Riesige Kinderporno-Plattform gesprengt - Verdächtiger aus Kreis Paderborn

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Eine Polizistin sichtet kinderpornografische Fotos und Videos. - © Arne Dedert/dpa
Eine Polizistin sichtet kinderpornografische Fotos und Videos. (© Arne Dedert/dpa)

Büren/Wiesbaden. Ermittler haben eine der weltweit größten Kinderpornoplattformen im sogenannten Darknet gesprengt. Wie das Bundeskriminalamt (BKA) am Montag in Wiesbaden mitteilte, hatte die Darknetplattform "Boystown" zuletzt mehr als 400.000 Mitglieder. Drei mutmaßliche Verantwortliche und Mitglieder der Plattform aus Deutschland wurden festgenommen. Einer der Hauptbeschuldigten kommt aus Ostwestfalen-Lippe.

Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main - Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) - und das Bundeskriminalamt (BKA) haben Mitte April in einem umfangreichen Ermittlungskomplex wegen des Verdachts der bandenmäßigen Verbreitung kinderpornografischer Inhalte insgesamt sieben Objekte in Nordrhein-Westfalen, Bayern und Hamburg durchsucht und drei mutmaßlich Verantwortliche und Mitglieder einer der weltweit größten kinderpornografischen Darknetplattformen mit der Bezeichnung "Boystown" festgenommen. Zeitgleich erfolgten auf Ersuchen der deutschen Strafverfolgungsbehörden die Durchsuchung und Festnahme eines weiteren mutmaßlichen Bandenmitglieds in der Region Concepción (Paraguay).

Laut Mitteilung der Ermittlungsbehörden existierte die kinderpornografische Plattform "Boystown" seit mindestens Juni 2019 und war ausschließlich über das sogenannte Darknet zu erreichen. Zuletzt zählte sie mehr als 400.000 Mitglieder. Die Plattform war international ausgerichtet und diente dem weltweiten Austausch von Kinderpornografie durch Plattform-Mitglieder, wobei hauptsächlich Missbrauchsaufnahmen von Jungen ausgetauscht wurden. Das Forum der Plattform war dabei in verschiedene Bereiche unterteilt, um eine strukturierte Ablage und ein einfaches Auffinden der kinderpornografischen Inhalte zu ermöglichen.

Unter den geteilten Bild- und Videoaufnahmen befanden sich auch Aufnahmen des schwersten sexuellen Missbrauchs von Kleinkindern. Neben dem Forenbereich existierten zwei angegliederte Chatbereiche, die der Kommunikation der Mitglieder untereinander und dem Austausch kinderpornografischer Missbrauchsaufnahmen von Jungen und Mädchen dienten. Für diesen Zweck waren verschiedene Sprachkanäle eingerichtet, um den Mitgliedern die Kommunikation zu erleichtern.

Einer der Hauptbeschuldigten aus dem Kreis Paderborn
Den Zugriffen im April waren mehrmonatige Ermittlungen im Rahmen einer durch Deutschland initiierten Task Force unter der Koordination von Europol und Beteiligung von Strafverfolgungsbehörden in den Niederlanden, Schweden, Australien, den USA und Kanada vorausgegangen waren, sie richteten sich gegen vier deutsche Staatsangehörige im Alter von 40 bis 64 Jahren.

Bei den drei Hauptbeschuldigten handelt es sich um einen 40 Jahre alten Mann aus dem Kreis Paderborn, einen 49 Jahre alten Mann aus dem Landkreis München und einen 58 Jahre alten, aus Norddeutschland stammenden Mann, der seit mehreren Jahren in Südamerika lebt. Der Mann aus dem Kreis Paderborn war bei einem SEK-Zugriff im April in Büren festgenommen worden. Die Generalstaatsanwaltschaft hatte gegenüber nw.de bestätigt, dass es sich um einen Einsatz im Rahmen eines Ermittlungsverfahrens der zugehörigen Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität handelte.

Administratoren der Darknet-Plattform
Den drei Männern wird vorgeworfen, die kinderpornografische Plattform als Administratoren betrieben zu haben. In dieser Funktion sollen sie maßgeblich mit der technischen Umsetzung der Darknet-Seite, der Einrichtung und Wartung der Serverstruktur und der Mitgliederbetreuung auf der Plattform beschäftigt gewesen sein. Zudem erhielten die Mitglieder der Plattform von ihnen Sicherheitshinweise für das sichere Surfen auf "Boystown", um das Entdeckungsrisiko vor den Strafverfolgungsbehörden zu minimieren.

Gegen den weiteren Beschuldigten, einen 64 Jahre alten Mann aus Hamburg, besteht der Verdacht, sich im Juli 2019 als Mitglied auf "Boystown" registriert zu haben und - als einer der aktivsten Nutzer der Plattform - über 3.500 Beiträge gepostet zu haben.

Die Beschuldigten wurden nach Durchsuchungen ihrer Wohnräumlichkeiten festgenommen und befinden sich aufgrund der Haftbefehle des Amtsgerichts Frankfurt am Main seit Mitte April in Untersuchungshaft. Für den Beschuldigten in Paraguay liegt ein internationaler Haftbefehl des Amtsgerichts Frankfurt am Main vor, auf dessen Grundlage die Auslieferung des Tatverdächtigen nach Frankfurt am Main erfolgen soll. Im Anschluss an die Durchsuchungsmaßnahmen wurden das kinderpornografische Forum "Boystown" und weitere Chatplattformen abgeschaltet.

Mit Informationen der AFP erstellt.

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    Hilfe finden

    Betroffene oder Menschen, die einen Missbrauch vermuten, können sich kostenfrei und anonym an das "Hilfetelefon Sexueller Missbrauch" wenden: 0800-22 55 530. Weitere Infos zu Beratungs- und Hilfeangeboten vor Ort gibt es unter: www.hilfeportal-missbrauch.de

    Kinder und Jugendliche, die Missbrauch erlebt haben, können sich montags bis samstags von 14 bis 20 Uhr an die "Nummer gegen Kummer" (116 111) wenden. Auf www.nummergegenkummer.de gibt es auch die Möglichkeit, mit den Beratern zu chatten.

    Wer sich sexuell zu Kindern hingezogen fühlt oder pädophile Neigungen bei sich vermutet, findet Ansprechpartner beim Projekt "Kein Täter werden" der Berliner Charité. Auf www.kein-taeter-werden.de und unter 030-450 529 450 gibt es kostenlose Informationen. Es gilt die ärztliche Schweigepflicht.

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