Schwere Vorwürfe gegen insolventen Bauträger aus Oerlinghausen

Anwalt spricht von Betrug

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Bielefeld. Mehrere Familien, die in einen neuen Wohnkomplex in Bielefeld-Sennestadt ihr gesamtes Geld investiert haben, sind finanziell ruiniert und mit ihren Nerven am Ende. In den letzten zwei Jahren haben sie einen regelrechten Albtraum erlebt. Ihr neues Domizil wurde nicht fertiggestellt. Obwohl es große Mängel aufwies, mussten die Käufer dort mangels Alternativen schließlich in halbfertigem Zustand einziehen.

Wie berichtet, hatte der Bauträger, eine Immobilienfirma aus Oerlinghausen, Insolvenz angemeldet. Jetzt liegen allerdings Sachverständigengutachten vor, die eindeutig dafür sprechen, dass der Bauträger die Käufer über den Tisch gezogen hat. Der Sachverständige Wolfgang Hageresch, Mitglied der Ingenieurkammer Bau NRW, war vom Bielefelder Landgericht mit der Erstellung von Gutachten zu den Eigentumswohnungen beauftragt worden.

Hageresch hat nicht nur zahlreiche Mängel an dem Gebäudekomplex festgestellt. Er hat in seinen Expertisen auch nachgewiesen, dass "der anteilige Verkehrswert des aktuellen Bautenstands" bei den Eigentumswohnungen nur knapp 104.000 Euro beträgt, obwohl der Bauträger von den Käufern bereits 150.000 beziehungsweise 180.000 Euro erhalten hat.

"Dieser Mann hat uns ruiniert"

Wegen dieses eklatanten Missverhältnisses müsse die Staatsanwaltschaft den Fall überprüfen, fordert Rechtsanwalt Bert Upmann, der in dem Wohnkomplex mehrere Parteien vertritt. Nach Angaben von Upmann darf ein Bauträger von Käufern nur Ratenzahlungen in einer Höhe abfordern, die dem erreichten Baufortschritt entsprechen. Andernfalls handele er gegen die gesetzlichen Vorschriften. Falls der Bauträger das Geld ohne adäquaten Baufortschritt kassiere, mache er sich eines Betruges schuldig.

Auf der Basis der Sachverständigengutachten könnten die Käufer den verantwortlichen Geschäftsführer der Immobilienfirma nun auch persönlich auf Schadensersatz verklagen, sagt Upmann. Zunächst aber müssen sie gerichtlich durchsetzen, dass sie ins Grundbuch eingetragen werden. Auch das wurde ihnen vom Bauträger verweigert, weil dieser darauf beharrte, dass er noch weitere finanzielle Ansprüche gegen die Käufer habe. "Dieser Mann hat uns ruiniert", schimpft die Erzieherin Andrea Lang (55), die in dem Neubaukomplex ebenfalls eine Wohnung gekauft hatte.

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