Vor 40 Jahren wird Greenpeace Deutschland gegründet - in Bielefeld

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In einer waghalsigen Aktion fahren Greenpeace-Aktivisten 1995 in einem Boot zur Ölplattform Brent Spar, um diese zu besetzen. - © Greenpeace
In einer waghalsigen Aktion fahren Greenpeace-Aktivisten 1995 in einem Boot zur Ölplattform Brent Spar, um diese zu besetzen. (© Greenpeace)

Bielefeld. Wer die Umwelt retten will, braucht Mut, viel Mut. So wie Christian Bussau. Der Meeresbiologe ist ein Aktivist der Organisation Greenpeace Deutschland, die 1995 die Ölplattform Brent Spar besetzte. Motiv: „Shell wollte die riesige Plattform mit 130 Tonnen Ölschlämmen, Schwermetallen und schwach radioaktiven Abfällen einfach in der Nordsee versenken", wie Bussau berichtet.

„Ein Spaziergang war das nicht. Es war eiskalt, wir hatten kaum Wasser, Strom mussten wir mit Generatoren selbst herstellen, und dann wurden wir von Shell-Mitarbeitern und Polizei brutal geräumt", erzählt Bussau in einem neuen Buch. Der Band erzählt die Geschichte von Greenpeace Deutschland, die sich in diesen Tagen zum 40. Mal jährt.

"Da war die Zeit für Greenpeace mehr als reif"

Was kaum jemand weiß: Die Organisation wurde in Ostwestfalen-Lippe gegründet, in Bielefeld. „Da war die Zeit für Greenpeace mehr als reif", erzählt Thomas Henningsen, Pressesprecher von Greenpeace und Koordinator des Buchprojekts. Denn in anderen Ländern gab es Greenpeace zu diesem Zeitpunkt bereits seit fast zehn Jahren.

Ein Engländer und ein Deutscher, so erinnert sich Henningsen, hätten Greenpeace Deutschland in Bielefeld erstmals registrieren lassen. Ein Verein zum Schutz von Robben und Walen sei der Ursprung gewesen.

Das war der Startschuss für eine einzigartige Entwicklung. Denn Greenpeace Deutschland entwickelte sich zur weltweit größten Sektion dieser Organisation. „Aktuell arbeiten rund 300 Frauen und Männer beim deutschen Greenpeace e.V., Tausende Ehrenamtliche sind in mehr als 100 Gruppen bundesweit aktiv, und viele Hunderttausende unterstützen und fördern Greenpeace regelmäßig – allein in Deutschland", sagt Henningsen im Gespräch mit dieser Redaktion.

"Eine ästhetisch arbeitende Umweltorganisation"

Neben dem Mut, den die Aktivisten jeden Tag aufs Neue beweisen müssen, wenn sie sich im Interesse der Natur mit großen Konzernen oder der Politik anlegen, sind es immer wieder Bilder wie die, die bei der Besetzung der Ölplattform Brent Spar entstehen, die entscheidend zum Erfolg der Arbeit von Greenpeace Deutschland beitragen.

Der Soziologe Harald Welzer nennt Greenpeace im Buch „eine ästhetisch arbeitende Umweltorganisation", die wisse, dass man auch aus der Schwäche heraus siegen könne. Zudem sei Greenpeace immer klug genug gewesen, „seinen Aktionismus wissenschaftlich zu hinterlegen". Auch dafür gibt es in dem Buch zahlreiche Beispiele. So wie dieses: "Seit den 1950er-Jahren sind die Fischbestände um die Hälfte zurückgegangen", sagt Bussau dort zum Zustand der Weltmeere.

"Viele Dinge kann man einfach nicht alleine bewegen"

Dennoch würden pro Jahr 80 bis 90 Millionen Tonnen Meeresfisch gefangen. Einige Arten seien akut vom Aussterben bedroht. „Greenpeace fordert, dass bis zum Jahr 2030 mindestens 30 Prozent der Hochsee unter Schutz gestellt werden", schlussfolgert Bussau.
So werden in dem Band, der im Bielefelder Delius Klasing Verlag erscheint, Aktionen, Bilder und Hintergründe von Greenpeace Deutschland aufgearbeitet, die teils in sehr persönlich abgefassten Essays daherkommen und in die Kapitel Feuer, Wasser, Luft und Erde untergliedert sind – „als Symbol für den umfassenden Ansatz im Umweltschutz, den Greenpeace verfolgt".

Beim Lesen wird deutlich, wie ernst die Lage in den Bereichen Klimawandel, Gefahren von CO2, Folgen der Massentierhaltung, Zustand der Meere, Artensterben und vielem mehr ist. Daraus folgt die Erkenntnis: „Viele Dinge kann man einfach nicht alleine bewegen", wie Henningsen sagt. Deshalb versuche Greenpeace heute verstärkt, „Allianzen zu bilden, um das Klima noch herumreißen zu können", wie der Autor weiß. „Hoffnung gibt uns dabei auch das Wachsen, der Wille und die internationale Verknüpfung der jungen Klimabewegung", schreibt er.

"Aufgeben ist keine Option"

Das Buch ist in einem besonders umweltfreundlichen Verfahren produziert worden, so dass das Produkt „zu 100 Prozent in biologische oder technische Kreisläufe zurückfließen könne", wie der Verlag auf Anfrage mitteilt. Auf diese Weise wurde 2019 bereits ein Bildband in Zusammenarbeit mit der Fridays-for-Future-Bewegung hergestellt.

Getreu dem Motto „Aufgeben ist keine Option" wird Greenpeace Deutschland auch künftig auf die Macht der Bilder setzen. Denn die hat schon im Fall der Ölplattform Brent Spar 1995 funktioniert. Die Plattform wurde umweltschonend entsorgt, das Versenken solcher Plattformen im Meer verboten.

Information

Die Daten zum Buch


Titel: „Mut. Wie Greenpeace die Welt verändert hat. 40 Jahre Greenpeace Deutschland.

160 Seiten, 100 Fotos, Format 21 x 28 cm, kartoniert

Preis in Deutschland:
15 Euro

(ISBN 978-3-667-11974-2)

Erschienen im Delius Klasing Verlag, Bielefeld

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