OWL kann die 30-Grad-Marke knacken - Saharastaub im Anflug

Wiebke Wellnitz

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Die nächsten Tagen werden in OWL besonders warm. - © Pixabay
Die nächsten Tagen werden in OWL besonders warm. (© Pixabay)

Bielefeld. Fühlte sich das Wochenende schon wie Sommer an, wird das Gefühl am Mittwoch und Donnerstag noch einmal getoppt. Der Deutsche Wetterdienst sagt für NRW Höchstwerte zwischen 28 und 32 Grad voraus. Auch in OWL wird die Hitze zu spüren sein - vor allem in den Städten. Derweil hinterlässt Saharastaub in den kommenden Tagen wieder Spuren in der Region.

"Wir kommen in den nächsten Tagen an den Rand dessen, was möglich ist", betont der Lübbecker Diplom-Meteorologe Friedrich Föst. Flächendeckend werde es nicht heißer als 30 Grad, sondern pendele sich bei etwa 28 oder 29 Grad ein. "Aber in den Innenstädten wie Bielefeld, Herford oder Minden kann es die 30 Grad durchaus geben."

Und auch die Nächte versprechen keine Abkühlung. Vor allem in der Nacht zu Donnerstag werde es warm, es werde kaum kühler als 20 Grad. Tropische Nächte seien das noch nicht, aber: "Es wird sich richtig warm anfühlen, das wird muckelig, gerade in Dachgeschosswohnungen", sagt Föst.

Mai ist deutlich zu warm

Diese Temperaturen seien für Mai deutlich zu warm. Normal wären Werte zwischen 16 und 17 Grad, derzeit seien es mehr als zehn Grad oben drauf. "Das ist eine Hausnummer und nichts, was wir jedes Jahr haben", so der Meteorologe. Selbst in den Jahren mit heißen Sommern wie 2019 und 2020 sei der Mai nicht dermaßen warm gewesen. "2019 war der Mai sogar eher kalt. Statisch lässt sich also kein Zusammenhang zwischen einem warmen Mai und einem heißen Sommer herstellen."

Mit Blick auf die grundwasserführenden Bodenschichten wäre regelmäßiger Regen im Sommer und zwischendurch kühlere Temperaturen sogar dringend nötig. "Gestern hat es zwar ordentlich gegossen und das hilft ein bisschen. Aber die tieferen Schichten haben davon nichts abbekommen, die sind weiterhin viel zu trocken", führt Föst aus. Wichtig sei kein Gewitterguss, sondern über mehrere Tage anhaltender Regen. "Wir benötigen einen gleichmäßigen Landregen, damit etwa zehn Liter pro Quadratmeter täglich möglich werden", so Föst.

Der feuchte Sommer im vergangenen Jahr sei Balsam auf die Seele der Natur gewesen. Die Bäume hätten keinen permanenten Trockenstress aushalten müssen, durch kühlere Temperaturen sei auch weniger Wasser verdunstet.

Saharastaub auf dem Weg nach OWL

Doch mit Blick auf die Wetteraussichten ist ein andauernder Regen derzeit unwahrscheinlich. Donnerstagabend und in der Nacht zu Freitag könne es in OWL allerdings wieder gewittern - und Sand regnen. Wie der europäische Atmosphärendienst Copernicus mitteilt, bewegt sich derzeit eine große Saharastaubwolke über den Atlantik in Richtung Westen. Sie dürfte demnach bereits in diesen Tagen die Karibik erreichen.

Ausläufer seien am kommenden Wochenende auch auf der Iberischen Halbinsel und in Teilen Westeuropas zu erwarten, hieß es nach Angaben der "Deutschen Presse Agentur" in der Mitteilung weiter. Doch schon jetzt ist der Staub auch in OWL bemerkbar. "Man sieht den Staub, wenn man genau in den Himmel schaut. Der ist nicht ganz knallig blau", sagt Föst. Der Himmel sei durch den Sand etwas eingetrübt - allerdings sei das eher marginal und für den Laien kaum zu erkennen.

Hohe Sandkonzentration

"Der Aha-Effekt kommt dann erst, wenn die Autos wieder eingesaut sind", so Föst. Aber dafür müsse es regnen, damit der Staub aus der Luft gewaschen werde. Und das könnte am Donnerstag und Freitag passieren. Wo genau Gewitter zu erwarten seien, könne derzeit noch nicht mit Bestimmtheit vorausgesagt werden.

Der Atmosphärendienst Copernicus verzeichnete in diesem Jahr bereits hohe Mengen an Sahara-Sand, die über das Mittelmeer in Teile Europas transportiert wurden und in OWL für dreckige Fenster, Gartenmöbel und Fenster sorgten. "Die Sandkonzentration war ganz ordentlich", sagt Föst. Ob diese Mengen an Sand nun häufiger auf OWL herabregnen würden, könne er jedoch nicht sagen.

Dass der Saharasand sich rund um den Globus verteile, sei ein alter Hut. Das Phänomen könne mehrfach im Jahr auftreten. "Durch die großen Umwälzungen in der Atmosphäre findet man selbst in Grönland Saharastaub", erklärt der Meteorologe. Auch andere Sande aus anderen Wüsten würden auf diese Weise in andere Teile der Welt gelangen.

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