Muslimischer Junge von Paderborner Schule abgelehnt

Paderborn diskutiert über katholische Bekenntnisschulen / Landesregierung arbeitet an Gesetzesänderung

VON ANNIKA FALK

Muslimischer Junge von Schule abgelehnt - © Paderborn
Muslimischer Junge von Schule abgelehnt (© Paderborn)

Paderborn. Während sich die wenigen katholischen Grundschulen in Städten wie Bielefeld und Minden großer Beliebtheit erfreuen, haben Paderborner Eltern in den meisten Stadtteilen keine Wahl: 15 der 24 Grundschulen sind Bekenntnisschulen. Unterschreiben Eltern nicht, dass ihr Kind den katholischen Religionsunterricht und den Gottesdienst besucht, kann das die Ablehnung bedeuten, wie es ein muslimischer Junge erlebt hat.

Als einziges Bundesland - neben Teilen Niedersachsens - beharrt Nordrhein-Westfalen auf Bekenntnisschulen. Diese Schulen sind zwar staatlich, werden zu 100 Prozent aus Steuergeldern finanziert und - anders als beispielsweise kirchliche Privatschulen - von den Kommunen getragen. Aber sie haben ein eindeutiges Bekenntnis: Schulleitungen müssen der Religion angehören und Schüler sich zum Glauben bekennen.

In Paderborn ein aktuelles Konfliktfeld, nachdem eine Schule ein muslimisches Kind abgelehnt hat. - © FOTO: DPA
In Paderborn ein aktuelles Konfliktfeld, nachdem eine Schule ein muslimisches Kind abgelehnt hat. (© FOTO: DPA)

Selbst das katholische Bayern hat diese Schulen bereits 1968 abgeschafft. In NRW aber war im Schuljahr 2011/12 noch mehr als ein Drittel aller 3.086 öffentlichen Grundschulen konfessionell gebunden - 946 katholisch, 100 evangelisch und zwei jüdisch. Doch längst sieht die Gesellschaft anders aus: 38 Prozent der Kinder sind katholisch, 26 Prozent evangelisch, 15,3 Prozent muslimisch, vier Prozent jüdisch sowie syrisch-orthodox, 15,3 Prozent gehören keiner Konfession an.

Paderborn tradionell katholisch

Paderborn ist traditionell eine katholische Stadt. "Ich habe nichts dagegen, dass nach den Grundsätzen des katholischen Glaubens unterrichtet wird", sagt der betroffene Vater, der namentlich nicht genannt werden möchte. Doch er hat etwas gegen den Zwang, pocht auf Religionsfreiheit und freie Schulwahl.

Gegen die Ablehnung will er sich rechtlich wehren. Denn sein Sohn muss nun mit dem Bus einen weiten Schulweg auf sich nehmen, wird von seinen Kindergartenfreunden getrennt - nur weil sie nicht die gleiche Konfession haben. Dabei spiegelt die Übermacht der katholischen Schulen selbst in der Domstadt nicht mehr die gesellschaftliche Realität wider: An der betreffenden Schule sind 60 Prozent der Kinder nicht katholisch.

Zwar kann eine Bekenntnisschule in eine Gemeinschaftsschule umgewandelt werden, dafür braucht es aber eine Zwei-Drittel-Mehrheit aller Eltern - eine Hürde, an der viele Initiativen scheitern. Trotzdem wagen immer mehr diesen Schritt. Im vergangenen Schuljahr wurden allein in Köln drei Grundschulen umgewandelt. Die Schulleiterstellen hätten sonst - aus Konfessionsgründen - nicht mehr besetzt werden können.

Stadt hat reagiert
Die Stadt Paderborn hat jetzt reagiert, will den rigiden Anmeldebogen für die Schulen überarbeiten. Das Problem lässt sich aber auf kommunalpolitischer Ebene nicht lösen. Die Landtagsabgeordnete Sigrid Beer, schulpolitische Sprecherin der Grünen im Landtag, steht derzeit mit dem SPD-Fraktionschef im Dialog mit den Kirchen, um eine Schulrechtsänderung zu erwirken. "Es geht nicht um eine Verfassungsänderung und die Abschaffung der Bekenntnisschulen, sondern um die Frage der Aufnahmekriterien und Zusammensetzung des Kollegiums", so die Paderbornerin, die neben Erziehungswissenschaft auch evangelische Theologie studiert hat. Ihr ist die Beibehaltung des Religionsunterrichts wichtig.

"Religionsunterricht ist kein Missionsunterricht, das Ziel ist nicht, die Kinder zu Katholiken zu machen", sagt Roland Gottwald, Schulrat in der Abteilung Schule und Erziehung beim Erzbistum Paderborn. Bislang unterschreiben viele Eltern zwar den Anmeldebogen, melden ihre Kinder später aber vom Religionsunterricht ab - was gegen die Vorschriften verstößt.

"Das ist nicht lebenspraktisch", sagt Beer, die eine "lippische Lösung" lobt, die in der dortigen Landeskirche gepflegt werde: "Es wird interkonfessionell gearbeitet, und man will das Konzept auch in Bielefeld erproben."

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