Auch Mitarbeiter aus OWL demonstrieren gegen die Zerschlagung von Real

Judith Gladow

Mitarbeiter der Supermarktkette Real demonstrieren vor der Metro-Hauptversammlung. - © Rolf Vennenbernd/dpa
Mitarbeiter der Supermarktkette Real demonstrieren vor der Metro-Hauptversammlung. (© Rolf Vennenbernd/dpa)

Bielefeld/Düsseldorf. „Wir wollen in sichere Hände" steht auf dem Plakat, das ein Real-Mitarbeiter den Aktionären des Mutterkonzerns Metro entgegenhält, die zur Hauptversammlung des Handelsriesen eilen. „Ich bin kein Restposten", steht auf der Jacke eines Kollegen. 

Metro will die Kette Real verkaufen. Alle 276 Standorte mit aktuell rund 34.000 Mitarbeitern soll der Finanzinvestor SCP übernehmen. Rund 30 Märkten droht die Schließung. Darum sind nun hunderte Mitarbeiter der Supermarktkette zum Congress Center Düsseldorf gekommen. Nach Auskunft der Gewerkschaft Verdi seien es im Ganzen rund  1.000 gewesen. Auch aus Ostwestfalen-Lippe sind Demonstranten dabei.

"Diese Ungewissheit ist ganz schlimm"

Sie demonstrieren am Rande des Aktionärstreffens für die Absicherung ihrer Arbeitsplätze und ihrer Löhne. „Wir wären froh, wenn wir wüssten, was mit uns passiert: Ob wir geschlossen werden oder weitergehen an jemanden. Diese Ungewissheit ist ganz schlimm. Da kriegen Sie es an den Nerven", sagt eine Demonstrantin.

Pfeifkonzerte schallen den Aktionären entgegen. Auch ein paar Böller fliegen. Die Stimmung ist gereizt. Bis in die Versammlungshalle dringt von dem Lärm allerdings nichts. Dort verteidigt Metro-Chef Olaf Koch die Verkaufspläne. Real habe zuletzt den Gesamtkonzern in die roten Zahlen gezogen, sagt er vor den Aktionären. „Wir können dieses Geschäft nicht weiter tragen."

Schicksal der OWL-Märkte noch ungeklärt

Koch bekräftigt auf der Hauptversammlung, das Unternehmen habe inzwischen eine „kommerzielle Einigung über den Verkauf" mit dem Finanzinvestor SCP erzielt. Die Eckpunkte seien ausverhandelt. Aktuell würden nur noch die letzten Details geklärt. Nach dem Verkauf soll die Supermarktkette zerschlagen werden. Ein Kern von 50 Real-Märkten soll für mindestens 24 Monate weiter betrieben werden. Der größte Teil der Filialen soll jedoch an andere Händler wie Edeka oder Kaufland gehen.

Ob Märkte in Ostwestfalen-Lippe von einer Schließung betroffen sein könnten, ist noch unklar. "Zu einzelnen Standorten gibt es noch keine Informationen", sagt eine Metro-Sprecherin auf Anfrage von nw.de. Insgesamt acht Märkte mit 1.160 Mitarbeitern gibt es im Großraum OWL: drei in Bielefeld und jeweils einen in Gütersloh, Paderborn, Detmold, Brakel und Espelkamp.

"Diese Hilflosigkeit ist das Schlimmste für die Beschäftigten", sagt Ursula Jacob-Reisinger, Gewerkschaftssekretärin von Verdi OWL, die mit rund 40 Beschäftigten aus zwei Real-Märkten der Region nach Düsseldorf gefahren ist. "Niemand weiß, welche 30 Märkte geschlossen werden, und ob es dabei bleibt."

Es gehe nun auch darum, dass nach dem Verkauf die Menschen nicht auf der Strecke blieben. Ob und wie es zu weiteren Aktionen komme, würden die Beschäftigten entscheiden. "Ob die mit der Rechtfertigung von Metro-Chef Koch zufrieden sind? Ich glaube eher nicht", sagt Jacob-Reisinger.

Metro erwartet durch Verkauf bessere Bilanzen

Durch den Verkauf von Real erwartet die Metro Nettomittelzuflüsse von 300 Millionen Euro. Das sind 200 Millionen Euro weniger als noch vor wenigen Monaten erhofft. Doch hat sich das Geschäft der kränkelnden Tochter in den vergangenen Monaten auch nicht gut entwickelt.

Durch die Einnahmen aus dem Verkauf von Real und einer deutlich größere Summe aus dem Verkauf des China-Geschäfts rechnet die Metro in den nächsten Monaten mit Mittelzuflüssen von mehr als 1,5 Milliarden Euro. Damit werde die Metro „bilanziell auf so starken Füßen stehen wie lange nicht mehr", betonte Koch.

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