Verzweifelt: Bielefelder Großfamilie sucht neues Zuhause

Phyllis Frieling

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Noch wohnt die Familie in einem Haus mit Garten in Stieghorst. Ein bezahlbares Zuhause finden sie im Umkreis nicht, Wohnungen sind zu klein. - © Andreas Zobe
Noch wohnt die Familie in einem Haus mit Garten in Stieghorst. Ein bezahlbares Zuhause finden sie im Umkreis nicht, Wohnungen sind zu klein. (© Andreas Zobe)

Bielefeld. 1400 Euro für sieben bis acht Zimmer: Das war schon vor den aktuellen Krisen und Preissteigerungen kaum machbar. Für Familie Wenig wird das jetzt zum Problem. Sie muss zum 31. Dezember ausziehen: Die neuen Eigentümer haben Eigenbedarf angemeldet.

Das Zuhause der Wenigs sei kurzfristig verkauft worden, sagt Stefanie Wenig. Die zehnfache Mutter hat zwar einen Anwalt eingeschaltet. "Ich möchte den Stress mit dem Gericht aber nicht." Sieben ihrer Kinder wohnen bei ihr, dazu Hund, Katze, Fische und Schildkröte: Keine leichte Aufgabe, ein neues Zuhause zu finden. Und dann auch noch im Umkreis von Stieghorst.

"Ich möchte meine Kinder nicht wieder aus ihrer Umgebung herausreißen", sagt die Mutter. Denn erst vor dreieinhalb Jahren war die Familie in ihr jetziges Zuhause eingezogen. Vier ihrer Kinder gehen zur Schule, eins zur Kita. Ihr 20-jähriger Sohn hat eine nahe gelegene Arbeitsstelle, die Familie kein Auto. "Wir sind auf Bus und Bahn angewiesen." Ein Haus auf dem Land komme darum nicht in Frage.

"Die Häuser, die wir bräuchten, werden verkauft"

Nach Wohnungen und Häusern habe sie sich bereits umgeschaut. "1.500 Euro kalt sind zu teuer, das bekomme ich vom Amt nicht bewilligt", sagt Wenig. Die Miete dürfe inklusive Nebenkosten rund 1.400 Euro nicht übersteigen. "Das findet man hier nicht. Die Häuser, die wir bräuchten, werden verkauft." Das ist für ihre Familie aber nicht zu stemmen.

"Die Britenhäuser sind alle weg und selbst wenn nicht, wären sie für uns zu klein", sagt die Mutter. Sie sei "wie wild am Suchen", doch werde nicht fündig. "Es wird kritisch", so Wenig, der nur noch bis zum Jahresende bleibt, bis das Haus geräumt sein muss. Die Kündigung sei rechtskräftig. "Ich möchte es nicht drauf ankommen lassen."

Jobcenter schlägt zwei Wohnungen vor

Im Jobcenter hätte eine Mitarbeiterin vorgeschlagen, als Notlösung zwei nebeneinanderliegende Wohnungen anzumieten. "Wie soll das funktionieren?", fragt Wenig. Aufteilen wolle sie ihre Familie nicht. Außerdem seien kinderreiche Familien in vielen Wohnungen nicht gern gesehen, ein Haus besser geeignet.

"Uns ist eine stabile Wohnsituation unserer Kundinnen und Kunden besonders wichtig, da diese eine wesentliche Grundlage für alle weiteren Schritte in Qualifizierung und Arbeit ist", sagt Jobcenter-Pressesprecher Ralph Lauhoff-Baker. Droht der Verlust der Wohnung, schalte das Jobcenter deshalb die Fachstelle für Wohnungserhalt der Stadt Bielefeld ein. Ist die Rechtmäßigkeit der Kündigung wegen Eigenbedarfs unklar, übernimmt das Jobcenter ein Jahr die Mitgliedschaftskosten im Mieterschutzbund. "Bei der Höhe der Kaltmieten, die übernommen werden können, sind wir an die Richtlinien der Stadt Bielefeld gebunden", so Lauhoff-Baker.

Familie Wenig fürchtet derweil den 31. Dezember. "Ich möchte meine Kinder nicht verlieren, wenn ich auf der Straße lande", sagt Wenig besorgt.

Wer eine passende Immobilie vermieten oder einen Kontakt zu potenziellen Vermietern herstellen möchte, kann eine E-Mail an bielefeld@nw.de schicken.

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