Ermittler hoffen nach verheerendem Brand im Golden Tulip Hotel auf Videos

Jens Reichenbach

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Der Blick aus der Drohne auf das zerstörte Dach des Golden Tulip Hotels (ehemals Mercure) macht das Ausmaß der Zerstörung deutlich. - © Feuerwehr Bielefeld
Der Blick aus der Drohne auf das zerstörte Dach des Golden Tulip Hotels (ehemals Mercure) macht das Ausmaß der Zerstörung deutlich. (© Feuerwehr Bielefeld)

Bielefeld. Am Tag nach dem Großbrand im Dachstuhl des Golden Tulip Hotels in der Bielefelder Altstadt wird das Ausmaß der Zerstörung immer deutlicher sichtbar. Bis kurz vor Mitternacht war die Feuerwehr noch mit den kräftezehrenden Lösch- und Nachlöscharbeiten beschäftigt. Gut 160 Einsatzkräfte von Berufsfeuerwehr und insgesamt 14 Löschabteilungen der Freiwilligen Feuerwehr leisteten am Mittwoch beeindruckende Arbeit. Am Donnerstag gehen nun die Ursachen-Ermittlungen los.

Wie Polizeisprecher Fabian Rickel mitteilte, waren die Brandermittler der Kripo bereits in dem beschlagnahmten Gebäude. Nachdem die ersten Ermittlungen - wie erwartet - in dem völlig ausgebrannten Dachgeschoss keine eindeutige Brandursache haben erkennen lassen, wurde nun ein Brandsachverständiger bestellt. Somit bleibt weiterhin unklar, ob womöglich ein technischer Defekt das Feuer ausgelöst hat. "Wir hoffen, dass wir schon in Kürze mit dem Experten den Brandort aufsuchen können", sagt Rickel.

Außerdem bittet die Kriminalpolizei Zeugen, ihre Videoaufnahmen vom Ausgangsstadium des Brandes als Beweismittel zur Verfügung zu stellen. Offensichtlich geht es um Hinweise nach dem Brandherd, von dem aus das Feuer sich ausgebreitet hat. Zeugen und Video-Filmer können sich beim Kriminalkommissariat 11 melden unter Tel. (0521) 54 50.

Hotelzimmer und Parkgarage sind begehbar

Gute Nachricht: "Die Brandermittler haben auch die unteren Geschosse des Hotels in Augenschein genommen und haben grünes Licht für die Hotelgäste gegeben." Das heißt, dort herrscht keine akute Gefahr. Die 29 Betroffenen, die am Mittwoch Hals über Kopf aus ihren Zimmern flüchten mussten, können nun in Absprache mit der Hotelleitung in ihre Zimmer zurückkehren, um kurz ihre Habseligkeiten zu holen.

"Das Gleiche gilt auch für die Tiefgarage", sagt Rickel. Nach Ansicht der Behörden bestehe rund um das Gebäude keine Gefahr mehr, weil alle losen Dachpfannen noch am Vorabend vom Dach geholt worden seien. Rickel: "Es besteht keine Gefahr mehr, dass Dachpfannen herunterstürzen." Deshalb sei es seit dem Mittag möglich, die gut 250 Autos aus der Tiefgarage zu holen. Weil aber immer noch andere Teile von der Brandruine herabstürzen können, so Rickel, bleibt die Sperrung der Straße Waldhof noch bestehen. Am Morgen hatte das Flatterban zahlreiche Autofahrer zum Wenden vor der Pizzeria "L'Osteria" gezwungen. Den ganzen Tag über weichen seitdem die Verkehrsteilnehmer nun über die Klasingstraße aus.

Stadt errichtet Bauzaun

Update, 14.50 Uhr: Wie Stadtsprecherin Kristina Beermann mitteilte, war nach der ersten Besichtigung durch das Bauamt noch am Brandtag die Untere Bauaufsicht auch am Donnerstag vor Ort. Das Ergebnis dieser Begehung: "Die Räumlichkeiten dürfen zum jetzigen Zeitpunkt nicht genutzt werden." Dafür wird nun eine Verfügung vorbereitet. Außerdem wird der Bereich rund um das Gebäude abgesperrt, um eine akute Gefährdung für Nachbarn und die Öffentlichkeit auszuschließen.

Waldhof und Neustädter Straße bleiben zu

Sperrungen: Die Neustädter Straße wird demnach auf Höhe des Hotels vollständig gesperrt bleiben. Auch die Straße am Waldhof bleibt weiterhin geschlossen, lediglich der Gehweg auf der gegenüberliegenden Seite bleibt frei. In der Straße Welle bleiben die Arkaden für Fußgänger offen. Der offene Bereich der Fußgängerzone an dieser Stelle ist aber weiterhin gefährlich. Beermann: "Zunächst muss die akute Gefahrensituation beseitigt werden, so dass zum Beispiel keine Dachpfannen herunterfallen können. Dafür steht das Bauamt in Kontakt mit dem Eigentümer, dem die Sicherung des Gebäudes in Absprache mit dem Bauamt obliegt."

In einem weiteren Schritt soll nun ein Sachverständiger das Gebäude auf weitere Nutzbarkeit hin überprüfen, so die Sprecherin. Hierbei geht es um die Statik, die elektrischen Anlagen und die Brandmeldeanlagen, die es zu überprüfen gelte.

Die Gastronomie kann weitermachen

Gute Neuigkeit: Die Gastronomie im Umfeld des Hotels darf nach aktuellem Stand weiter betrieben werden.

Die exakte Höhe des Sachschadens kann unterdessen noch nicht beziffert werden. Die Behörden gehen von einem Millionenschaden aus. Je nach den Schädigungen in den unteren Geschossen könnte die Summe noch deutlich variieren. Wie berichtet, drang ein Teil des Löschwassers vom Dach durch sämtliche Geschosse bis hinunter in die Tiefgarage ein.

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