Verzweifelte Suche nach Auto des gestorbenen Sohnes in Bielefeld beendet

Jens Reichenbach

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Wo genau der alte Toyota Corolla steht, weiß die Mutter des Verstorbenen nicht. - © Symbolfoto: pixabay / Creative Commons
Wo genau der alte Toyota Corolla steht, weiß die Mutter des Verstorbenen nicht. (© Symbolfoto: pixabay / Creative Commons)

Bielefeld. Marion Jaspers hat Ende Dezember ihren Sohn (38) verloren – er starb unerwartet und sehr schnell in seiner Wohnung am Mergenthalerweg zwischen Sudbrack und Gellershagen. Ein Schicksalsschlag für die Mutter. Trotz ihrer Trauer muss sie seitdem viel Bürokratie erledigen, die nach dem Tod eines Menschen nun mal nötig wird. Eine eigentlich recht kurze Angelegenheit beschäftigte die Mutter seit zwei Monaten. Vergeblich suchte sie das Auto ihres Sohnes - bis am Freitag endlich der Durchbruch kam.

Der Bielefelder hatte einen 16 Jahre alten, dunkelgrauen Toyota Corolla. Gut zu erkennen an einer rostigen Delle auf der Fahrerseite und an dem amtlichen Kennzeichen. Nur leider schien niemand zu wissen, wo das Fahrzeug seit Ende Dezember stand.

Die ehemalige Bielefelderin, die seit 2008 in Osnabrück lebt, bemühte zahlreiche Aufrufe bei Facebook in verschiedenen Bielefelder Gruppen, um den Wagen ihres Sohnes zu finden. Ihr wurde dabei große Anteilnahme zuteil, aber den Wagen konnten die User trotzdem bisher nicht aufspüren.

Der alte Wagen war nach dem Einkaufen nicht mehr angesprungen

Der Wagen ist gefunden worden! Eine Mitarbeiterin des Supermarktes und drei weitere Bielefelder haben kurz nach Veröffentlichung den Toyota wiederentdeckt. - © Marion Jaspers
Der Wagen ist gefunden worden! Eine Mitarbeiterin des Supermarktes und drei weitere Bielefelder haben kurz nach Veröffentlichung den Toyota wiederentdeckt. (© Marion Jaspers)

„Im letzten Telefonat mit meinem Sohn habe ich erfahren, dass er einkaufen war und dort mit dem Wagen liegen geblieben ist." Der betagte Corolla war damals nicht mehr angesprungen. Statt aber den Pannendienst zu rufen, ging der 38-Jährige wohl zu Fuß mit den Einkäufen nach Hause. „Das war typisch für meinen Sohn", sagt die Mutter. Wo er an jenem Tag im Supermarkt war, weiß niemand.

Es könnte also sein, dass er nicht in Wohnortnähe einen Supermarkt aufgesucht hat. Rund um seine Wohnung war das Fahrzeug nicht zu finden. Auch verkauft wurde es nicht: „Ich habe den Schlüssel und den Fahrzeugschein."

Polizei und Ordnungsamt konnten nicht helfen

Weil der Wagen auf Marion Jaspers Namen angemeldet ist, wäre die Abmeldung des Wagens anschließend kein großer Akt mehr. „Ich will es einfach hinter mich bringen", sagt die Mutter. Doch niemand hatte das alte, schmutzige Auto, das seit gut zwei Monaten niemand mehr bewegt hat, gemeldet. Bei Polizei und Ordnungsamt konnte man ihr nicht helfen.

Sie wandte sich schließlich an die Lokalzeitung und in der Neuen Westfälischen erschien ein Artikel über die Suche nach dem Fahrzeug. Nur wenige Stunden nach Veröffentlichung des Berichts auf nw.de meldete sich die erste Finderin, die sich an einen Wagen dieser Art auf dem Parkplatz des Lidl-Parkplatzes an der Babenhauser Straße erinnern konnte. Noch vor Dienstbeginn um 6 Uhr hatte sie diesen Aufruf gelesen.

Letzte Nachricht vor dem Tod

Noch vor Eintreffen war sich die Angestellte des Supermarktes sicher: "Das ist der Wagen. Das Kennzeichen kenne ich doch", sagte sie. Und tatsächlich: Da war die Beule, das veröffentlichte Kennzeichen stimmte und hinter der Windschutzscheibe stand auf einem Zettel: "Bitte nicht abschleppen. Der Wagen ist einfach ausgegangen. Wird morgen abgeholt."

Tragisch, dass der Besitzer nicht mehr dazu gekommen ist, dies in die Tat umzusetzen. Marion Jaspers jedenfalls war voller Dank für die Hilfe mehrerer Bielefelder, die im Laufe des Tages der Lokalredaktion den Standort des Wagens durchgegeben haben. "Vielen Dank an alle Helfer", sagte Jaspers.

100 Euro für die erste Finderin

Die 100 Euro Finderlohn, die die ausgelobt hatte, stehen der ersten Melderin zu. Die entgegnete: "Darauf kommt es mir gar nicht an." Und so reagierten auch viele andere Melder, die sich nach dem Suchaufruf gemeldet hatten.

Marion Jaspers will gleich für Montag den Abschleppdienst beauftragen, der dann den Wagen vom Lidl-Parkplatz an der Babenhauser Straße abholen lassen soll.

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