Maskenpflicht fällt: So reagieren Edeka und Co. in OWL

Benedikt Riemer

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Die staatlich verordnete Maskenpflicht beim Einkaufen fällt in weiten Teilen Deutschlands weg, wenn die Geschäfte am Montag öffnen - gewisse Schutzvorkehrungen könnten aber bleiben. - © Robert Michael/dpa
Die staatlich verordnete Maskenpflicht beim Einkaufen fällt in weiten Teilen Deutschlands weg, wenn die Geschäfte am Montag öffnen - gewisse Schutzvorkehrungen könnten aber bleiben. (© Robert Michael/dpa)

Bielefeld. Mit dem kommenden Wochenende laufen in Nordrhein-Westfalen und viele anderen Bundesländern ein Großteil der bundesweiten Coronaregeln aus - trotz anhaltender Infektionszahlen. Allein in NRW wurden am Donnerstag knapp 48.000 Neuinfektionen gemeldet. Angesichts dessen sorgt vor allem der Wegfall der Maskenpflicht etwa beim Einkaufen für Kritik. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach appellierte an den Lebensmittel-Einzelhandel, die Maskenpflicht per Hausrecht zu verlängern. Doch die Händler reagieren bundesweit und auch in OWL mehrheitlich nicht im Sinne des SPD-Politikers.

Nach mehreren Handelsketten hat nun auch Edeka angekündigt, die Maskenpflicht ab kommender Woche nicht grundsätzlich aufrechtzuerhalten. "Da fehlen uns die Möglichkeiten der Kontrollen", sagte eine Sprecherin der Supermarktkette. Das Unternehmen empfehle zwar weiterhin beim Besuch der Supermärkte das freiwillige Tragen einer medizinischen Maske, um Kunden und Mitarbeiter zu schützen.

"Leider hat der Gesetzgeber mit der Novelle des Infektionsschutzgesetzes entschieden, dass die Pflicht zum Tragen von Masken nur noch in Ausnahmefällen und in besonderen Hotspots angeordnet werden kann", kritisierte Edeka. "Man kann daher nun nicht erwarten, dass wir mithilfe des Hausrechts weiterhin eine Maskenpflicht durchsetzen."

Andere Hygienemaßnahmen sollen bleiben

Auch Peter Wehrmann, Inhaber mehrerer Edeka-Filialen im Kreis Herford, stellt es seinen Kunden frei, ob sie nach dem kommenden Wochenende mit Maske einkaufen oder nicht. "Wer ohne Maske kommt, wird nicht des Ladens verwiesen. Ich gehe aber davon aus, dass viele Kunden schon aus Gewohnheit weiter eine Maske tragen werden", sagt er. Den eigenen Mitarbeitern empfiehlt Wehrmann zwar dringend eine Maske zu tragen, eine Pflicht wird es aber auch hier nicht geben.

Andere Schutzmaßnahmen wie etwa Plexiglas im Kassenbereich oder Desinfektionsmittelspender am Eingang sollen in Wehrmanns Märkten dagegen beibehalten werden. Ein ähnliches Vorgehen plant auch Thomas Lehr, vom gleichnamigen Marktkauf in Paderborn. "Wir halten uns an die geltende Rechtslage und akzeptieren das so. Irgendwann muss auch ein Stück Normalität einkehren", erklärt er. Lehr will zumindest seinen Mitarbeitern zunächst für zwei Wochen das Tragen einer Maske empfehlen. Dann wolle er die Situation neu analysieren.

Auch im Bielefelder Shoppingcenter Loom wird man nicht von seinem Hausrecht Gebrauch machen. "Wir halten uns an die gesetzlichen Vorgaben. Andernfalls würden wir unsere Mieter bevormunden", sagte Centermanager Jan Tangerding. Eigenen Desinfektionsspender werde das Center weiter zur Verfügung stellen, in den jweiligen Geschäften seien dann die Mieter selbstverantwortlich.

Thomas Kunz, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes OWL, sieht den Wegfall der Maskenpflicht durchaus mit gemischten Gefühlen. "Bei den hohen Fallzahlen ist das schon schwierig, auch wenn der Handel sicher unter den Maßnahmen gelitten hat", erklärt er. Kunz appelliert deshalb an die Vernunft der Kunden. "Jeder ist jetzt für sich selbst verantwortlich." Ein Wegfall der Maskenpflicht sei nicht gleichzusetzen mit einem Maskenverbot. Wie viele Einzelhändler die Pflicht zum Tragen einer Maske tatsächlich entfallen lassen, ist aus Kunz' Sicht nur schwer einschätzbar. "Im Detail weiß ich es nicht, weil es auch für uns eine noch nicht da gewesenen Situation ist."

Hotspots in zwei Bundesländern vorgesehen

Der Möbelhändler Ikea und die Bekleidungskette Ernsting's Family wollen ab Montag ebenfalls die Maskenpflicht aufheben, empfehlen aber ihren Besuchern, weiterhin den Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Bei der Kaufhauskette Woolworth und der Buchhandelskette Thalia müssen Kunden ab kommender Woche auch nicht mehr grundsätzlich Maske tragen.

Lidl und Rewe machten am Donnerstag ebenfalls deutlich, dass die Kunden bei ihnen bald nicht mehr zum Mund-Nase-Schutz greifen müssen. Sollten staatliche Vorgaben „die Aufhebung der Maskenpflicht für Kunden vorsehen, werden wir diesen folgen", teilte die Schwarz-Gruppe mit, zu der Lidl und Kaufland gehören. Rewe kündigte über einen Sprecher an, die "von den Behörden gemachten Anordnungen entsprechend umzusetzen". Dies sei in den Märkten bereits seit Beginn der Pandemie gelebte Praxis und werde auch bei den neuen Beschlüssen so bleiben. Die Schutzvorrichtungen und Abstandsmarkierungen in den Kassen-Thekenbereichen sowie Desinfektionsstationen sollen laut Rewe-Sprecher über den 2. April hinaus erhalten bleiben. Dies gelte auch für die Baumarktkette Toom, die ebenfalls zum Konzern gehört und die Discount-Tochter Penny.

Gleiches ließ die Kette dm Drogeriemarkt verlautbaren. "Wir werden – wie seit Beginn der Pandemie – die jeweils geltenden gesetzlichen Verordnungen in unseren dm-Märkten umsetzen und unsere Hygienekonzepte entsprechend anpassen", erklärte Geschäftsführer Christian Harms. Konkurrent Rossmann äußerte sich auf Anfrage wie folgt: "Wir beobachten die Entwicklungen in den einzelnen Bundesländern und werden bei entsprechender Verordnung, die geforderten Maßnahmen umsetzen."

Nach dem geänderten Infektionsschutzgesetz sind den Ländern ab diesem Sonntag nur noch wenige Alltagsvorgaben zu Masken etwa in Kliniken und Pflegeheimen möglich. Weitergehende Auflagen auch mit Maskenpflichten im Handel können sie in regionalen Hotspots verhängen, wenn das Landesparlament für diese eine drohende kritische Corona-Lage feststellt. Vorerst sind solche Hotspots aber nur in Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg vorgesehen.

Mit Material der dpa.

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