Politik stellt Weichen für Neubau: In 36 Minuten von Bielefeld nach Hannover

Matthias Bungeroth

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ICE im Bielefelder Hauptbahnhof.. - © Sarah Jonek
ICE im Bielefelder Hauptbahnhof.. (© Sarah Jonek)

Bielefeld. Die Politik in Berlin hat die Weichen für einen Neubau der ICE-Trasse zwischen Bielefeld und Hannover gestellt. Das Projekt gehört zu den Topzielen des Masterplans Schiene, den Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) in Berlin vorstellte. Zentraler Bestandteil des Masterplans ist die Umsetzung eines Deutschlandtaktes der Bahn.

Dieser hat zum Ziel, die Nah-, Fern- und Güterverkehre besser aufeinander abzustimmen, die Fahrgastzahlen bis 2030 zu verdoppeln und Zugverbindungen schneller und attraktiver zu machen.

„Ein großer Wurf", kommentiert Rainer Engel, stellvertretender Vorsitzender des Fahrgastverbandes Pro Bahn OWL, das verabschiedete Paket. Denn es sei unter Beteiligung aller wichtigen Institutionen einer ganzen Branche wie DB, private Eisenbahnunternehmen, Gewerkschaften, Fahrgastverbände und vielen mehr entwickelt worden. Auch Pro Bahn war dabei. „Wichtig ist jetzt, dass hinter dem Ausbauprojekt auch die ganze Region steht", appelliert Engel. Denn OWL profitiere vom Ausbau der Ferntrasse. „Das ergibt neue Möglichkeiten, den Nahverkehr zu strukturieren." Andere Bahnexperten sehen auch Möglichkeiten für neue Nahverbindungen. Die Anschlüsse im Fernverkehr werden sich Engels Prognose zufolge verbessern.

Die zuverlässigere Vertaktung der Knoten ist ein Hauptmerkmal des Deutschlandtaktes. Ein Ziel für die ICE-Strecke Köln-Berlin lautet: Die Fahrzeit zwischen Köln und Berlin soll auf vier Stunden verkürzt werden. Dies ist nur erreichbar, wenn die Fernzüge zwischen Hamm, Bielefeld und Hannover ein Tempo von 300 km/h fahren können.

„Das ist mit der Altstrecke überhaupt nicht möglich", sagt Engel. Zwischen Bielefeld und Hannover soll die Fahrzeit des ICE künftig nur noch höchstens 36 statt, wie aktuell, 48 Minuten betragen. „Das geht nur über eine Neubaustrecke, deren Länge wir derzeit noch nicht abschätzen können", sagt Engel. Eines ist für den Bahnexperten mit dieser Grundsatzentscheidung aber klar: „Der Porta-Tunnel ist damit ad acta gelegt." Denn auch er würde keine Durchfahrt mit 300 km/h ermöglichen.

Welche Neubautrasse nun am Ende realisiert werden kann, muss sich zeigen. In der Diskussion steht unter anderem ein neuer Gleiskörper entlang der Autobahn 2, für den sich im vergangenen Jahr Staatssekretär Enak Ferlemann (CDU) mehrfach stark gemacht hatte. Wie auch immer: Für das Planungsverfahren ist eine Bürgerbeteiligung gesetzlich vorgeschrieben, wie Engel betont. Ob sich ein solches Projekt bis 2030 realisieren lässt? „Sportlich" nennt Engel dieses Ziel.

Immerhin steht der Bundesverkehrsminister hinter der Allianz. „Nie war der Schienenverkehr in der Geschichte der Bundesrepublik so wichtig wie heute", so Scheuer. Das ist dem Bund viele Milliarden Euro an Investitionen wert.

Flixtrain fährt durch OWL

Ab Donnerstag, 23. Juli, nehmen die grünen Fernzüge von Flixtrain wöchentlich zehn Mal zwischen Berlin und Köln wieder ihren Betrieb auf. „Auch Düsseldorf, Duisburg, Essen, Dortmund, Bielefeld und Hannover werden direkt zum Neustart angefahren", teilt das Unternehmen mit.
Genutzt wird der Mitteilung zufolge „umfassend renoviertes Wagenmaterial". Es werde auf „ein umfassendes Hygienekonzept" geachtet, das gründliche Reinigung und Desinfektion vor, nach und während jeder Fahrt beinhaltet sowie einen kontaktlosen Check-in.
Flixtrain garantiere „allen Passagieren kostenlos einen Sitzplatz" und sorge damit für geordnetes Einsteigen.

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