Neuhäuser Familie nimmt behindertes Baby als Pflegekind auf

Eine Sache der Einstellung

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Tatjana und Alexander Kinas aus Schloß Neuhaus sind glücklich mit der kleinen Lea. - © FOTO: REINHARD ELBRACHT
Tatjana und Alexander Kinas aus Schloß Neuhaus sind glücklich mit der kleinen Lea. (© FOTO: REINHARD ELBRACHT)

Paderborn-Schloß Neuhaus (NW). Es wird wohl noch dauern, bis Lea (Name geändert) mit dem Spielzeug ihrer Geschwister auf dem Rasen im Garten etwas anfangen kann. Auch den Tomaten in dem kleinen Gewächshaus der Familie Kinas bleibt noch genug Zeit zum Reifen, bis das Mädchen sie verputzt. Lea ist schließlich erst fünf Monate alt. Gut angekommen ist sie in ihrer neuen Pflegefamilie aber trotzdem.

Dass Lea jetzt ein Zuhause hat, verdankt sie ihren neuen Pflegeeltern - und dem "Heilpädagogischen Pflegekinderdienst". Seit anderthalb Jahren wird das Projekt "Familie leben" an drei Standorten der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel vorbereitet, jetzt sind die ersten praktischen Umsetzungen gelungen. Die Idee: Auch Kinder mit schweren Behinderungen oder chronischen Erkrankungen, die keine eigene Familie haben, sollen die Möglichkeit erhalten, in der Geborgenheit einer Pflegefamilie aufzuwachsen.

Als erstes Kind konnte Lea Mitte Dezember vermittelt werden. Das Mädchen hatte einen schweren Start ins Leben. Sie kam zu früh auf die Welt und wog nur 1.600 Gramm. Von den leiblichen Eltern weiß man wenig. Die Mutter ist abgetaucht in die Drogenszene, der Vater nicht bekannt. Zwei Monate nach der Entbindung konnte Lea aus dem Krankenhaus entlassen werden. Das zuständige Jugendamt in Niedersachsen suchte händeringend eine zunächst zeitlich befristete "Schutzstelle" - es musste ganz schnell eine Lösung gefunden werden.

Ein Glück für Lea - und auch ein Glück für Alexander und Tatjana Kinas. Das Ehepaar aus Schloß Neuhaus war vom Jugendamt als Pflegefamilie zugelassen und hatte gerade das obligatorische Vorbereitungsseminar in Bassum besucht. Tatjana Kinas brachte als Kinderärztin ausgezeichnetes medizinisches Knowhow mit. Ausreichend Platz für ein weiteres Kind war in dem Einfamilienhaus auch - obwohl das aus Kasachstan stammende Ehepaar bereits vier leibliche Kinder hat. "Wir kommen beide aus großen Familien, meine Frau und ich haben beide vier Geschwister." Die Geschwister haben Lea gut angenommen: "Unser Jüngster ist richtig stolz, jetzt nicht mehr der Kleinste zu sein."

Die Anfragen an den Heilpädagogischen Pflegekinderdienst kommen über die Jugendämter; der Fachdienst versucht, geeignete Pflegeeltern zu finden. Und das ist nicht leicht: "Jedes Kind benötigt ein stabiles Umfeld, und natürlich ist ein geeignetes Raumangebot nötig", fasst Projektleiter Detlef Vincke die grundsätzlichen Voraussetzungen zusammen. Familien mit leiblichen Kindern, kinderlose Paare, Alleinerziehende und Einzelpersonen können Pflegeeltern werden. "Die innere Einstellung muss stimmen. Man muss es für das Kind tun, nicht für sich", betont Detlef Vincke. "Das ist sonst ungesund für alle Beteiligten."

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