Coronavirus lähmt Produktion - auch ostwestfälische Unternehmen betroffen

Andrea Frühauf

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Mit Schutzkleidung vermummte chinesische Beschäftigte arbeiten in einer Klinik in der Provinz Hubei. - © picture alliance / Jin Shuhuai / Costfoto
Mit Schutzkleidung vermummte chinesische Beschäftigte arbeiten in einer Klinik in der Provinz Hubei. (© picture alliance / Jin Shuhuai / Costfoto)

Bielefeld. Die Auswirkungen der Coronavirus-Epidemie - in Italien sind gerade die ersten Infizierten in Europa gestorben - bekommt inzwischen auch die ostwestfälische Wirtschaft zu spüren. Hinter vorgehaltener Hand heißt es, manches Unternehmen stehe wegen fehlender Teile von chinesischen Lieferanten kurz vor dem Produktionsstopp. Die IHK Ostwestfalen plant in der übernächsten Woche eine Blitzumfrage bei ihren Mitgliedsunternehmen.

Der Herforder Maschinenbauer Wemhöner Surface, der im eigenen Werk in Changzou produziert, hat dort bereits zweimal die Betriebsferien zum chinesischen Neujahrsfest verlängert. „Seit dieser Woche wird mit einer reduzierten Mannschaft wieder gearbeitet", sagte Xufeng He, Geschäftsführer des chinesischen Werkes Wemhöner Machinery Manufacturing. Immerhin 70 Prozent der Beschäftigten arbeiteten wieder. „Einige Arbeiter kommen aus der Provinz Hubei. Die dürfen die Region nicht verlassen", erzähltt Xufeng He, der eigentlich am 3. Februar von Herford zurück nach China reisen wollte. In Wuhan, der Hauptstadt dieser Provinz, war die neue Lungenkrankheit ausgebrochen.

Das eigentliche Problem für Wemhöner seien aber fehlendes Material und die Logistik. „Wir müssen seit dem Coronavirus jede Firma, mit der wir zusammenarbeiten, von der Behörde registrieren lassen", so Xufeng He. Die Lastwagen einiger Zulieferer in Hubei dürften ihre Region nicht verlassen. Daher „gibt es einen sehr großen Engpass". Für einige Wemhöner-Kunden gebe es deshalb Lieferverzögerungen.

"Zufahrtsstraßen sind gesperrt"

„Es gibt kaum Lkw-Fahrer, und das Überschreiten von Provinzgrenzen für Lkws ist sehr langwierig oder nicht möglich", hatte auch Simone Pohl von der Auslandshandelskammer China in Shanghai vor Tagen ihren Kollegen beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag mitgeteilt. „Zufahrtsstraßen sind gesperrt – kurzum, die Anlieferung von Rohmaterialien und der Abtransport fertiger Waren gestaltet sich momentan ziemlich schwierig". Personal fehle in China auch wegen der Quarantäne-Bestimmungen.

Der chinesische Geschäftsführer von Wemhöner rechnet allerdings in drei bis vier Wochen mit einer Entspannung in China. In der Provinz Hubei, wo „die Menschen ihre Häuser nicht verlassen dürfen", sei die Lage noch sehr ernst. Aber außerhalb von Hubei entspanne sich die Lage. Auch die Behörden agierten bereits weniger streng.
Hierzulande scheuen manche Mitarbeiter den Besuch von Messen, bei denen auch Chinesen erwartet werden, wie Harald Grefe, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Ostwestfalen, sagt.

"Nicht alle Wanderarbeiter sind wieder in der Fabrik"

Der Werkzeugmaschinenbauer DMG Mori in Bielefeld räumt ein: „Tatsächlich haben auch wir beispielsweise bei unserer Hausausstellung in Pfronten vergangene Woche keine Kundendelegationen aus China empfangen, weil Gesundheit für uns oberste Priorität hat."

Der Hemdenhersteller Seidensticker produziert selbst in Vietnam. Allerdings bezieht er seine Meterware sowie Knöpfe und Etiketten von Lieferanten in China, wie der Bielefelder Unternehmer Frank Seidensticker berichtet. Inzwischen hätten die Webereien, die „nicht in der Wuhan-Region sitzen", ihre Arbeit mit einwöchiger Verspätung und verminderter Kapazität aber wieder aufgenommen, weil „nicht alle Wanderarbeiter wieder zurück sind".

Probleme gebe es bei der Logistik. Containerschiffe, die eine Woche von China nach Vietnam unterwegs sind, müssen wegen der Besatzung eine weitere Woche im Hafen warten, ehe die Ware von Bord darf.

"Eigene Lagerbestände sind noch hoch"

Auch der Verler Automatisierungstechnik-Hersteller Beckhoff hat Lieferanten in China. „Wir haben einen historisch hohen Lagerbestand. Aber in sechs Wochen könnte es spannend werden", heißt es in Verl. Zwar gebe es per Notfallplan alternative Lieferanten. „Aber die müssen entsprechende Kapazitäten haben." Die Technologiegruppe Harting (Espelkamp) hat ihre Produktion in China ebenfalls wieder aufgenommen. Das Problem sei aber die Logistik. Luftfrachtraum sei knapp und sehr teuer geworden, so Unternehmenssprecher Detlef Sieverdingbeck.

Die Deutsche Post nimmt Pakete und Päckchen nach China einschließlich Hongkong und Macau „bis auf weiteres nicht mehr an", wie ein Sprecher bestätigt.

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