Erneuerung der OWL-Bahnhöfe erhitzt die Gemüter

Bericht des Verkehrsverbundes NWL beklagt schleppende Modernisierung / Bahn weist Vorwürfe zurück

VON MATTHIAS BUNGEROTH

Bahnhofsstreit erhitzt Gemüter - © OWL
Bahnhofsstreit erhitzt Gemüter (© OWL)
Bielefeld. Die Kritik ist durchaus deutlich: Bei der Erneuerung der Bahnhöfe in der Region liegt einiges im Argen. Das meint zumindest der Nahverkehrsverbund Westfalen-Lippe (NWL). In seinem ersten Bahnhofsentwicklungsbericht lobt der NWL zwar das aktuelle Modernisierungsprogramm, bemängelt aber auch Defizite beim Ausbau der Barrierefreiheit und der Fahrgastinformation. Das Bahnunternehmen Station & Service weist dies zurück.

"Das ist kein Jubelbericht", sagte NWL-Sprecher Uli Beele im Gespräch mit dieser Zeitung. Die Umsetzung der Modernisierungsmaßnahmen laufe oft schleppend, "weil die Bahn nicht genug Planungsbüros auftun kann, um das Feintuning vorzunehmen", so Beele. Nicht zuletzt deshalb erfüllten viele Bahnhöfe in Westfalen-Lippe immer noch nicht die Kriterien der Barrierefreiheit.

Ein Fahrgasttest habe zudem schlechte Noten für die Fahrgastinformation ergeben. Sie sei entweder veraltet, oder es gebe sie schlicht gar nicht, so der NWL-Sprecher. "Ziemlich viele Bahnhöfe" seien von diesem Problem betroffen. "Das ist ein grundsätzliches Thema."

Der unterirdische Zugang zu den Bahnsteigen auf dem Bahnhof Löhne ist vor allem für Frauen sehr angsteinflößend. - © FOTO: CAROLIN NIEDER-ENTGELMEIER
Der unterirdische Zugang zu den Bahnsteigen auf dem Bahnhof Löhne ist vor allem für Frauen sehr angsteinflößend. (© FOTO: CAROLIN NIEDER-ENTGELMEIER)

Kritik, die Martin Sigmund, Leiter des Regionalbereichs West bei DB Station & Service, so nicht im Raum stehen lassen will. "Wir unterhalten das größte Rahmenprogramm für Bahnhöfe, das es bundesweit gibt", sagte Sigmund dieser Zeitung. 400 Millionen Euro würden in die Modernisierung der Stationen gesteckt. Im kommenden Jahr würden 20 Bauprogramme beginnen, darunter 10 im Bereich des NWL. "Wir erkennen an, dass es einen Bedarf gibt", so Sigmund.

Die Kritik an den neuen Fahrgastinformationsanlagen "wundert mich sehr", sagte Sigmund. Der dynamische Schriftanzeiger mit laufendem Schriftband sei "ein Quantensprung". Die Anzeige gebe im Normalfall die Uhrzeit wieder, bei Verspätungen eine Nachricht, die auch in gesprochene Sprache umgesetzt werden könne. "Ein Blinder hört sie und ein Gehörloser sieht sie", so Sigmund. Die Akustikversion werde an einigen Stationen aber erst im Frühjahr 2013 aktiviert.

"Heute haben wir an einigen kleineren Stationen keine aktuellen Informationen bei Fahrplanabweichungen", so Sigmund. Bei der zuverlässigen Mitteilung von Verspätungen sei Station & Service auf die Zulieferung der fahrenden Unternehmen angewiesen. "Das tun die aber nicht immer." Sigmund appelliert deshalb an den NWL, "die Vertragspartner an die Hand zu nehmen und sie anzuhalten, für Infos zu sorgen". Mittelfristig soll das System an allen Stationen eingeführt werden.

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