Räumungsklage: Paderborner Studenten-WG versinkt im Chaos

Lukas Brekenkamp

Ein 30-Jähriger soll für das Chaos in der Wohnung verantwortlich sein. Zwei Mitbewohner sind mittlerweile ausgezogen. - © Privat
Ein 30-Jähriger soll für das Chaos in der Wohnung verantwortlich sein. Zwei Mitbewohner sind mittlerweile ausgezogen. (© Privat)

Paderborn. Überall Dreck, alte Essensreste – in den Ecken sammeln sich Zigarettenstumme. Chaos-Alarm in einer Paderborner Studenten-WG! Dafür verantwortlich sein soll ein 30-Jähriger – seine zwei Mitbewohner haben bereits das Weite gesucht. Der 70-jährige Vermieter ist bedient: Denn er wird den Mieter nicht los. Ein Fall, mit dem sich das Amtsgericht Paderborn beschäftigen muss.

Doch von vorne: Zum 1. Januar dieses Jahres ist der 30-Jährige in die Wohnung nahe der Universität eingezogen. Er habe sich als Student ausgegeben, sagt der Vermieter. Und auch sein eingereichter Lebenslauf habe Eindruck hinterlassen. Doch schon kurz nach dem Einzug sei das Chaos ausgebrochen. Als ein 20-jähriger WG-Mitbewohner nach einem Elternbesuch über die Feiertage Anfang Januar wieder in die Wohnung kam, traute er seinen Augen nicht: „Schweinestall ist kein Ausdruck!", meint er.

Todesdrohung gegen Mieterin?

Andere Mieter berichten von nächtlichen Ruhestörungen. Zwei Studentinnen protokollierten die Ereignisse. Demnach zählten sie alleine im Januar 30 solcher Vorfälle. Trauriger Höhepunkt: Nachdem die Studentinnen mehrfach darum baten, dass der Mann die laute Musik mitten in der Nacht leiser drehen sollte, habe der 30-Jährige eine Todesdrohung ausgesprochen. Die Polizei sei alarmiert worden.

Einem Kündigungsschreiben des Vermieters sei er nicht nachgekommen, er habe sogar das Schloss ausgetauscht. Der 70-Jährige klagte auf Räumung. Doch zur Verhandlung erschien der wegen Drogendelikten polizeibekannte Mann nicht. Seine Erklärung: Er habe verschlafen, über ihn seien Lügen verbreitet worden. Zudem berichtet er von Mängeln in der Wohnung, die der Vermieter nicht beheben würde. „Stimmt nicht", meint der 20-jährige Mitbewohner. Als er zuletzt in der Wohnung war, seien beispielsweise Spülmaschine oder Toilette noch voll intakt gewesen.

Mitbewohner suchen das Weite

Mittlerweile wohnt der 20-Jährige wieder bei seinen Eltern in Lübbecke. „Könnte ich wegen Corona die Vorlesungen nicht von zu Hause wahrnehmen, müsste ich jeden Tag nach Paderborn pendeln", sagt er. Auch der andere Mieter habe seinen Mietvertrag mittlerweile gekündigt.

Der Vermieter befürchtet derweil Schlimmes. Ihm fehlen laut eigenen Angaben jetzt schon etwa 3.000 Euro. Wie groß darüber hinaus der Schaden in der Wohnung ist, wisse er nicht. Es sei aber möglich, dass er die Küche sowie das ohnehin frisch renovierte Zimmer des 30-Jährigen erneuern muss.

Der Anwalt des Vermieters will durch ein Versäumnisurteil die Räumung durchsetzen. Doch diese könnte sich bei Einspruch des Mieters ziehen. Immerhin: Der 30-Jährige kündigte an, ohnehin ausziehen zu wollen.

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