Proteste gegen Mathe-Abi zeigen Wirkung

Umstrittene Klausur wird überprüft

veröffentlicht

Proteste gegen Mathe-Abi zeigen Wirkung - © OWL
Proteste gegen Mathe-Abi zeigen Wirkung (© OWL)

Bielefeld. War die Aufgabe zu schwer? Oder meckern Schüler nicht immer nach einer schweren Klausur - vor allem im Konsens-Horrorfach Mathematik? Weil tausende Schüler im Internet ihren Frust abladen nach der Zentralabi-Prüfung in Mathematik, lässt das NRW-Schulministerium die Aufgaben noch einmal prüfen. Auch Abiturienten aus OWL erzählen von weinenden Schülern und überforderten Lehrern. Der NRW-Philologenverband schlägt einen Notenbonus bei der Korrektur vor.

"Wir sollten das Volumen einer Pyramide ausrechnen, das hatten wir noch nie gemacht", erzählt Alexa Krüger vom Helmholtz-Gymnasium in Bielefeld. Auch Mitschülerin Alina Schwanenhorst saß am Mittwoch fassungslos vor den Aufgaben: "Ich war eine Einser-Schülerin, wenn’s gut läuft, bekomme ich eine Vier." Solche Erlebnisse schildern Abiturienten aus ganz OWL. "Die Lehrer waren wegen der vielen Nachfragen von Schülern verunsichert", berichtet Lasse Rieß vom Stadtgymnasium Detmold. "Nach der Klausur flossen bei vielen Tränen."

Schüler berichten, dass sie vorher im Unterricht kaum behandelte Themen vorgesetzt bekamen, weil Lehrer die übrigen Aufgaben viel zu schwer fanden. Die Hälfte der acht Vorschläge des Schulministeriums mussten Schüler im Leistungskurs lösen, Grundkurse bekamen drei von sieben Aufgaben. Friedhelm Rachner, Leiter des Evangelisch Stiftischen Gymnasiums in Gütersloh, erzählt, dass dort eine Aufgabe mit einer "irritierenden Aufgabenstellung" gleich aussortiert worden sei. Darum habe es dort später keine Probleme gegeben.

Den Ärger der Abiturienten versteht Peter Silbernagel, Landesvorsitzender des Philologenverbands und selbst Mathematik-Lehrer. "Den Protest muss man ernst nehmen." Schüler aus Grundkursen hätten Aufgaben auf dem Niveau eines Leistungskurses bekommen. Man dürfe nicht erwarten, dass Schüler Aufgaben bewältigen, die sie "normalerweise nicht im Unterricht machen". Als Lösung schlägt er vor, "die Schwierigkeiten in der Bewertung zu berücksichtigen".

Es gibt auch andere Stimmen. Gisela von Alven, Schulleiterin des Max-Planck-Gymnasiums in Bielefeld, hält die Aufregung für "aufgebauscht". Schüler seien nach Prüfungen oft verunsichert. Das verstärke sich über soziale Netzwerke im Internet. Auf Facebook zählte die Gruppe "Protest gegen Mathe-Abitur ’13" am Freitag bereits mehr als 7.000 Mitglieder. Am Dienstag soll in Düsseldorf demonstriert werden. Mehr als 5.000 Menschen unterstützen im Netz eine Petition an Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne).

Ministerium schließt fachliche Fehler aus
Beim Ministerium in Düsseldorf schließt eine Sprecherin fachliche Fehler aus. Proteste von Schülern gebe es seit Jahren. "Das ist nichts Neues." Es habe bisher zwei Rückmeldungen von Lehrern gegeben, eine davon kritisch. Doch der Online-Aufruhr zeigt Wirkung. Die zuständige Aufgabenkommission solle für die Ministerin zu kommender Woche eine schriftliche Stellungnahme auf die Kritik abgeben.

Sollte die Klausur wieder abgesegnet werden, könnten Schüler gegen die Note an der Schule Widerspruch einlegen, erklärt der auf Schulrecht spezialisierte Anwalt Peter Brunnert aus Bielefeld. "Wenn das Hunderte machen, könnte sich vielleicht ja etwas bewegen." Ein Gang vors Gericht sei wohl aussichtslos.

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2019
Inhalte von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.