wäre der Lappen weg, nicht nur für zwei Monate. Nach kurzer Rücksprache mit seiner Verteidigerin zog der Lastwagenfahrer seinen Einspruch zähneknirschend zurück. Ab nächstem Monat muss er 1.200 Euro zahlen und zwei Monate seinen Führerschein abgeben.

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