Nachwuchs bei den Löhner Störchen

Felix Eisele

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Nachwuchs bei den Löhner Störchen - © Marion Schröder
Nachwuchs bei den Löhner Störchen (© Marion Schröder)

Löhne. Aller guten Dinge sind drei. Und auf die Löhner Blutwiesenstörche trifft diese Weisheit momentan gleich mehrfach zu. Kalli und Lotti, wie die beiden Vögel genannt werden, sind nämlich nicht nur zum dritten Mal in Folge in die Werrestadt zurückgekehrt – sie haben auch im dritten Jahr wieder für Nachwuchs gesorgt. Dass sie sich auch bei der Zahl der Jungtiere treu geblieben sind, überrascht da kaum: Drei kleine Küken bewohnen seit Kurzem den Storchenhorst im Naturschutzgebiet. Sehr zur Freude etlicher Beobachter.

Die nämlich haben schon fast sehnsüchtig auf diesen Moment gewartet. Nachdem sich Kalli im Februar durch Wind und Sturm den Weg nach Löhne gebahnt hatte und seine Gefährtin Lotti einige Tage später folgte, war bei den Löhner Storchenfreunden bereits Hoffnung aufgekeimt. Dass sich die beiden Vögel in der Werrestadt offensichtlich wohl fühlen, wurde dabei als gutes Zeichen gewertet. Ebenso wie die Tatsache, dass auch in den Vorjahren jeweils Küken geschlüpft waren.

Wasser für die Storchenküken - © Karin Take
Wasser für die Storchenküken (© Karin Take)

32 Tage bis zum ersten Schlupf

Erst einmal musste jedoch Geduld aufgebracht werden. Denn bis zum Nachwuchs, so viel war sicher, würde noch einige Zeit ins Land streichen. „Im ersten Jahr war ihr Nachwuchs Anfang Mai geschlüpft, im vergangenen Jahr erst Ende Mai“, weiß Storchenfreundin Marion Schröder zu berichten. Sie war es auch, die schließlich Ende März die freudige Entdeckung machte und die Störche beim Brüten beobachtete. Vor dem Hintergrund, dass in der Regel etwa 32 Tage bis zum ersten Schlupf vergehen, ging man schließlich von einem Geburtstermin am 1. oder 2. Mai aus. Die Vorfreude wuchs, gleichzeitig aber auch die Sorge vor neuen Kälteperioden.

Die blieben zwar weitgehend aus, Zweifel aber kamen zwischenzeitlich dennoch auf. Noch Ende April nämlich deutete nichts auf einen Schlupf. „Dass die Störche kein zusätzliches Futter ins Nest bringen, ist schon ein Zeichen dafür, dass noch keine Küken da sind“, berichteten Beobachter. Nur wenige Tage später sah die Sache aber schon anders aus. „Anfang Mai hatte Lotti sichtlich einen freudigen Tag“, beschreibt Marion Schröder ihren ersten Verdacht auf einen erfolgten Schlupf. „Sie hat immer wieder etwas aus dem Nest gepickt und war auch sehr unruhig. Beide Störche standen oft gemeinsam im Horst und schauten ins Nest.“ Dass sie dabei die Geburt ihrer Kinder beobachteten, ist nicht unwahrscheinlich.

Hoffen auf das Überleben

Dennoch sollten noch einige Tage vergehen, bis die Löhner Storchenfreunde Gewissheit hatten. Am 7. Mai war zwar noch immer nichts zu sehen, vieles deutete gleichwohl auf Nachwuchs hin. „Bis man ein Köpfchen oder Schnäbelchen sehen kann, vergehen manchmal einige Tage. Je nachdem, wie tief die Kuhle im Nest ist, in der die Küken liegen“, sagt Schröder. Und sie sollte Recht behalten: Schon am 9. Mai wurde das erste Küken gesichtet und fotografisch festgehalten, das zweite folgte am 12. Mai und kurz darauf sogar noch ein drittes.

Nun hoffen die Storchenfreunde, dass der Nachwuchs überlebt. Sicher scheint das bei einem Blick in den Kreis Herford nicht: In Hiddenhausen sind vor Kurzem sämtliche Storchenküken verstorben, in Enger wurde eines vom eigenen Vater verspeist. Aus anderen Kommunen wurde berichtet, dass Küken aus dem Nest gestoßen wurden. „Das hatten wir auch schon und das kann auch wieder passieren“, sagt Marion Schröder. „Das machen die Eltern bei zu kleinen Küken, oder wenn abzusehen ist, dass sie nicht in der Lage sind, alle Küken zu ernähren.“ Das sei insbesondere in Trockenperioden der Fall. Und eine solche hat auch die Löhner Störche bereits heimgesucht, als Mitte Mai sogar der Brutstorch kurzzeitig sein Nest verließ. „Das kommt sehr selten bei Störchen vor, denn sie lassen ihren Nachwuchs normalerweise nicht allein im Nest, außer bei größter Gefahr“, sagt Schröder. Der Verdacht bestätigte sich, als der Vogel mit Wasser im Schnabel für die Küken zurückkehrte.

Infotafeln sollen folgen

Im vergangenen Jahr hatten Lotti und Kalli zwei Küken zur Welt gebracht, das erste war jedoch schon kurz nach der Geburt verstorben – vermutlich als Folge einiger kalter und nasser Nächte. Zwei Wochen später kam auch das zweite unter mysteriösen Umständen ums Leben. Im ersten Jahr war den Löhner Störchen hingegen mehr Glück beschieden: Von vier Küken hatten drei überlebt und waren mit ins Winterquartier gezogen.

Die Storchenfreunde Löhne suchen nach eigenen Angaben noch eine Tischlerei, die kurzfristig Infotafeln für die Blutwiese bauen kann. Auf einer sollen allgemeine Infos über den Weißstorch dargestellt, auf der anderen die Daten aller Löhner Störche aufgelistet werden. „Es wäre sehr schön, wenn sich eine Tischlerei finden würde, welche uns solch eine Doppeltafel herstellen könnte“, sagt Schröder. Interessenten können sie unter Tel. (0 57 32) 9 11 91 80 oder per E-Mail an marynett@gmx.de erreichen.

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