Briten ziehen ab: Was wird aus den ehemaligen Kasernen in OWL?

Lukas Brekenkamp

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Die Briten verlassen nun auch den Standort Bielefeld komplett. - © Wolfgang Rudolf
Die Briten verlassen nun auch den Standort Bielefeld komplett. (© Wolfgang Rudolf)

Bielefeld/Gütersloh/Herford/Paderborn. Mit einer feierlichen Zeremonie hat die britische Armee ihre Kaserne in Bielefeld an die Bundesrepublik Deutschland zurückgegeben. „Damit endet ein Projekt, das die britische Regierung im Jahr 2010 beschlossen hat", erklärte der Sprecher der britischen Streitkräfte in Deutschland, Mike Whitehurst. Vor über zehn Jahren hatte England entschieden, rund 20.000 Soldaten der Rheinarmee und ihre Familien aus Deutschland abzuziehen und die Kasernen, Schulen und Häuser in Abstimmung mit den Kommunen schrittweise aufzugeben.

Nun bleiben nur noch wenige Soldaten in OWL – etwa in Paderborn, wo nach Wunsch der britischen Regierung der Truppenübungsplatz in der Senne weiter genutzt wird. Doch was passiert mit den Gebäuden und Flächen, die die Briten nun aufgeben? Ein Überblick.

In Bielefeld könnte die Bundespolizei einziehen

In Bielefeld haben die britischen Streitkräfte die Catterick-Kaserne, kurz zuvor hatten sie die Rochdale-Kaserne verlassen. Seit 2015 war Bielefeld das Hauptquartier der britischen Truppen in Deutschland. In Zeiten der Wohnungsnot ist das für Bielefeld eine immense Chance. Die Stadt möchte die Kasernen vom Bund kaufen. Auf dem Geländer der Catterick-Kaserne könnten dann Wohngebiete entstehen. Auch in der Diskussion steht, dass die Bundespolizei ein Ausbildungszentrum dort plant.

Allerdings: Bisher durfte die Stadt das Gelände nicht betreten – eine ausstehende Untersuchung, etwa der Altlasten oder der Bausubstanz – soll schnellstmöglich erfolgen. Erst dann kann geplant werden.

Schon in den 1990er Jahren wurden in Bielefeld zahlreiche Kasernen umgewandelt: Harrogate, Ripon, Redcar und Richmond. Die Nutzung ist dabei vielfältig: von Wohnraum über gewerbliche Nutzung, bis hin zu einer Schule.

In Paderborn soll Wohnraum entstehen

Auch in Paderborn profitiert man von der Konversion. Im vergangenen Jahr haben die Briten hier die Barker- und Demsey-Kasernen geräumt, 2016 die Alanbrooke. Auf dem Geländer letzterer soll ein neues Wohnquartier entstehen. Denkmalgeschützte Gebäude aus den 1890er Jahren bleiben erhalten, alle anderen Gebäude werden aktuell zurückgebaut. Und auch auf dem Areal der Barker-Kaserne soll ein neuer kleiner Stadtteil in der Paderborner Innenstadt entstehen. Auf dem Dempsey-Areal will die Stadt auch neuen Wohnraum schaffen.

Derweil werden der Truppenübungsplatz Senne sowie die Normandy-Kaserne und Athlone-Kaserne weiterhin militärisch durch die britischen Streitkräfte genutzt. Etwa 200 Soldaten bleiben am Standort Sennelager stationiert. Außerdem soll schon sehr bald weiterer Wohnraum frei werden: Schließlich gibt es in ganz Paderborn Wohngegenden, die bis vor kurzem nahezu ausschließlich von Angehörigen der britischen Streitkräfte genutzt wurden.

Herford setzt auf Bildung

In Herford verließen die Briten bereits 2015 die Kasernen. In der Stadt befinden sich die drei ehemalige Kasernenstandorte Hammersmith, Wentworth und Harewood. In letzterer wurden 2015 Flüchtlinge untergebracht. Das ist noch immer so: Das Land NRW hat dort eine Zentrale Unterbringungsunterkunft eingerichtet.

Die ehemalige Kaserne Wentworth wird aktuell zu einem Bildungscampus entwickelt. Dort hat etwa eine Fachhochschule für Finanzen einen Standort. Weitere Mieter – darunter eine Pflegeschule für Krankenhäuser im Kreis – sollen folgen. Die Gebäude sind inzwischen alle im Besitz der Stadt. Die ehemalige Kaserne Hammersmith wird zum Wohnen entwickelt. Die Gebäude wurden teilweise von der Stadt gekauft. Außerdem gibt es noch ehemalige Briten-Wohnungen und Häuser. Dort wohnen unter anderem Studierende.

Vielfalt in Gütersloh

Im Kreis Gütersloh sind es die Mansergh-Barracks und die Princess-Royal-Barracks. Für erstere steht unter anderem Wohnraum, ein Bildungscampus sowie nichtstörendes Gewerbe im Raum. Auf dem Gelände der Princess-Royal-Kaserne soll teils Industriegebiet, teils Naturschutzfläche entstehen.

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